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Von der Leyen unterzeichnet Freihandelsabkommen mit Mexiko: Deutsche Wirtschaft hofft auch Wachstum

Konjunktur

Neuer Schwung aus Mexiko: Wie Bayern vom Freihandel profitiert

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    Mercosur, Indien, demnächst Mexiko: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wirbt für Freihandelsabkommen.
    Mercosur, Indien, demnächst Mexiko: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wirbt für Freihandelsabkommen. Foto: Jorge Saenz, AP/dpa

    Freihandelsabkommen sollen die schwächelnde europäische Wirtschaft stärker in Schwung bringen. Gerade für Bayern und seine Industrieunternehmen sind die Chancen groß. Die EU hatte zuletzt das Mercosur-Abkommen mit Lateinamerika vorzeitig in Kraft gesetzt und mit Indien ein Abkommen unterschrieben. Am Freitag reist EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen nach Mexiko, um ein modernisiertes Freihandelsabkommen zu unterzeichnen. „Freihandelsabkommen sind ein zentraler Wachstumstreiber für die bayerische Wirtschaft“, lobt Manfred Gößl, Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). „Rund ein Fünftel der bayerischen Wertschöpfung und Arbeitsplätze hängen am Export, in der Industrie sogar über die Hälfte“, sagte er unserer Redaktion. „Die Abkommen öffnen Märkte, bauen Hürden ab und stärken die Wettbewerbsfähigkeit – besonders in Autoindustrie, Maschinenbau und Chemie."

    Der Abschluss der wichtigsten EU-Freihandelsverhandlungen könnte die Industrieproduktion in der EU um 1,1 Prozent steigern, berichtet das Ifo-Institut. Das wirkt den schädlichen Folgen der US-Zölle entgegen. Die deutsche Wirtschaftsleistung könnte mittelfristig um 0,47 Prozent wachsen. „Die neuen EU-Initiativen mit Indien, Mercosur, Australien und Mexiko können daher gar nicht hoch genug bewertet werden“, sagt Gößl.

    Bayerns Exportwirtschaft steht für 1,4 Millionen Arbeitsplätze

    Die bayerische Exportwirtschaft steht für 1,4 Millionen Arbeitsplätze, das geht aus einer Studie des Prognos-Instituts für den BIHK hervor. Die Forscher haben die Bedeutung des Exports für die Landkreise untersucht. Mit 47 Prozent Wertschöpfung aus dem Export steht die Stadt Ingolstadt an erster Stelle, gefolgt vom Kreis Dingolfing-Landau (38 Prozent), der Stadt Schweinfurt (35 Prozent), der Stadt Erlangen (33 Prozent) und dem Kreis Altötting (33 Prozent). In Schwaben führen der Kreis Donau-Ries (24 Prozent) und das Unterallgäu (23 Prozent). Das Abkommen mit Mexiko sieht den Wegfall fast aller Industriezölle vor, Erleichterungen soll es auch für den Export wichtiger EU-Produkte wie Käse, Geflügel, Nudeln, Äpfel oder Marmelade geben.

    Chancen in Mexiko sieht auch der oberbayerische Automobilzulieferer Hirschvogel, der weltweit die Nummer eins auf dem Gebiet der Massivumformung von Stahl und Aluminium ist. „Das Auslandsgeschäft ist für die deutsche Automobilindustrie und damit auch für die Hirschvogel Group existenziell“, heißt es dort. „Im Freihandel sehen wir einen wichtigen Erfolgsfaktor“, betont das Unternehmen mit 6200 Beschäftigten. Doch während die EU an der einen Stelle Handelsabkommen schließt, wuchern an anderer Stelle Abschottung und Protektionismus. Hirschvogel erweitert auch deshalb derzeit die Produktion in Mexiko. Zwei Hallen mit je 7500 Quadratmetern entstehen.

    IHK-Präsident Reinhold Braun: 200 schwäbische Firmen in Mexiko aktiv

    Vorteile im Freihandel sieht man auch in Schwaben: „Die bayerisch-schwäbische Wirtschaft ist in hohem Maß auf offene Märkte und verlässliche internationale Handelsbeziehungen angewiesen“, sagte IHK-Präsident Reinhold Braun. Rund 2400 IHK-Mitgliedsunternehmen seien international aktiv. „Mexiko gehört für derzeit rund 200 Industrieunternehmen aus Bayerisch-Schwaben zu den strategisch wichtigen Märkten in Nordamerika.“ Beispiele seien Kuka, Everllence, Grenzebach, Multivac, Liebherr, Washtec, Hosokawa Alpine, Renk oder SGL Carbon.

    „Gleichzeitig gilt aber: Freihandelsabkommen allein reichen nicht aus“, warnt Braun. Denn die Konjunktur in Schwaben tritt auf der Stelle, das machte die IHK bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturumfrage deutlich. „Der Aufbruch ist abgesagt“, sagte Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen. Die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen verharren auf niedrigem Niveau, seit mindestens sieben Jahren gehe es abwärts. Die Strukturkrise schlägt sich auch auf den Arbeitsmarkt durch: Inzwischen wollen 22 Prozent der befragten Unternehmen ihre Beschäftigung zurückfahren, nur noch 11 Prozent Stellen aufbauen. „Die Firmen stellen aus, das müssen wir ernst nehmen“, sagte Lucassen.

    IHK mahnt dringend Reformen im Inland an - sonst hilft alles nichts

    „Wir brauchen wieder eine Vision, wie das Land lebenswert ist“, sagte IHK-Präsident Braun. „Das politische Umfeld lässt aber keine Vision erkennen“, kritisierte er. Der von Bundeskanzler versprochene wirtschaftliche Aufbruch lasse auf sich warten, der Herbst der Reformen sei nicht gekommen. „Wir brauchen aber Reformen für Deutschland, um wieder eine positive Grundeinstellung zu haben“, sagte Braun. Er forderte eine Entlastung der Beschäftigten wie der Unternehmen von Steuern und Abgaben, mehr Marktwirtschaft in der Energiepolitik, eine Orientierung der Klimaziele am Tempo der anderen G20-Staaten und Reformen am Arbeitsmarkt, darunter die Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren und den Wechsel von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.

    Vermissen seit Jahren politische Reformen, um den Standort fit zu machen: Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen (links) und Präsident Reinhold Braun von der Industrie- und Handelskammer Schwaben.
    Vermissen seit Jahren politische Reformen, um den Standort fit zu machen: Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen (links) und Präsident Reinhold Braun von der Industrie- und Handelskammer Schwaben. Foto: Michael Kerler
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