Die ersten beiden Prüfungen in Deutsch und im sogenannten Profilfach haben die 24.500 Prüflinge der Fach- und Berufsoberschulen (FOS/BOS) ohne viel Aufhebens hinter sich gebracht. Der vermeintliche Schocker kam in Prüfung Nummer drei: Das Fach-Abitur in Mathematik, das die bayerischen Schülerinnen und Schüler am Mittwoch ablegen mussten, war nach Ansicht vieler zu schwer.
Bald nach der Prüfung ging eine Petition online, die bis Freitag mehr als 4000 Menschen unterschrieben haben. Sie richtet sich direkt an Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler). Die Forderungen der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner sind deutlich.
Petition kritisiert Fachabitur in Mathematik als unfair
„Die Mathe-Fachabiturprüfung vom 20.05.2026 war kein fairer Leistungsnachweis. Sie war ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich monatelang intensiv mit den Abschlussprüfungen der letzten Jahre vorbereitet haben“, heißt es da. „Extrem komplizierte und augenscheinlich irreführende Fragestellungen haben uns wertvolle Zeit geraubt“, schreibt der Initiator namens Matthias Wagner.
Die Prüfung weiche „ohne Vorankündigung massiv vom etablierten Standard ab“. Wagner argumentiert sogar mit dem Grundgesetz. Ihm zufolge verstößt die Prüfung möglicherweise unter anderem gegen dessen Artikel 3. Dieser besagt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind.
Lehrkräfteverband unterstützt die Petition zum Mathe-Abi nicht
Selbst aus der Lehrerschaft werde das Niveau der Prüfung „scharf kritisiert“, so die Petition. Beim Verband der Lehrkräfte an beruflichen Schulen in Bayern – er ist das Sprachrohr der Pädagogen – kann man das auf Nachfrage unserer Redaktion nicht bestätigen. Rückmeldungen aus den Kreisen der Lehrkräfte deuten laut dem Verband vielmehr darauf hin, dass die Prüfung „ganz normal“ gewesen ist. Man unterstütze die Petition daher nicht.
Die Befürworter der Online-Aktion hingegen fordern „ein umgehendes und aktives Handeln, um diese Schieflage auszugleichen“. Sie stellen sich eine Anpassung des Bewertungsschlüssels, die Streichung unfairer Aufgaben oder alternative Ausgleichsregelungen vor.
Das Kultusministerium – in dem die Aufgaben maßgeblich erstellt und abgesegnet werden – betont auf Anfrage unserer Redaktion, dass es „die Rückmeldungen zur diesjährigen Abschlussprüfung im Fach Mathematik an der FOS – einschließlich der Sorgen der Schülerinnen und Schüler sowie der gestarteten (Online-)Petition – sehr ernst“ nimmt. Alle Fachabitur- und Abiturprüfungen würden routinemäßig einer sorgfältigen fachlichen Überprüfung unterzogen.
Prüfungen via Internet-Petition anzuzweifeln, ist in Bayern mittlerweile zu einer Art Tradition geworden. Von Erfolg gekrönt waren ähnliche Unterschriftensammlungen in der Vergangenheit nicht. In den Jahren 2019 und 2021 hatten Absolventinnen und Absolventen der bayerischen Gymnasien gefordert, den Bewertungsschlüssel des Mathe-Abiturs anzupassen. Damals kamen noch viel mehr Unterschriften zusammen als jetzt. 2019 unterstützten etwa mehr als 75.000 Menschen die Petition. Wenn man so will, hatte damals also jeder der rund 37.000 Abiturienten in Bayern unterschrieben – und mindestens ebenso viele Unbeteiligte. Als Reaktion auf die Unterschriftensammlung rechneten Lehrkräfte der Fachschaften für Mathematik an bayerischen Gymnasien und Experten aus den Dienststellen der Ministerialbeauftragten in den einzelnen Regierungsbezirken gründlich nach.
Petition auch gegen die Abiturprüfungen am Gymnasium
Sie kamen zu dem Schluss, dass die Bewertung der Prüfungen nicht angepasst werden muss. Neben der Beschwerde über das FOS/BOS-Abi 2026 gibt es auch an den Prüfungen fürs Gymnasium wieder Kritik. „Mathe-Abitur 2026 in Bayern war zu schwer!“, heißt eine zweite Petition mit bislang gut 2300 Unterzeichnern. Allerdings ist die Argumentation deutlich weniger ausformuliert als im Fall des Fach-Abiturs. Die Aussicht auf Erfolg dürfte in diesem Fall also noch geringer sein, zumal aus den Schulen zahlreiche Stimmen zu hören sind, die die Prüfung als fair und machbar einschätzen, sowohl von Schülern als auch von Lehrkräften.
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