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Wolf im Allgäu
19.05.2022

Wieder sorgt ein Wolf für Unruhe unter den Allgäuer Landwirten

Die Zahl der Wölfe in Deutschland steigt, im Monitoringjahr 2020/21 waren es 157 Rudel, 27 Paare und 19 Einzeltiere.
Foto: Peter Steffen, dpa (Symbolbild)

Im Westallgäu verscheucht ein Mann einen Wolf gerade noch von einer Schafherde, im Ostallgäu wird ein Hirschkalb gerissen. Allgäuer Landwirte sind in Sorge.

Denkbar knapp hat Manuel Fritz bei Sigmarszell (Kreis Lindau) den Angriff eines Wolfs auf eine Schafherde verhindert. Der Sohn eines Schafhalters war Ende April zufällig in der Nähe, als sich das Raubtier, das sich bereits auf der Weide befand, der Herde näherte – und konnte es mit Rufen vertreiben.

Rudolf Fritze, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes, bestätigte gegenüber unserer Redaktion, dass es sich um einen Beutegreifer handelte – Manuel Fritz hatte ein Video von dem Vorfall gedreht: „Von der äußeren Erscheinung und vom Bewegungsrhythmus her war das eindeutig ein Wolf.“ Der Zufall hat offenbar schlimmeres verhindert. Wäre sein Sohn nicht vor Ort gewesen, hätte sich der Räuber „ein Tier oder mehrere geholt“, sagt der 69-jährige Engelbert Fritz, der seit 40 Jahren Schafe hält. Gesehen wurde der Wolf seither nicht mehr.

Von woher kommt der Wolf ins Allgäu?

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) vermutet, dass der Wolf bereits im vergangenen Jahr auf der österreichischen Seite der Grenze gesichtet wurde und dort in eine Fotofalle getappt ist. Weitere Sichtungen seien dem Landratsamt Lindau bisher aber nicht gemeldet worden. Erst kürzlich war auch bei Görisried im Ostallgäu ein Wolf aktiv. Eine DNA-Analyse des LfU bestätigte dort den Verdacht, dass der Räuber ein Hirschkalb getötet hat. Vor allem Landwirte sehen die Verbreitung der Wölfe im Allgäu mit Sorge.

Im Westallgäuer Fall sei es bedenklich, „dass sich der Wolf erst durch das Annähern des Menschen davon hat abbringen lassen, sich den Tieren zu nähern“, sagt Alfred Enderle, schwäbischer Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Das widerspreche dem, was über den Räuber erzählt werde. „Der Wolf ist nicht so scheu, wie immer behauptet wird.“

Wie gefährlich ist der Wolf im Allgäu?

Uwe Friedel, Wolfsexperte beim Bund Naturschutz in Bayern (BN), sieht im Verhalten des Wolfes nichts unnormales. „Wölfe sind von Natur aus sehr vorsichtige Tiere, es gibt hier aber unterschiedliche Charaktere.“ Der eine sei bedachter, der andere weniger. „Was den Wolf wegtreibt, sind die Rufe, gleichzeitig lockt ihn aber die potenzielle Beute“, erklärt er den langsamen Rückzug des Jägers im Video. Enderle sieht im Wolf jedoch ein echtes Risiko für die Landwirtschaft. Im Allgäu sei es wegen der Hanglagen und Bäche schwer, wolfssicher zu zäunen. Es gebe hier Zielkonflikte zwischen Wolfsschutz und Landwirtschaft. Er sei gespannt, wie die Politik reagiere. „Mit Zäunen und Hütehunden brauchen sie uns hier nicht kommen, das ist reine Verzögerungstaktik.“ Die Politik drücke sich vor der Diskussion um das Raubtier aber seit Jahren.

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Auch Wolfsfachmann Friedel kritisiert das Verhalten der Politik – spricht sich aber für Schutzmaßnahmen aus. Wenn sich nichts ändert, werden die Bauern ihre Tiere von den Weiden holen, sagt Enderle. „Das ist ein Riesenproblem für den Naturschutz, sie halten die Flächen offen und sorgen für Artenvielfalt“, erklärt der Landwirt. Diese Einschätzung teilt Friedel. Die Weidetierhaltung müsse auch mit dem Wolf möglich sein, fordert er.

Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?

„Wenn ein Wolf unauffällig ist und nur Wildtiere reißt, hat niemand ein Problem“, sagt Enderle. Die Zahl der Wölfe in Deutschland steigt, im Monitoringjahr 2020/21 waren es 157 Rudel, 27 Paare und 19 Einzeltiere. Der Wolf, erklärt Friedel, werde sich aber nicht unendlich vermehren. „Wir haben viele freie Territorien und Unmengen Rehe“, sagt er. Irgendwann seien die Territorien besetzt, dann gebe es Revierkämpfe und weniger Nahrung. „Das Wachstum geht dann gegen null“.

Für den Tourismus spielt der Wolf derzeit keine große Rolle. Bisher hätten deshalb weder Gaststättenbetreiber noch Reisende nachgefragt, sagt Stefan Fredlmeier, Tourismusdirektor der Stadt Füssen. „Wir sind aufmerksam, ja, aber Sorgen machen wir uns deshalb nicht“, sagt er. Auch in Oberstdorf sieht der Tourismus-Chef die Situation gelassen. „Es wurde noch nichts an uns herangetragen“, sagt Frank Jost. „Meine persönliche Einschätzung ist, dass deshalb kein Urlaubsgast weniger nach Oberstdorf kommen wird.“

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19.05.2022

Insb. Schafbauern sind gewohnt ihre Tiere mit möglichst wenig Aufwand zu halten; selbst Weiden in Ortsnähe sind nicht durch geeignete Elektrozäune abgesichert und damit eine leichte Beute für einen Wolf. Und was hat eine gerissene Hirschkuh damit zu tun; Wildtiere sind nun mal die natürliche Nahrung für Wölfe oder soll er Vegetarier werden. Im Gegensatz zu Wildtieren, die bei Angriff eines Wolfs sofort flüchten, sind Schafe und Ziegen auch noch in der Nähe des angegriffenen Tieres, was ein Raubtier nicht versteht. Aber Schafe und Ziegen sind nun Mal nicht die "Hellsten" ohne jeglichen Fluchtinstinkt, dazu auch nicht wehrhaft im Vergleich zu ausgewachsenen Rindern und Pferden, die sich verteidigen können. Und in Sachen Tourismus meidet der Wolf das Zusammentreffen mit Menschen; man getrennte Wege. Ein Bär ist da schon gefährlich bei eine überraschenden Begegnung.

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