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13.06.2014

Ein Kosmonautenzentrum in Deutschland - für Kinder

Es gibt ein Kosmonautenzentrum in Deuschland, das morgen seinen 50. Geburtstag feiert. Es bildet jedoch keine Raumfahrer wie Alexander Gerst aus, sondern Kinder und Jugendliche verbringen da ihre Freizeit. Und so manches Großmaul fällt dort auf die Nase.

Schulfreunde haben mich einst einfach mitgeschleppt ins Kosmonautenzentrum Sigmund Jähn in Chemnitz, das damals allerdings noch nicht den Namen des ersten deutschen Raumfahrers trug - dessen Flug fand erst ein Jahr später statt. Schnell war die Begeisterung für das Thema Raumfahrt geweckt und zwei, drei Mal pro Woche ging es nach der Schule in Richtung Küchwald. Eine halbe Stunde Fußweg nahm ich dafür in Kauf, das Hinaufstapfen des steilen Schlossbergs inklusive, das Prinzip Mama Taxi war damals noch weitgehend unbekannt.

Im Jahr 1964 wurde diese einzigartige Freizeiteinreichtung für Kinder und Jugendliche gegründet, sie ist damit älter als ich selbst. Es gab unter anderem Arbeitsgemeinschaften für Astronomie und Amateurfunk, bis heute ist das Zentrum die Heimat für die Raketenmodellsportler, doch die größte und für uns Kinder zunächst auch attraktivste Gruppe war das Stammpersonal. Es gab viel zu lernen und auszuprobieren rund um das Thema Raumfahrt, schließlich wollten wir ja mehr wissen und können als die Besucher, die - oft genug auch älter als wir selbst - den Kosmonautentest absolvierten.

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An acht Stationen gilt es für die Besucher, sich mit erfolgreichen Tests für einen simulierten Weltraumflug zu qualifizieren. Ein Sehtest gehört dazu, und eine Öse freihändig einen gebogenen Draht entlang balancieren scheint nur auf den ersten Blick einfach zu sein - wenn diese Öse den Draht aber nicht berühren darf, wird es schon schwieriger. Viele Besuchergruppen, oftmals Schulklassen, in den Sommerferien auch Gruppen, die von einem der Ferienlager in der Umgebung aus einen Ausflug in die Stadt unternahmen,  haben wir als Stammpersonal betreut.

Zu vielen dieser Gruppen gehörte auch ein "Großmaul" - also ein Mädchen oder ein Junge, die alles besser wussten und alles besser konnten. Als letzter der acht Tests steht der Drehstuhl auf dem Programm. Wir waren natürlich gut trainiert, unzählige Runden habe ich als Kind auf diesem elektrisch angetriebenen Stuhl gedreht, um anschließend einige Meter auf einer geraden Linie Fuß vor Fuß setzend zu balancieren. Meist waren es jene Großmäuler, die bei diesem Test - zugegebenermaßen begleitet von unserer heimlichen Schadenfreude - auf die Nase fielen. Wobei man das nicht wörtlich nehmen darf, denn wir waren stets in der Nähe, um jedes torkelnde Kind rechtzeitig aufzufangen, das mit dem ungewohnten Wechsel von der Drehbewegung in die normale Bewegung Schwierigkeiten hatte. Das Stammpersonal gibt es bis heute, und auch den Kosmonautentest können die Besucher absolvieren, wobei der Schwierigkeitsgrad dem Alter der Kinder angepasst wird.

Am Samstag feiert das Kosmonautenzentrum seinen 50. Geburtstag, stellt seine Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche vor und blickt auf seine Geschichte zurück. Und auch richtige Kosmonauten werden zu Gast sein - Namensgeber Sigmund Jähn hat sein Kommen zugesagt.

(13. Juni 2014, Freitag)

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