Die letzte Bratwurst. Man sah sie Mitte März dieses Jahres. Wahlkampftour im Ostallgäu. Frauen und Männer drängten sich um einen hellblauen Pavillon mit CSU-Logo. Der bayerische Ministerpräsident hat sich hinter den Grill gestellt. Es gab – natürlich – Bratwurst.
Zu diesem Zeitpunkt, als noch niemand ahnte, dass die CSU bei dieser Kommunalwahl ihr schlechtestes Ergebnis seit 1952 einfahren würde, lächelte Markus Söder noch mit Bratwurst in die Kamera. Zu diesem Zeitpunkt trug er seine eigens entworfene Grillschürze (#södergrillt) noch mit Stolz. Es sollte das letzte Bild des Ministerpräsidenten mit Bratwurst sein, das seine Fans auf Instagram bewundern durften.
Mit der verlustreichen Kommunalwahl fand das Foodblogging ein Ende
Denn #söderisst in den sozialen Medien seit der Kommunalwahl nicht mehr. Das Foodblogging hat ein Ende. Statt kulinarischer Höhepunkte teilt der CSU-Chef Ausschnitte aus seiner Regierungserklärung (#politik) oder wünscht frohe Pfingsten (ohne #). Dazwischen ein Bild auf dem Rad oder aus dem Freibad (sein Lieblingssport ist Schwimmen).
Was man nicht alles über den Ministerpräsidenten erfährt. Was man nicht mehr weiß: Was er jeden Tag zu speisen pflegt, mit welchen Geschmackserlebnissen die Kabinettssitzung aufwartet, wie viele Bratwürste er an einem Tag essen kann.
Interessierten sich die Menschen nur für sein Essen?
Der Ministerpräsident hat eine Kehrtwende auf Instagram angekündigt. Kein Döner, kein Schäufele und schon gar keine Bratwurst mehr. „Inzwischen weiß aber auch jeder, was ich gern esse“, sagte er. Es gebe wichtigere Themen (Wirtschaft, Außenpolitik und so). Manche vermuten gar, er würde sich mit einem seriösen Anstrich bereits in Position für eine Kanzlerkandidatur bringen wollen. Doch so weit ist es noch nicht. Jedenfalls schmeckt der #seriösesöder seinen Fans überhaupt nicht. Seitdem Söder seine kulinarischen Exzesse nicht mehr auf Instagram teilt, ist seine Followerschaft (mit 800.000 Abonnenten war er einer der erfolgreichsten deutschen Politiker auf der Plattform) geschrumpft. Über 3500 Anhänger hat er seit März verloren.
Interessierten sich die Menschen also nur für sein Essen? Söders meistgeklickte Videos (#söderisst Döner) zählten mehr als zehn Millionen Aufrufe.
CSU-Vize Weber fordert Umdenken – auch auf Social Media
In der CSU scheint man sein Umdenken zu begrüßen. CSU-Vize Manfred Weber appellierte in seinem „Pfingstbrief“, in dem er einen Kurswechsel der Partei forderte, auch für ein Umdenken in den sozialen Medien. „Politisch schwere Kost“, sollten die Kollegen hier auch servieren. Nicht nur Bratwurst und Döner also.
Wer die kulinarischen Ausflüge aus dem Hause Söder schmerzlich vermisst: Die Schürze #södergrillt samt Söders Gesicht und Bratwurst auf der Brust ist noch im CSU-Fanshop erhältlich. Mahlzeit.
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