Der Klimawandel begleitet die politische Debatte seit Jahren. Nun haben Wissenschaftler ihre Szenarien zur künftigen Erderwärmung überarbeitet. Einige besonders extreme Prognosen gelten heute als weniger wahrscheinlich als noch vor einigen Jahren. Der Grund: Der Ausbau erneuerbarer Energien verläuft vielerorts schneller als erwartet, die Kosten für Wind- und Solarstrom sind gesunken und außerdem wurden weltweit Klimaschutzmaßnahmen beschlossen.
Klimaszenarien sind keine Vorhersagen. Sie sind Rechenmodelle, die sich auf verschiedene Entwicklungen stützen. Je nachdem, wie viel Kohle, Öl und Gas künftig genutzt werden und wie konsequent Staaten ihre Emissionen senken, fallen die Berechnungen unterschiedlich aus.
Der Klimawandel ist nicht gestoppt
Bedeutet das, dass die Sorgen vor dem Klimawandel übertrieben waren? So sehen es die Forscher nicht. Sie betonen, dass die Anpassung der Szenarien keine Entwarnung bedeutet. Selbst nach den neuen Berechnungen könnte sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich erwärmen.
Schon jetzt sind die Auswirkungen vielerorts spürbar. Hitzewellen, Trockenheit, Waldbrände und Starkregen beschäftigen auch Deutschland zunehmend. Hinzu kommt, dass der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen weiterhin steigt. Selbst die günstigeren Szenarien sehen deshalb vor, dass das international angestrebte 1,5-Grad-Ziel zumindest zeitweise überschritten wird.
Deutschland tut nicht genug für den Klimaschutz
Die Diskussion kommt zu einem Zeitpunkt, an dem auch in Deutschland über den Stellenwert des Klimaschutzes gestritten wird. Wirtschaftliche Unsicherheit, hohe Lebenshaltungskosten und internationale Krisen prägen viele Debatten. Experten gehen auch hierzulande davon aus, dass Deutschland seine eigenen Klimaziele voraussichtlich verfehlen wird. Die Herausforderung für die Bundesregierung besteht deshalb darin, Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Belastungen miteinander zu verbinden.
Die neuen Berechnungen liefern daher vor allem eine andere Erkenntnis: Klimaschutz kann etwas bewirken. Gerade weil Maßnahmen Wirkung zeigen, gelten die schlimmsten Szenarien heute als weniger wahrscheinlich. Die Erderwärmung bleibt jedoch eine Herausforderung – und damit auch die Frage, wie ihr begegnet werden soll. (mit dpa)
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