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14.11.2014

Amerika kauft weiterhin Raketentriebwerke in Russland ein

Trotz der Sanktionen, die seit April in Kraft sind, freuen sich die Produzenten von Raketenmotoren in Russland über neue Aufträge aus den USA. Triebwerke aus russischer Produktion sollen auch in den nächsten Jahren die Raketen Atlas 5 und Antares antreiben.

Als die USA im Frühjahr nach der Eskalation der Ereignisse in der Ukraine ein Paket von Sanktionen gegen Russland in Kraft setzte, war davon auch die Zusammenarbeit im Raumfahrtsektor betroffen. Die Mitarbeiter der Nasa sollten nicht einmal mehr per E-Mail Kontakt mit ihren Partnern in Russland halten dürfen, sofern es nicht um die Raumstation ISS geht. Gestritten wurde auch um die Frage, ob amerikanische Raketenbauer weiterhin russische Triebwerke einsetzen dürfen.

Ein halbes Jahr später laufen die Geschäfte für den Triebwerksproduzenten NPO Energomasch mit seinen amerikanischen Kunden besser denn je. Nach der Explosion einer Rakete beim Start des Raumfrachters Cygnus will der Hersteller Orbital Sciences früher als ursprünglich geplant für seine Trägerrakete Antares in Russland Triebwerke des Typs RD-193 kaufen. Beim Konkurrenten United Launch Alliance (ULA) kommen seit Jahren in der Atlas 5-Rakete Triebwerke des Typs RD-180 zum Einsatz. Der Vorrat reicht noch für etwa zwei Jahre, doch nun will das Unternehmen noch mindestens weitere fünf bis sieben Jahre lang die leistungsstarken und zuverlässigen Raketenmotoren beschaffen. Der neue ULA-Chef Tory Bruno erklärte in einem Interview, dass Verhandlungen für die Lieferung von acht Triebwerken pro Jahr laufen, bislang wurden jährlich fünf Exemplare aus Russland importiert.

Amerika kauft weiterhin Raketentriebwerke in Russland ein

Derzeit ist die ULA, ein Joint Venture von Boeing und Lockheed-Martin, der einzige zertifizierte Anbieter für den Start militärischer Satelliten der USA, zum Jahresende könnte SpaceX mit seiner Falcon 9-Rakete diesen Status ebenfalls erhalten. Die Abhängigkeit der Atlas 5 von russischen Triebwerken wird in den USA jedoch kritisch beurteilt, wenngleich die ULA mit der Delta 4 noch eine weitere Rakete im Angebot hat.

Dennoch setzt das Unternehmen auf eine Zusammenarbeit mit Herstellern im eigenen Land und hat mit Blue Origin einen Vertrag über die Entwicklung eines neuen Triebwerks abgeschlossen. Der Raketenmotor BE-4 soll voraussichtlich zum Ende des Jahrzehnts das russische RD-180 ablösen, wobei noch nicht klar ist, ob dazu die bewährte Atlas 5 nur angepasst werden muss oder ob auf Basis dieser Konstruktion eine neue Rakete entwickelt wird. Bis zur Serienreife von BE-4 starten jedoch amerikanische Satelliten, die Russland ausspionieren sollen, weiterhin mit russischen Triebwerken ins All.

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