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24.10.2017

Ich besitze eine Webseite. Meine Meinung zählt!

Gute Nachrichten für mich! Ich werde bald über ein stattliches Vermögen verfügen, denn ich bin nun auch ein Webmaster, dessen Meinung zählt. Neulich, da stand ich wieder einmal am Bahnhof und wartete wie so oft auf meinen Zug. Und was macht man in so einer Situation? Man surft mit seinem Smartphone im Internet, klar, da nehme auch ich mich nicht von aus. Trotzdem wünschte ich mir in diesem Moment, etwas mehr Geld im Portemonnaie zu haben, um mir auch endlich mein – meiner Meinung nach – wohlverdientes erstes Auto leisten zu können und dem Bahnhof endlich und für immer Lebewohl zu sagen.

Nachdem ich mich sodann durch alle Sozialen Netzwerke wühlte und das wilde Treiben um mich herum geflissentlich ignorierte, sah ich in meinem peripheren Augenwinkel dann doch etwas, das mich in die Realität zurückholte: ein Wahlplakat. „Deine Stimme zählt!“, stand auf dem überdimensionalen Druck. „Erfreulich, dass meine Meinung auch zählt!“, dachte ich in mich hinein. Und wenn das so ist, dann dürfte es ja nicht allzu schwierig sein, meine Meinung zu monetarisieren, oder?

Immerhin wunderte ich mich schon längere Zeit darüber, warum ein YouTube-Video mit dem Titel „Meine Reaktion auf das iPhone X“ von einem YouTuber namens „LUCA“ 670.128 Aufrufe erhält. Ich kenne den jungen Mann nicht, ich möchte ihn nicht denunzieren. Und trotzdem verstehe ich nicht ganz, warum exakt seine Meinung über das neue Apple-Smartphone so relevant zu sein scheint. Aber mehr als eine halbe Million Menschen denken das ja. Für Unternehmen ist dies natürlich reichlich Reichweite und somit marketingstrategisch interessant. Seine Meinung zählt – dann meine ja wohl auch! Nachdem der Zug angekommen war, machte ich mich während der Fahrt gleich einmal flink schlau, wie man so einen YouTube-Channel eigentlich erstellt. Ich nutze dieses Portal zwar täglich, mich dort selbst zu engagieren fiel mir bis dato aber nicht ein. Da ich aber nicht sonderlich für die Kamera geschaffen bin, wie ich meine, wollte ich es erstmal mit einer eigenen Webseite probieren. Ich recherchierte also, wie man eine der Seiten, die ich jeden Tag besuche, selbst erstellen könne.

Ich lernte dabei einiges über Begriffe wie Hosting, HTML, ich lud mir einige Tage später sogar WordPress herunter, schaffte es mit viel Mühe, mir eine Domain zu reservieren und konnte das sogenannte Content-Management-System gar mit einem FTP-Programm in die richtige Datenbank laden. Für jemanden, der selbst eine Bohrmaschine falschherum hält, war ich mächtig stolz auf mich. Natürlich begann ich auch sofort in die Tasten zu hauen. Ich ließ mich richtig aus – über die Politik, über Wirtschaftsthemen, ich testete neue Kosmetikprodukte, ich rezensierte neue Bucherscheinungen, ich schuf sogar Ratgeber, die erklärten, worauf es beim Kauf von Bohrmaschinen ankommt und platzierte zahlreiche Affiliate-Links und Werbe-Elemente auf meiner Webseite. Nur gebracht hat es mir bis heute leider nicht allzu viel. Ich bin kein gefeierter Blogger und schon gar kein YouTube-Star.

Mein AdSense-Konto weist bis heute exakt 0,00 Euro auf. Ich hatte bislang zwar einige Ausgaben und hab viel Zeit investiert, Einnahmen konnte ich bis jetzt aber nicht zählen. Und es haben sich auch keine Unternehmen bei mir gemeldet, die mir lukrative Kooperationen anboten. Wie es scheint, möchte kein Mensch lesen, was ich zu sagen habe, noch will irgendwer auf die Werbeanzeigen klicken, die sich auf meiner Seite befinden. Unternehmen interessieren sich nicht für mich und bislang ist auch noch keiner meiner Artikel viral gegangen. Schade eigentlich. Dabei dachte ich doch, meine Meinung zählt. Vielleicht gehe ich dann ja doch lieber wählen. Da bekomme ich zwar auch kein Geld für, meine Stimme zählt aber ganz bestimmt.

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Die Diskussion ist geschlossen.

24.10.2017

Nett geschrieben, auch wenn diese Zeilen schon wieder kein Geld einbringen.

Einfach dranbleiben, der Durchbruch kann ja noch kommen, entweder auf you tube oder als Literatur Nobelpreis!

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