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Kabarett
30.03.2022

Bruno Jonas: "Der Humor ist nicht in der Krise"

Seit Ende des vergangenen Jahres steht Kabarettist Bruno Jonas als Mitgesellschafter an der Spitze der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.
Foto: Florian Peljak, dpa

Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft ruft den „Zentralrat des deutschen Humors“ ins Leben. Kabarettist Bruno Jonas erklärt, worum es geht – und vor allem: worum nicht.

Das ist jetzt kein Witz. Der Münchner Lach- und Schießgesellschaft ist es bierernst. Sie gründet einen „Zentralrat des deutschen Humors“. Er soll erstmals im November dieses Jahres und danach jedes Jahr aufs Neue zusammentreten und „den Zustand des deutschen Humors und seine aktuellen Erscheinungen beschreiben und untersuchen“ – sozusagen ein Humorsymposium mit dem Auftrag, eine Grundsatzdiagnose zu liefern.

Der Kabarettist Bruno Jonas, der Ideengeber für die zweitägige Veranstaltung im November, hatte bei der Vorstellung des Projekts am Mittwoch in München einige Mühe zu erklären, worum es nicht geht. Dass ihm die Sache etwa nur deshalb eingefallen sei, weil er während der Corona-Jahre kaum Auftritte und somit viel Zeit zum Nachdenken hatte, weist er strikt zurück.

"Zentralrat des deutschen Humors": Jonas ruft "Humorexperten" zum Mitmachen auf

Bereits im Jahr 2007 habe er in Zusammenarbeit mit dem Scharfrichterhaus in Passau etwas ähnliches unter dem Titel „Humor und Glauben“ gemacht. Ganz neu ist die Idee somit nicht. Aber jetzt soll sie im großen Stil umgesetzt werden.

Auch dass der Humor nach den Corona-Jahren in Schwierigkeiten stecken könnte, vermag Jonas nicht zu erkennen. „Der Humor ist nicht in der Krise. Das kann gar nicht sein. Humor ist eine Grundstimmung der Seele“, sagt er. „Alles, was uns geschieht in unserem Leben, kann mit Humor genommen werden.“ Und ganz falsch wäre es, den „Zentralrat des deutschen Humors“ als exklusive Veranstaltung für Kabarettisten zu sehen. Im Gegenteil. Alle „Humorexperten“ sollen mitmachen – auch Schriftstellerinnen, Kolumnisten, Schauspielerinnen, Regisseure, Musikerinnen, Maler, Professorinnen, Wissenschaftler, Journalistinnen und „Künstler aller ästhetischen Ausdrucksformen“. Jonas: „Es geht darum, dass wir das Phänomen Humor wissenschaftlich beleuchten und aus der Perspektive der Künstler.“

Bruno Jonas versus Kurt Tucholsky: Darf Satire wirklich alles?

Die Fragestellungen, die bei der Lach- und Schießgesellschaft in einem ersten Anlauf formuliert wurden, sind vielfältig: Kann der deutsche Humor eine Vorreiterrolle für die Völkergemeinschaft übernehmen? Gehört das Recht auf selbstbestimmten Humor ins Grundgesetz? Brauchen wir mehr geistige Solardächer, die der Wind des Humors umpfeift? Sollte es neben SPD und Grünen noch weitere humorfreie Zonen geben? Warum lacht der Andersdenkende nicht, wenn er vom anders Andersdenkenden aus der Gemeinschaft der Rechtgläubigen ausgeschlossen wird? Warum darf Satire nicht alles, wenn sie doch alles darf?

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Zu dem berühmten Satz von Kurt Tucholsky „Satire darf alles“, der 1919 in der Zeitschrift Die Weltbühne geschrieben stand, hat Jonas eine ganz eigene Meinung. „Satire durfte noch nie alles“, sagt er. Das sei auch Tucholsky klar gewesen. „Es gehört zur Satire dazu, dass man nicht immer die volle Zustimmung bekommt“, sagt Jonas und fordert „erst einmal eine Klärung der Begrifflichkeit“. Schließlich gebe es auch Satire ohne Humor. Und umgekehrt gebe es humorvolle Äußerungen, die keinen Lacher hervorrufen.

Themen sollen über die Jahre konkreter werden

Dass die Veranstaltung in dieser verwirrend umfassenden Art und Weise angekündigt wird, gehört ganz offenkundig zum Konzept. Der „Zentralrat“, so sagen die Veranstalter, zu denen auch Professor Friedrich Vollhardt vom Institut für Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Verein „Forum Humor und komische Kunst e. V.“ gehören, tage „ergebnisoffen“. In den darauffolgenden Jahren sollen die Themen konkreter gefasst werden.

Ergründet werden soll das Phänomen Humor am 25. und 26. November an der LMU in sechs Dialogvorträgen, in denen jeweils zwei Referenten – ein „Humortreibender“ und ein Wissenschaftler – aufeinandertreffen. Bereits zugesagt hätten, so Vollhardt, die Autorin und Kabarettistin Lisa Eckhart, der Kabarettist Gerhard Polt, der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Jürgen Kaube, die Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz sowie namhafte Wissenschaftler.

Tickets Der Eintritt für beide Tage des Symposiums kostet im Vorverkauf 100 Euro. Karten können bereits jetzt vorbestellt werden unter info@lachundschiess.de.

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30.03.2022

Humor wird gefährlich, wenn es aus Verzweiflung nur noch den schwarzen Humor gibt und sich die Leute dabei tot lachen.

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