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14.07.2016

Das Ufo, die Nasa und der unterbrochene Livestream von der ISS

Eine Kamera der ISS hat am Samstag ein ungewöhnlich helles Objekt über der Erdatmosphäre gezeigt. Kurz darauf brach der Livestream von der Raumstation ab. Jetzt muss sich die Nasa mit Vorwürfen herumschlagen, sie wolle die Sichtung eines Ufo verheimlichen.

Seit etwas mehr als zwei Jahren ist das ISS HD Earth Viewing Experiment (HDEV) aktiv. Damit können Zuschauer mit Internetzugang in einem Livestream sehen, wie die Erde beim Blick von der ISS aussieht. Am vergangenen Samstag hat auch Ufo-Jäger Streetcap1 zugeschaut und bei Youtube anschließend einen Videomitschnitt veröffentlicht:

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In seinem Kommentar weist er darauf hin, dass es sich bei diesem zunächst einmal im Wortsinn ja tatsächlich "unbekannten fliegenden Objekt" um einen - ganz gewöhnlichen - Meteor handeln könne: "Remember a ufo is an unidentified flying object. This could well be a meteor or the like."

Doch er ergänzt: "What made it interesting was the camera cut off when the ufo seemed to stop. Streetcap1" - interessant sei es, dass die Kamera ausgeschaltet worden sei, als das Ufo zu stoppen schien. Nun geistern Spekulationen in Foren und sozialen Medien herum, die amerikanische Raumfahrtagentur Nasa wolle die Beobachtung eines Ufos verheimlichen, indem sie die Übertragung kurzerhand stoppt.

Bereits bei früheren, ähnlichen Situationen hat die Nasa betont, dass ihre Techniker keine Liveübertragung von der ISS abschalten, wenn im Bild ein Ufo, also ein "Unbekanntes Fliegendes Objekt", auftaucht. Bei diesen Objekten kann es sich tatsächlich um Meteore handeln, wie von Ufo-Jäger Streetcap1 erwähnt. Es kann sich aber auch um ausgediente Satelliten, Raketenoberstufen oder anderem von Menschen produzierten Weltraummüll handeln. Außerdem sind optische Effekte durch die Erdatmosphäre, Verunreinigungen des Objektivs oder kleinste Staubpartikel, die unmittelbar vor der Kamera vorbeifliegen, als Erklärung für die mitunter überraschenden Beobachtungen möglich.

All das ist natürlich kein Grund, den Livestream von der ISS abzuschalten. Wäre es aber doch ein Grund für ein Abschaltung, wäre es für die Nasa sicher kein Problem, die Übertragung um einige Sekunden zeitversetzt ins Internet zu senden und sie bei Bedarf bereits zu stoppen, bevor das Ufo überhaupt im Blickfeld der Kamera auftaucht. Derartige Methoden sorgen bislang vor allem dann für Schlagzeilen, wenn amerikanische Fernsehsender vermeintlich oder tatsächlich anstößige Ereignisse bei großen Liveshows ausblenden sollen.

Doch die Nasa hat für die Abschaltung eine andere, plausible Erklärung - die ganz normale Unterbrechung der Datenverbindung zwischen ISS und Bodenstation. Auf dem Weg rund um die Erde, der etwa 90 Minuten dauert, überfliegt die Raumstation immer wieder Regionen, in denen es auf der Oberfläche keine Empfangsstation für ihre Funksignale gibt. Meist ist es dann möglich, über das Netzwerk von TDRS-Satelliten eine Verbindung zu halten. Doch für einige Sekunden oder Minuten ist auch kein Satellit dieses leistungsstarken Kommunikationsnetzes in Sichtweite der Station, so dass für ein Videosignal keine Übertragungskapazität vorhanden ist.

Den Moment des Signalverlusts hat der Ufo-Jäger wohl aufgezeichnet. Eine der drei Kameras des HDEV-Experiments hat zunächst gezeigt, wie das helle Objekt sich immer mehr der Erdatmosphäre nähert. Als die Datenverbindung zur Erde verloren ging, hat wahrscheinlich das Wiedergabesystem zunächst das letzte empfangene Bildsignal für eine kurze Zeit als Standbild eingefroren angezeigt bis klar war, dass es sich nicht um einen kurzen Ausfall aufgrund eines Übertragungsfehlers handelt, sondern das aktive Signal fehlt. Erst dann schaltet es auf eine neutrale Anzeige um, die entweder eine erklärende Infografik liefert oder schlicht einen blauen Bildschirm. Dass diese Umschaltung nur wenige Sekunden nach dem Auftauchen des unbekannten Flugobjekts passierte, dürfte ein simpler Zufall sein.

(14. Juli 2016, Donnerstag)

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