19.05.2014

Astronaut Wubbo Ockels ist tot

Als erster Niederländer ist Wubbo Ockels an Bord der Challenger ins All geflogen. Gemeinsam mit zwei deutschen ESA-Kollegen war er Nutzlastspezialist der D1-Mission. Gestern starb der Professor für Raumfahrttechnik im Alter von 68 Jahren.

Bislang sind zwei Astronauten aus den Niederlanden in den Weltraum geflogen, ein weiterer Niederländer war bereits vor seinem Flug US-Bürger geworden. Wubbo Johannes Ockels wird daher in den Geschichtsbüchern als erster Raumfahrer der Niederlande geführt. Am 30. Oktober 1985 startete er an Bord des Space Shuttle Challenger, er war wie auch seine beiden deutschen Kollegen Reinhard Furrer und Ernst Messerschmid für die D1-Mission als Nutzlastspezialist im Einsatz.

Der Flug STS-61A hatte mehrere Besonderheiten. Gerade einmal viereinhalb Jahre nach dem Jungfernflug der Columbia war es für das Schwesterschiff Challenger bereits der neunte Einsatz. Mit an Bord war das Spacelab, ein im Auftrag der ESA entwickeltes und gebautes Forschungsmodul, das für jeden Flug flexibel mit neuen Experimenten bestückt werden konnte. Zwei Exemplare dieses Moduls wurden gebaut, das erste übernahm die Nasa im Tausch gegen Mitfluggelegenheiten für Astronauten der ESA, das zweite kaufte die amerikanische Raumfahrtagentur. Eines der Tauschgeschäfte war die D1-Mission. Dabei waren erstmals acht Astronauten beim Start eines Space Shuttle an Bord, bei den meisten anderen Flügen waren es sieben Raumfahrer, mitunter auch weniger.

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Zu Besatzung gehörten drei ESA-Astronauten, Wubbo Ockels war einer von ihnen. Nach seinem Diplom in Mathematik und Physik forschte er auf dem Gebiet der Teilchenphysik und promovierte im Jahr 1978. Im selben Jahr wurde er von der ESA gemeinsam mit dem Deutschen Ulf Merbold und Claude Nicollier aus Frankreich als Missionsspezialist für die Spacelab-Missionen ausgewählt. Als das Forschungslabor im November 1983 erstmals mit der Columbia ins All startete, war mit Ulf Merbold der zweite Deutsche im All, Ockels dagegen fungierte im Kontrollzentrum als wissenschaftlicher Berater für die Crew.

Für Merbold war bei dessen erstem Flug der Niederländer als Ersatzmann vorgesehen und hatte auch das gesamte Ausbildungsprogramm durchlaufen. Im Oktober 1985 war die Situation dann umgekehrt - Ockels nahm seinen Platz in der Challenger ein, Merbold blieb als Ersatzmann am Boden und unterstützte seine Kollegen bei ihrer Arbeit vom Boden aus. Rund eine Woche war der Niederländer im Rahmen der D1-Mission im All und führte mit seinen Kollegen 75 Experimente aus. Zum ersten Mal wurde dabei die Steuerung des Spacelab von der Nasa abgegeben, die Bodenstation in Oberpfaffenhofen übernahm dabei alle Kontroll- und Steuerungsfunktionen des Forschungsmoduls. Heute wird dieses Verfahren in ähnlicher Weise mit dem ISS-Modul Columbus praktiziert.

Die D1-Mission sollte der einzige Raumflug für Ockels bleiben. Er war danach zunächst weiter für die ESA tätig und wurde schließlich Professor für Luft- und Raumfahrttechnik in Delft, wo er sich schwerpunktmäßig mit alternativen Methoden für de Energiegewinnung befasste. Gestern starb der zweifache Vater im Alter von 68 Jahren in einem Krankenhaus in Amsterdam.

  • Wie geplant hat gestern der Raumfrachter Dragon die ISS verlassen und landete kurz nach 21 Uhr MESZ im Pazifik. Rund 1500 Kilogramm hat die Kapsel zur Erde zurückgebracht, darunter tiefgekühlte Proben und einen defekten Raumanzug, der nun genauer untersucht werden soll.
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