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Geheimakten enthüllt: Warum wurde Nazi-Arzt Josef Mengele nie gefasst?

Nationalsozialismus

Geheimakten über den Günzburger Nazi-Verbrecher Josef Mengele enthüllt: Was kommt jetzt ans Licht?

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    Das Vernichtungslager Auschwitz im Jahr 1944: Josef Mengele (Mitte) mit zwei weiteren SS-Offizieren.
    Das Vernichtungslager Auschwitz im Jahr 1944: Josef Mengele (Mitte) mit zwei weiteren SS-Offizieren. Foto: Imago Images

    Josef Mengele war einer der skrupellosesten Verbrecher der NS-Zeit, trotzdem fühlte er sich nach dem Untergang des Nazi-Regimes offenbar ziemlich sicher. Der gebürtige Günzburger hatte im Konzentrationslager Auschwitz über Leben und Tod entschieden. Der Arzt sortierte an der Rampe Häftlinge aus, die sofort sterben mussten oder für medizinische Versuche missbraucht wurden. Zur Rechenschaft gezogen wurde er nie. Bis zu seinem Tod in den 80er Jahren lebte Mengele unbehelligt in Südamerika. Bis heute gibt es allerdings wilde Gerüchte, wie oft er zwischendurch nach Europa zurückgekehrt war. Bislang streng geheime Akten des Schweizer Nachrichtendienstes könnten nun Licht ins Dunkel bringen.

    In den 50ern reiste Josef Mengele unerkannt nach Günzburg

    Belegbar ist, dass Mengele in den 50er Jahren aus seinem argentinischen Versteck in die Schweiz flog, um dort – unglaublich, aber wahr – Skiurlaub mit der Familie zu machen. Diese Reise führte ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zurück in seine schwäbische Heimat. Zumindest einen Tag lang soll er sich bei seiner Familie in Günzburg aufgehalten haben. Womöglich war er Anfang der 60er Jahre ein weiteres Mal in Zürich. Darüber könnten nun die Schweizer Geheimakten Aufschluss geben. Dort hatte seine zweite Ehefrau eine Wohnung gemietet. Der Kontakt riss nie ab: Während seiner Flucht, die ihn von Argentinien über Paraguay nach Brasilien führte, wurde der „Todesengel von Auschwitz“ von seiner Familie finanziell unterstützt.

    „Den deutschen Behörden war Mengele schlicht egal“

    Nur: Wie konnte ein berüchtigter Nazi-Verbrecher all die Jahre unentdeckt bleiben? Mit dieser Frage hat sich auch der Historiker Sven Keller beschäftigt. Er hat ein Buch über Mengele geschrieben und leitet heute die Dokumentation Obersalzberg. Er ist überzeugt: „Bis in die 50er Jahre hinein wurde Mengele von den deutschen Behörden nicht gesucht. Man muss sich das mal vorstellen: Da marschiert einer 1956 in die deutsche Botschaft in Buenos Aires und erklärt, er sei unter falschem Namen eingereist – und bekommt ohne Weiteres einen Reisepass unter seinem Klarnamen Josef Mengele. Und niemand interessiert sich dafür“, sagt Keller unserer Redaktion. Erklärbar sei das nicht allein damit, dass die Aufarbeitung der Nazi-Gräuel nach dem Krieg nur schleppend vorankam.

    Josef Mengele galt als meistgesuchter NS-Verbrecher

    „Zur Wahrheit gehört auch, dass die ganze Dimension von Mengeles Taten in den 50ern noch nicht bekannt war“, sagt der Historiker. Das Etikett „meistgesuchter NS-Verbrecher“ habe der Günzburger erst später bekommen. Auch dürfte sich die „legendäre Schweizer Diskretion nicht nur auf Bankschließfächer bezogen haben“. Um die Tatsache, dass Mengele nie gefasst wurde, ranken sich allerlei Verschwörungstheorien. Ob die Schweizer Geheimakten sie weiter befeuern oder entkräften werden?

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