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Lokalrundfunktage
05.07.2022

Söder: "Bekenntnis zur Identität ist die größte Stärke des Lokalrundfunks"

Ob auf UKW oder DAB+: Gerade Lokalfunk ist erfolgreich.
Foto: Jens Kalaene, dpa (Symbolbild)

Lokalradios sind in Bayern beliebt und wichtig. Sie erreichen mit ihrem Mix aus Musik und journalistischen Inhalten knapp 2,9 Millionen Menschen ab 14 Jahren im Freistaat. Ministerpräsident Söder findet's "subber".

Für Markus Söder ist die Welt in seiner Geburtsstadt Nürnberg ganz besonders in Ordnung. Und so sagte dort Bayerns Ministerpräsident am Dienstag zu Beginn des Branchentreffens "Lokalrundfunktage" Sätze wie diesen: "Gäb's nur Franken in der Welt, gäb's keine Konflikte." Ein Wohlfühltermin für Söder – und zumindest in gewisser Weise auch für die Macherinnen und Macher lokaler Hörfunk- und TV-Programme, die er für ihre Arbeit lobte, weiterhin stimmende Rahmenbedingungen versprach und ihnen mitgab: "Das Bekenntnis zur Identität ist die größte Stärke des Lokalrundfunks."

In herausfordernden Pandemiezeiten und einem schwieriger werdenden Markt konnte der sich insgesamt gut behaupten. Im Schnitt knapp 2,9 Millionen Menschen ab 14 Jahren in Bayern werden werktäglich von den mehr als 80 Lokalradio-Programmen erreicht. Das entspricht 25,7 Prozent der Bevölkerung (2021: 26,7). Um einen Prozentpunkt zurückgegangen ist auch die Tagesreichweite bei der Radionutzung, auf nun 82,4 Prozent. Erklären lässt sich das wohl mit einer höheren Mobilität nach den Corona-Lockdowns.

Wie geht es dem lokalen Rundfunk in Bayern und wohin geht seine Reise?

Auf die höchste Tagesreichweite kommt der öffentlich-rechtliche Sender Bayern 1 mit 29,5 Prozent - gefolgt von den Lokalradios, wie die am Dienstag bei den inzwischen 30. Lokalrundfunktagen vorgestellte "Funkanalyse Bayern 2022" ergab. Von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) ins Leben gerufen, setzte das Branchentreffen von Beginn an auf Erfahrungsaustausch. Nicht zuletzt durch die Funkanalyse dient es der Standortbestimmung: Wie geht es dem lokalen Rundfunk im Freistaat und wohin geht seine Reise?

Ministerpräsident Markus Söder (hier auf einem Foto vom Montag) fand in Nürnberg lobende Worte für den Lokalfunk.
Foto: Peter Kneffel, dpa

Für Bernhard Hock, Geschäftsführer der rt1.media group (Hitradio RT1, a.tv) mit Sitz in Augsburg, gibt es eine wesentliche Entwicklung, die sich fortsetzen werde: „Ich habe den Eindruck, dass Spartensender zulegen. Programme, die eine klare, spitze Zielgruppe bedienen, wachsen“, sagte er im Gespräch. Zu sehen ist das unter anderem an Antenne Bayern und Rock Antenne. Das landesweit empfangbare Antenne Bayern, das sich als Vollprogramm an eine breite Zuhörerschaft richtet, ist laut Funkanalyse auf eine Tagesreichweite von 21,5 Prozent (werktäglich, Hörer ab 14 Jahren in Bayern) gefallen. 2021 waren es 22,1 Prozent, im Vor-Corona-Jahr 2019 noch 28,9 Prozent. Der zur Antenne Bayern Group zählende Sender Rock Antenne konnte seine Tagesreichweite in Bayern dagegen kontinuierlich steigern, auf jetzt 5,4 Prozent.

Technisch bieten Digitalradio DAB+ oder Webradio Radiosendern für Spartenprogramme so viele Möglichkeiten und Hörerinnen und Hörern ein so vielfältiges Angebot wie nie. Die Kehrseite aus Sicht der Senderverantwortlichen: Ausdifferenzierung und Fragmentierung von Angebot wie Publikum schlagen sich zwangsläufig in der Nutzung der Hauptprogramme nieder.

Unverändert bleibt dabei, dass der Haupteinschaltfaktor nach wie vor die Musik sei, so Bernhard Hock. "Aber der Wortanteil macht den Unterschied, etwa zu einem Streaminganbieter wie Spotify. Uns liegt viel an regionalen und lokalen Inhalten und wir versuchen, diesen Bezug auch in Moderationen herzustellen.“

Das Erfolgsrezept des Rundfunks in Bayern: "Ganz nah dran sein"

Für Thorsten Schmiege, den Präsidenten der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, ist das im Grunde des "Erfolgsgeheimnis" des lokalen Rundfunks in Bayern, wie er unserer Redaktion sagte: "Ganz nah dran sein vor Ort. Auf Augenhöhe berichten. Dazu der Faktor Mensch, also Emotion, Dialekt, Humor." Ministerpräsident Markus Söder pflichtete ihm bei: "Dialeggd is subber", sagte er. Beim Lokalfunk kämen, so Schmiege, verlässliche journalistische Inhalte hinzu, die in den schwierigen Pandemiejahren "verbinden statt spalten" und Fake News und Desinformation entgegensteuerten. Der lokale Rundfunk habe gerade während der Pandemie bewiesen, was er könne und dass er systemrelevant sei, sagte er.

Thorsten Schmiege ist als Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) Chef-Aufseher der privaten Hörfunk- und Fernsehangebote in Bayern.
Foto: Sven Hoppe, dpa (Archivbild)

In Nürnberg betonte Schmiege zugleich, dass gute Reichweiten kein Selbstläufer seien und jeden Tag aufs Neue erarbeitet werden müssten. Der lokale Rundfunk stehe in der digitalen Welt unter immensem Konkurrenzdruck. "Auf einen Punkt gebracht: Wer nicht relevant ist, wird es in Zukunft schwer haben." Schmiege hob dabei den Druck hervor, dem sich in besonderer Weise das Lokalfernsehen angesichts der "globalen Streaming-Welt" zu stellen habe. Eigene Angebote müssten ihm zufolge dorthin, wo die User sind – nicht umgekehrt.

Dem schwäbischen Regionalfernsehsender a.tv gelingt das offensichtlich. Er konnte seine Zuschauerzahlen steigern, auf werktäglich 95.000 Zuschauerinnen und Zuschauer ab 14 Jahren. Damit liegt er bayernweit auf dem dritten Platz hinter münchen.tv und Franken Fernsehen aus Nürnberg. Hock verweist hier auf das neue schwäbische Nachrichtenmagazin „Zwischen Alpen und Donau“ - eine Koproduktion mit allgäu.tv und Regio TV Schwaben - das täglich aus dem gesamten Regierungsbezirk Schwaben berichtet, und das sehr gut angenommen werde.

Den bayerischen Lokal-TV-Programmen wird in der "Funkanalyse" eine hohe Glaubwürdigkeit bescheinigt

Insgesamt schauen laut Funkanalyse 706.000 Menschen ab 14 Jahren in Bayern an einem durchschnittlichen Wochentag die 14 Lokal-TV-Programme - denen eine hohe Glaubwürdigkeit bescheinigt wird. Deutlich zugelegt hat unter anderem "17:30 Sat.1 Bayern", das Regionalfenster von Sat.1 für den Freistaat. Es steigerte sich von werktäglich 348.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Jahr 2019 auf 410.000. In der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen hat es damit in Sat.1-Fenster-Haushalten zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr mit 12,6 Prozent einen höheren Marktanteil als das Bayerische Fernsehen (8,6).

Für die Funkanalyse Bayern 2022 wurden von Kantar für die Hörfunk-Studie rund 23.000 Menschen ab 14 Jahren befragt; für die Fernseh-Studie befragte das Marktforschungsinstitut GIM rund 14.100 Personen ab 14 Jahren im Freistaat.

Und wie geht es jetzt weiter? „Momentan sehe ich einen großen Hunger bei den Menschen, sich begegnen zu wollen", hat Bernhard Hock, Geschäftsführer der rt1.media group, beobachtet. "Für uns bedeutet das, endlich auch wieder verstärkt draußen zu sein und bei Veranstaltungen oder mit Aktionen präsent zu sein. Hoffen wir, dass das jetzt lange möglich bleibt.“ Die RT1-Sendergruppe mit ihren Hitradio RT1-Lokalstationen in Augsburg, Neuburg-Schrobenhausen, Donauwörth und Memmingen sowie ihren beiden Programmen auf DAB+ erreichte werktäglich 221.000 Hörerinnen und Hörer.

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