Die Bedrohung der Demokratie im Land wächst und wird vielfältiger, warnt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung des aktuellen Verfassungsschutzberichts. Neben Rechts- und Linksextremismus sowie Islamismus beschäftigen auch Spionage, Desinformation und Cyberattacken sowie der wachsende Antisemitismus die Sicherheitsbehörden. Welche gefährlichen Entwicklungen sieht der Verfassungsschutz? Und welche Konsequenzen zieht die Politik daraus?
Rechtsextremismus: „Keine ernsthafte Distanzierung der AfD von Extremisten“
Im Jahr 2025 registrierte der Verfassungsschutz 2730 Rechtsextremisten in Bayern, davon 1070 als „gewaltorientiert“. Diese Zahl blieb weitgehend stabil. Die Zahl der erfassten Straftaten von Rechtsextremen stieg von 407 im Jahr 2024 auf 508 – vor allem durch deutlich mehr erfasste Propagandadelikte wie etwa das Zeigen von Nazi-Symbolen.
Seit Sommer 2022 wird die AfD in Bayern vom Verfassungsschutz beobachtet. Zwar bemühten sich führende Kräfte der Bayern-AfD zuletzt „um ein eher gemäßigtes Auftreten“, findet Herrmann: „Eine ernsthafte Distanzierung gegenüber extremistischen Kräften innerhalb der Gesamtpartei findet jedoch nicht statt.“
Es gebe deshalb keinen Grund, die Beobachtung der AfD einzustellen, bekräftigte Herrmann. Weiter beobachtet werden auch die AfD-Landtagsabgeordneten Franz Schmid und Rene Dierkes. Bei zwei weiteren, deren Namen nicht bekannt sind, werde eine Beobachtung geprüft.
Gesunken ist derweil die Zahl der sogenannten „Reichsbürger“: von gut 5400 im Vorjahr auf rund 5000 Personen. Dies sei auch „dem konsequenten Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen die Szene geschuldet“, findet der Innenminister.
Linksextremismus: Herrmann warnt vor wachsender Gewaltbereitschaft
Als linksextremistisch stuft der Verfassungsschutz in Bayern rund 3200 Personen ein. Herrmann sieht bei den Linksextremisten eine „deutlich steigende Gewaltbereitschaft“, die sich zunehmend auch gegen die Polizei richte. Rund 900 Linksextremisten sind laut Sicherheitsbehörden gewaltbereit. Der Anstieg linksextremer Straftaten von 272 im Jahr 2024 auf 641 ist vor allem auf Sachbeschädigungen zurückzuführen. Unter den Gewaltdelikten wuchsen die Widerstandsdelikte deutlich an.
Hermann warnte zudem vor Angriffen auf die Infrastruktur, die von Teilen der linken Szene als „Mittel zur Unterdrückung der Bevölkerung“ betrachtet würden. Vor allem in München kam es in den letzten Jahren immer wieder zu bislang unaufgeklärten Brandanschlägen auf Baustellen, Funkmasten, Stromverteiler oder auch Polizeifahrzeuge.
Islamismus: Täter meist „ohne gefestigte Ideologie“ – Radikalisierung im Internet
Auch islamistisch motivierte Bedrohungen bleiben laut den Sicherheitsbehörden eine Gefahr: So war laut Herrmann bei dem Auto-Anschlag auf eine Verdi-Demonstration im Februar 2025 in München „islamistische Tatmotivation zumindest mitbestimmend“. Im Herbst 2025 nahm ein IS-Anhänger im Landkreis Dillingen auf einer Bundesstraße mindestens 22 Fahrzeuge unter Beschuss.
Und im Winter konnte ein möglicher Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Dingolfing verhindert werden. Bei den Tätern sei meist keine gefestigte Ideologie oder feste Bindung an terroristische Strukturen erkennbar, die Radikalisierung erfolge über das Internet. In Bayern werden rund 2770 Personen dem islamistischen Spektrum zugerechnet. Die Zahl der Straftaten stieg leicht auf 132.
Vor allem aus Russland: Angriffe „im Auftrag und Interesse ausländischer Mächte“
Zum immer größeren Problem für die Sicherheitsbehörden werden Angriffe „im Auftrag und Interesse ausländischer Mächte“, vor allem Russlands. Das Spektrum reicht von Drohnen über Flughäfen und Militäreinrichtungen über klassische Spionage bis hin zu Desinformationskampagnen mit dem Ziel, „das Vertrauen der Bevölkerung in das Funktionieren der Demokratie“ zu untergraben, so Herrmann. Bayern versucht der Desinformation mit Info-Kampagnen zu begegnen. Zudem soll im Mai ein Drohnen-Abwehrzentrum in Bayern eingeweiht werden.
Antisemitismus sowohl von Rechts- und Linksextremisten als auch von Islamisten
Ein wachsendes Sicherheitsproblem seien zudem verschiedene Formen des Antisemitismus, der sowohl von Rechts- und Linksextremisten als auch von Islamisten ausgehe – jüngstes Beispiel sei laut Herrmann der Anschlag auf ein israelisches Restaurant in München.
Alle Varianten hätten letztlich das Ziel, Juden auszugrenzen und jüdisches Leben in Bayern unmöglich zu machen. Dies erinnere an die „dunkelsten Zeiten unserer Geschichte“ und werde im Freistaat „konsequent und entschieden“ bekämpft.
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