Wenngleich es einfach, so nach „gesundem Menschenverstand“ klingen mag: Kinder und Jugendliche von sozialen Medien auszusperren, ist nicht die Lösung. Vielmehr verschiebt ein Social-Media-Verbot das Problem – und die Verantwortung. Hin zu den Kindern, Jugendlichen und Eltern. Weg von den Betreibern der Plattformen.
Wo Kinder ausgesperrt sind, muss man sich ja nicht mehr kümmern
Ein Verbot ist doch für letztere ein Freifahrtschein, um genau so weiterzumachen, wie bisher: Aufmerksamkeit in Gewinn zu verwandeln. Scrollen, liken, kommentieren. Ohne Ende. Und dafür gibt es Herzen. Schreckliche Videos von Terror und Hinrichtungen zu verbreiten. Hasskommentare ungefiltert laufen zu lassen. Denn wo Kinder und Jugendliche offiziell ausgesperrt sind, muss man sich ja nicht mehr kümmern. Die Vorschläge der Jungen Union, wie Plattformen stärker reguliert werden könnten, sind nur ein erster Schritt.
Denn in der ganzen Debatte, in der wohlgemerkt ständig über Heranwachsende – statt mit ihnen – gesprochen wird, vergessen viele schlicht, dass wir längst in einer hybriden Welt leben. Bestimmte Gruppen davon auszusperren, ergibt keinen Sinn: Für Kinder und Jugendliche sind soziale Medien die Austauschplattform Nummer eins. Sie bedeuten digitale Teilhabe, Vernetzung, Freundschaft. Sie sind Teil ihrer Lebensrealität.
Es braucht digitale Schutzräume, die moderiert sind
Doch diese Realität muss in geschützten Räumen stattfinden. Damit all der Hass, die Deepfakes, die pornografischen Inhalte ausgesperrt bleiben. Es braucht Plattformen, die moderiert sind. Auf denen sich Jugendliche sicher fühlen.
Solche Räume zu schaffen, liegt nicht in der Verantwortung der Nutzerinnen und Nutzer. Sondern der Politik und der Plattformbetreiber. Wenn Politiker also nach einem Verbot rufen, verkennen sie die Lebensrealität der jungen Generation. Sie wären besser beraten, würden sie ihre Energie endlich in die Regulierung der Anbieter investieren. Eine Pflicht zur Offenlegung und Deaktivierung von schädlichen Algorithmen, die Hass, Depressionen oder Cybermobbing verstärken, wäre ein Anfang.
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