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Bayern braucht mehr Praktiker: Mit diesen Maßnahmen sollen Mittelschüler zu Facharbeitern werden

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Bayern braucht mehr Praktiker: Mit diesen Maßnahmen sollen Mittelschüler zu Facharbeitern werden

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    Mittelschüler sollen mehr Lernzeit bekommen.
    Mittelschüler sollen mehr Lernzeit bekommen. Foto: Stephan Jansen, dpa

    Wenn man sich Bayerns neue Imagekampagne für die Mittelschule ansieht, ist die Schulart ein in kräftigen Farben leuchtender Baum. In Wirklichkeit sehen selbst viele Lehrkräfte die Mittelschule als verwelkendes Gewächs auf schwierigem Boden, bei dem zu lange jemand das Gießen vergessen hat. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) will den Baum wieder blühen lassen. Das sind ihre Pläne, um die Mittelschule aufzuwerten.

    Am bedeutendsten: Schulen bekommen in den Jahrgangsstufen fünf, sechs und sieben mehr Spielraum bei der Stundentafel. Sie können ab Herbst eigenverantwortlich jede Woche bis zu zwei zusätzliche Stunden Deutsch, Mathematik oder Englisch anbieten, um schwächere Schülerinnen und Schüler oder die ganze Klasse in diesen Kernfächern voranzubringen. Die jeweils anderen Fächer werden dann vorübergehend gekürzt. „Die Mittelschule ist ein Sprungbrett für vielfältige Berufs- und Bildungswege“, sagte die Kultusministerin am Dienstag im Landtag. „Aber: Die Herausforderungen werden größer, die Schülerschaft wird heterogener, das herausfordernde Verhalten wird mehr.“ Was heißt das konkret?

    Fünf Prozent der Kinder an Mittelschulen haben Förderbedarf

    An die Mittelschule wechselten im Schuljahr 2024/2025 genau 28,7 Prozent der bayerischen Viertklasskinder. Von den aktuell 207.000 Schülerinnen und Schülern dort haben dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) zufolge etwa fünf Prozent besonderen Förderbedarf, knapp die Hälfte spricht eine andere Muttersprache als Deutsch.

    Für Kinder, die besonders viel pädagogische Betreuung brauchen, ist das jahrgangsübergreifende Lernen gedacht, das bereits seit 2022 an einigen Mittelschulen erfolgreich erprobt wird. Schülerinnen und Schüler mit größerem Förderbedarf können an manchen Schulen künftig die fünfte und sechste Klasse über einen Zeitraum von drei Jahren absolvieren. „Kinder brauchen Zeit: zum Lernen, zum Wachsen und zur persönlichen Entwicklung“, so die Kultusministerin.

    Mittelschule: Für zwei Jahrgangsstufen drei Jahre Zeit

    Dass Mittelschülerinnen und -schüler häufig aus einem eher bildungsfernen Elternhaus stammen, beweist der neue Chancenmonitor des Münchner Ifo-Instituts, der zufällig zeitgleich zu Stolz' Reform präsentiert wurde. Demzufolge sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind ein Gymnasium besucht, mit dem Einkommen und dem Bildungsstand der Eltern. Ein Schüler etwa, dessen Eltern beide kein Abitur haben und zusammen weniger als 2750 Euro netto im Monat verdienen, hat demnach nur eine „Gymnasialwahrscheinlichkeit“ von knapp 17 Prozent. Er wird eher einen niedrigeren Abschluss machen. Ein Kind, dessen Eltern Akademiker sind und zusammen mehr als 6000 Euro netto verdienen, geht mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 Prozent aufs Gymnasium.

    Bildungspolitikerin Ute Eiling-Hütig (CSU) weist vor diesem Hintergrund darauf hin, dass ein hoher Bildungsabschluss nicht alles ist: „Wir brauchen nicht 2000 Professoren und einen Handwerker, sondern 2000 Handwerker und maximal einen Professor“, sagte sie im Landtag.

    Intensivpraktika sollen Mittelschüler fit für den Beruf machen

    Die kleine bayerische Mittelschulreform will auch mehr Berufsorientierung. Abschlussprüfungen sollen erst probeweise und ab dem Schuljahr 2028/2029 in einzelnen Fächern „projektorientiert“ ablaufen, zum Beispiel in Form praktischer Versuche. In den Jahrgangsstufen vor dem Abschluss sind neue „Intensivpraktika“ vorgesehen.

    Aus Sicht der Grünen und der SPD geht all das an den wirklichen Bedürfnissen der Schulen vorbei. Denn die Mittelschule ist so gebeutelt vom Lehrkräftemangel wie keine andere Schulart in Bayern. „Was die Lehrkräfte an Mittelschulen wollen, ist ganz klar Personal“, sagte Christian Zwanziger (Grüne). Zum Personal aber finde er nichts in den Regierungsplänen. Die Zahl derer, die Mittelschullehramt studieren, ist laut BLLV innerhalb von zehn Jahren um 41 Prozent gesunken. Stolz leugnete das Personalproblem nicht. „Aber um Stellen zu besetzen, brauchen wir Nachwuchs.“ Jede angehende Mittelschullehrkraft bekomme eine Einstellungsgarantie.

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