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15.01.2015

Alarm auf der ISS: Der trainierte Notfall tritt ein

Gestern Vormittag gegen 10 Uhr wurde auf der ISS Alarm ausgelöst. Samantha Cristoforetti, Barry Wilmore und Terry Virts ließen alles stehen und liegen und flogen nach Russland. Ein Notfall war eingetreten, den sie auf der Erde oft trainiert hatten. Diesmal schien es ein Ernstfall zu sein.

Es waren ungewöhnliche Messwerte, die das Kontrollzentrum der Nasa in Houston gestern erreichten - ausgerechnet die Nachtschicht musste plötzlich um 3 Uhr morgens Ortszeit hellwach sein. Für die Besatzung der Raumstation ISS war es bereits 10 Uhr, der Tagesablauf richtet sich nach der Greenwich Mean Time. Die Esa-Astronautin Samantha Cristoforetti und ihre amerikanischen Kollegen Barry Wilmore und Terry Virts erhielten das Kommando, Atemschutzmasken aufzusetzen, sich schnellstens in den russischen Teil der Raumstation ISS zu bewegen und dort die Verbindungsluke zum amerikanischen Teil zu schließen.

Die Bodenkontrolle hatte beunruhigende Daten erhalten, die auf die Existenz eines Ammoniaklecks hinwiesen, ein automatisches Steuerungssystem fuhr gleichzeitig den Kühlkreislauf B herunter. Noch wusste niemand, was passiert war, doch die Prozedur ist dutzendfach geübt - die Raumfahrer verlassen den amerikanischen Teil der ISS und schließen die Luken zum russischen Abschnitt. Dort sind die Sojus-Raumschiffe angedockt, mit denen die Besatzung im Notfall die Station verlassen kann.

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Der kanadische Astronaut Chris Hadfield, der im Frühjahr 2013 für zwei Monate Kommandant der ISS-Expedition 35 war, hat in seinem Buch Anleitung zur Schwerelosigkeit beschrieben, wie bei einem solchen Alarm ohne jede Hektik ein festgelegter Ablauf Schritt für Schritt abgearbeitet wird. Auch während seines Kommandos hatte es - für die Raumfahrer ärgerlicherweise in der Nacht - solche Alarmsituationen gegeben, doch das befürchtete Feuer war nicht zu entdecken. Es existierte auch nicht, ein Sensor hatte verrückt gespielt. Wichtig war jedoch, dass die Sicherheit der Raumfahrer gewährleistet war.

Ein ähnlicher Vorfall hat sich vermutlich am Mittwoch ereignet, diesmal waren die Folgen allerdings etwas spektakulärer. Nachrichtenagenturen vermeldeten mit dem Präfix "+ + + EIL + + + " die Evakuierung des amerikanischen Teils der ISS, Fernsehsender informierten mit "Breaking News" über das Ereignis. Ein Computer, mit dem kontinuierlich die Umweltbedingungen auf der Station überwacht werden, hatte Daten geliefert, die im schlimmsten Fall auf den Austritt von Ammoniak hinwiesen, das giftige Gas ist in den Kühlkreisläufen der Raumstation enthalten. Die Messwerte waren widersprüchlich, daher veranlasste die Bodenkontrolle die Räumung des amerikanischen Teils der ISS, wo die gefährlichen Werte aufgetreten waren.

Die Bodenkontrollen sowohl in Houston wie auch im russischen Koroljow betonten, dass für die Raumfahrer keine Gefahr bestand. Chris Hadfield umschreibt solche Situationen sinngemäß mit dem Spruch, dass die Raumfahrer dann darauf achten, welches Ereignis sie als nächstes umbringen könnte - um vorbeugend agieren zu können. Ähnlich ist eine Äußerung von Alexander Gerst zu verstehen, der im vergangenen Jahr für knapp sechs Monate auf der ISS arbeitete. Er sagte, dass die Hälfte der Vorbereitung auf einen Raumflug das Training von Notfällen ausmache.

Die Astronauten fanden Unterschlupf im russischen Teil der ISS, wo sie mit Jelena Serowa, Anton Schkaplerow und Alexander Samokutjajew, ihren Kollegen der ISS-Expedition 42, zunächst einmal abwarteten, was die weiteren Untersuchungen der Bodenkontrolle ergaben. Am späten Abend unserer Zeit erhielt die sechsköpfige Crew den Auftrag, die Luken wieder zu öffnen und die Luft im amerikanischen Teil auf eine Vergiftung mit Ammoniak zu überprüfen, dieser Test fiel negativ aus.

Entwarnung gab es schließlich, nachdem die Raumfahrer bei einem Relaissystem der Umweltkontrolle ein Verfahren anwendeten, das auch einem Nutzer eines gewöhnlichen Heimcomputers vertraut ist. Sie schalteten einen sogenannten Multiplexer-Demultiplexer aus, der mit widersprüchlichen Daten den Alarm ausgelöst hatte. Nach dem Neustart des Geräts war von gefährlichen Messwerten nichts mehr zu sehen.

(15. Januar 2015, Donnerstag)

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