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Interview
29.07.2023

Naturschutz in Bayern: "Es wird bei weitem nicht genug getan"

Moore sind ein wichtiger Speicher von Kohlendioxid und spielen somit eine bedeutende Rolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Auch sie sollen nach Plänen der EU renaturiert werden.
Foto: Michael Bauer, dpa

Plus Die EU will die Regelungen für den Naturschutz deutlich verschärfen. Bayern kritisiert das. Christine Margraf vom Bund Naturschutz kann das nicht verstehen.

Nach Plänen der EU sollen bis 2030 insgesamt 30 Prozent der Landes- und Meeresfläche unter rechtlich verbindlichen Schutz gestellt werden. Wie wichtig ist dieses Ziel für den Naturschutz und den Weg zur Klimaneutralität?

Christine Margraf: Schutzgebiete sind das Rückgrat und die Kernflächen, um den bedrohlichen Rückgang von Arten und Lebensräumen entgegenzuwirken. Je intakter die Lebensräume sind, desto widerstandsfähiger sind sie zum einen gegen die Auswirkungen der Klimakrise und desto mehr können sie auch selbst zum Klimaschutz beitragen: nasse Moore, dynamische Auen, artenreiche Wiesen oder alte Wälder speichern Kohlenstoff und sind auf dem Weg zur Klimaneutralität unersetzbar.

Zehn Prozent der Landes- und Meeresflächen sollen sogar unter strengen Schutz gestellt werden. Ist das Ziel realistisch?

Margraf: Laut einer neuen Studie der Universität Bologna stehen in Deutschland nur 0,6 Prozent der Flächen unter wirklich strengem Naturschutz. Einberechnet wurden hier nur die Gebiete, die nach den Kriterien der Weltnaturschutzunion als Wildnisgebiet oder Nationalpark ausgewiesen sind. In Bayern wäre ein erster wichtiger Schritt etwa ein dritter Nationalpark im Steigerwald. Dennoch wird es in Deutschland prinzipiell schwer, zehn Prozent echte Wildnisgebiete, Nationalparks oder vergleichbares einzurichten.

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