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Schauspieler
05.01.2023

"Eine Riesensach": Günther Maria Halmer wird 80 Jahre alt

Am 5. Januar feiert der Schauspieler Günther Maria Halmer seinen 80. Geburtstag.
Foto: Ursula Düren, dpa

Der Schauspieler Günther Maria Halmer hat in vielen Rollen geglänzt. Aber seine Verkörperung des Tscharlie in Helmut Dietls "Münchner Geschichten" hat ihn unsterblich gemacht.

Sitzen am Aschermittwochmorgen drei vom tagelangen Feiern übernächtigte Typen in Faschingskostümen als Zorro, Ringo und Zapatas an der Isar und trivialphilosophieren über das Leben. Der Dialog ist ebenso legendär wie simpel: „Schee is. Ja, so schee! So schee war’s no nia!!“ Er erzählt viel vom Münchner Lebensgefühl der 70er Jahre, wie es nur in der Serie „Münchner Geschichten“ festgehalten worden ist. 

Über die Jahrzehnte ist die TV-Produktion des verstorbenen Regiemeisters Helmut Dietl quasi zum festen Bestandteil im Programm des Bayerischen Fernsehen geworden. Generationen von Fans können viele der Dialoge bis heute auswendig rezitieren, wie es vielleicht sonst nur noch bei einer der Nachfolgearbeiten Dietls, dem „Monaco Franze“, oder Franz Xaver Bogners „Irgendwie und sowieso“ vorkommt.

Münchner Geschichten: Therese Giehse und Günther Maria Halmer.
Foto: Imago

Es könnte etwas Wahres dran sein, dass in Halmer eine Menge Tscharlie steckte

„Die Geschichten um Tscharlie Häusler und seiner Oma gehören weit mehr zu München als das Hofbräuhaus“, stellte die Süddeutsche Zeitung schon vor vielen Jahren fest. Tatsächlich wurde der Umbruch der alten Landeshauptstadt hin zu einer modernen, nüchternen Investmentmetropole nie heiterer-trauriger-tiefgründiger dokumentiert.

Und daran hatte auch ein Schauspieler großen Anteil, der die Hauptfigur des Karl Häusler verkörperte, eines sympathisch großmäuligen Großstadtstrizzi, der vom jungen Schauspieler Günther Maria Halmer, der nun 80 Jahre alt wird, verkörpert wurde. Und der bis dato völlig unbekannte Absolvent der Otto-Falkenberg-Schule spielte die Rolle so gut, dass man sich sicher war: Der ist genauso. Und ein bisserl wollte man auch so sein wie der Tscharlie: Unangepasst, fröhlich scheiternd, lebenslang auf dem Weg nach Sakramento. Und Tscharlie war immer auf der Suche nach „der Riesensach“, sozusagen nach dem Jackpot im Leben. Es könnte etwas Wahres dran sein, dass in Halmer eine Menge Tscharlie steckte. Sehr offen erzählt der Mime heute von seinem Leben als Jungspund, als er nur wusste, was er nicht wollte. 1943 geboren, während der Nachkriegszeit im „Kleinstadtmief“ von Rosenheim herangewachsen, suchte er seine Rolle im Leben. Auch er war, wie die Serienfigur, davon überzeugt, zu Höherem berufen zu sein. Jedenfalls sollte es nicht das profane Leben eines Anwalts sein, das sein Vater für ihn vorgesehen hatte. 

Dietl stieg zu einem der besten Regisseure Deutschlands auf

Halmer versuchte sich in allerlei „Metiers“: Bundeswehr, Hotelfachschule, Gelegenheitsjobs in Paris, und schließlich malochte er sogar in einer Asbestmine in Kanada. Da wurde ihm schlagartig klar, dass er zum Schauspieler geboren war.

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Und kurz darauf holte ihn schon Helmut Dietl, damals gerade 30 Jahre geworden. Der sollte für das Bayerische Fernsehen ein neues Vorabend-Format erfinden. Es war ein Glücksfall für beide. Dietl stieg zu einem der besten Regisseure Deutschlands auf, Halmer wurde ein erfolgreicher Schauspieler. Der Bayer spielte über die Jahrzehnte in zahlreichen weiteren Serien und Filmen mit Stars wie Senta Berger, Hanna Schygulla und Meryl Streep. Dabei überzeugte er auch in internationalen Produktionen wie „Gandhi“. Bis heute dreht er, wenngleich Günther Maria Halmer es inzwischen etwas ruhiger angehen lässt. Erst 2020 stand er beispielsweise wieder fürs Kino vor der Kamera und spielte neben Heiner Lauterbach in „Enkel für Anfänger“. Außerdem hatte er eine tragende Rolle in der starken Produktion „Lang lebe die Königin“, dem letzten Film der verstorbenen Kollegin Hannelore Elsner.

Auch eine Autobiografie erschien 2017 mit dem Untertitel „Ansichten eines Widerborstigen“ und erzählt von der inneren Auseinandersetzung Halmers zwischen vernünftigem Benehmen und wütender Opposition. Man könnte an dieser Stelle nach so Vieles aufführen. Aber, um den Bogen zu schließen: Kurz vor Dietls Krebstod hatten er und Halmer nach Jahren des Schweigens wieder Kontakt. Das erzählte der Schauspieler vor einigen Jahren im Interview mit unserer Redaktion. Es muss ein gutes Gespräch mit einigen Ideen gewesen sein, aber es sollte leider zu keinem neuen Projekt mehr kommen.

Große Ziele habe er nicht mehr, verriet er vor seinem 80. Geburtstag

So bleiben eben die „Münchner Geschichten“, die auch von Tscharlies Freund Gustl erzählen, der sich von kleinen Hoffnungen auf ein bürgerliches Leben fast korrumpieren lässt. Und von der Wirtstochter Susi Hillermeier, die diesen Tscharlie über alles liebt und dann doch in ein nicht verrücktes Leben flüchtet. Oder von ihrem Vater, dem von Karl Obermayr herrlich dargestellten Gastronom wider Willen, der gerne alles Bürgerliche hinter sich liegen lassen würde und Sätze raushaut wie: „In der Früh sperr ma auf, auf’d Nacht sperr ma wieda zu, außer am Sonntag, da sperr ma ned um Neine auf, sondern um Zehne. So is des im Leben …“

Ja, und am Ende bleiben auch noch zwei, drei Sätze zum Leben des Schauspielers. Günther Maria Halmer lebt privat mit seiner Frau Claudia in der Nähe seines Geburtsortes. Das Paar hat zwei Söhne, die ihn zum Opa gemacht haben. Große Ziele habe er nicht mehr, verriet er vor seinem 80. Geburtstag. Da hält er es mit dem Tscharlie, der ein Ziel zu haben auch eher als einengend empfand.

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