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25.08.2016

Geisterfahrer verzögert Start einer Ariane 5 mit zwei Satelliten für Intelsat

Die volle Leistungskraft der Ariane 5 hat sich Intelsat für den Start von Intelsat 33e und Intelsat 36 gesichert. Mehr als zehn Tonnen Nutzlast hat die Trägerrakete von Kourou aus in der Nacht zum Donnerstag in den Weltraum befördert. Ein Geisterfahrer auf dem Meer hat den Start allerdings verzögert.

Um fünf vor zwölf sollte am Mittwochabend unserer Zeit eine Ariane 5 vom europäischen Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana starten. Alle Kontrollstationen signalisierten den Status grün - die Teams des Startkomplexes von Kommunikation über Bahnverfolgung bis zu Rettungskräften, die Teams der Raketen- wie auch der Satellitenüberwachung, auch die Meteorologen hatten keine Einwände, die Rakete zu starten. Dennoch erfolgte keine Startfreigabe, der Countdown wurde gestoppt und auf den Ablaufpunkt T-7 zurückgesetzt, also auf  sieben Minuten bis zum Start (siehe Anhang - Screenshot des Livestreams von Arianespace.com ).

Zunächst war nicht ganz klar, warum der Countdown unterbrochen wurde. Später stellte sich heraus, dass diesmal auch die Verantwortlichen in Kourou ein Problem lösen mussten, mit dem sich ihre amerikanischen Kollegen vor allem in Cape Canaveral häufiger herumärgern müssen: Ein Schiff war in das gesperrte Seegebiet im Atlantik eingefahren. Kourou liegt an der Nordküste von Südamerika, nur wenige Breitengrade vom Äquator entfernt. Die Raketen starten von dort meist in Richtung Osten, die Seegebiete, in denen entweder die gesamte Rakete bei einem Fehlstart oder aber ausgediente Raketenstufen nach dem Absprengen im Atlantik aufschlagen, werden für die Schifffahrt gesperrt. Taucht dort jedoch ein Geisterfahrer auf, wird der Startvorgang unterbrochen, bis das Schiff das gefährdete Gebiet verlassen hat. Ähnliches gilt natürlich auch für den Luftverkehr.

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Ein Flug zur Raumstation ISS hätte nun um mindestens einen Tag verschoben werden müssen, denn da muss der Start minutengenau erfolgen, damit das Raumfahrzeug sich kurz nach dem Überflug der Station zielgenau auf Verfolgungsjagd machen kann, ohne gigantische Mengen an Treibstoff zu verbrauchen. Bei Satellitenstarts ist das Startfenster meist größer, weil es für die Zielbahn mehr Toleranz gibt, in der vergangenen Nacht war es für 45 Minuten geöffnet.

Schließlich hob die Ariane 5 um 0.17 Uhr MESZ von Kourou ab, 22 Minuten später als geplant. Sie brachte für Intelsat zwei Satelliten ins All, ihre Einsatzdauer ist zunächst auf 15 Jahre ausgelegt. Intelsat 33e soll im geostationären Orbit bei 60 Grad östlicher Länge stationiert und für Kommunikationsdienste in Europa, Afrika, im Mittleren Osten sowie in Teilen Asiens genutzt werden, einige Datenverbindungen können sogar bis Australien hergestellt werden. Die deutlich kleinere Sonde Intelsat 36 wird bei 68,5 Grad östlicher Länge postiert und bietet  Kommunikationsdienste im südlichen Afrika sowie im Indischen Ozean.

Ausgesetzt wurden beide Satelliten in einem geostationären Transferorbit (GTO). Rund eine halbe Stunde nach dem Start wurde Intelsat 33e von der Startvorrichtung abgestoßen, die von Boeing gebaute Sonde brachte beim Start 6600 Kilogramm auf die Waage. Wenige Minuten danach trennte sich die Doppelstartvorrichtung Sylda von der Oberstufe, diese etwa 500 Kilogramm schwere Konstruktion trug zunächst den oben montierten Satelliten. Nachdem dieser und die Startvorrichtung in sicherer Entfernung waren, setzte die Oberstufe der Ariane 5 knapp 42 Minuten nach dem Start auch Intelsat 36 in seiner vorläufigen Umlaufbahn aus. Dieser Satellit wurde von SSL gebaut und war beim Start rund 3300 Kilogramm schwer. Bezieht man die Doppelstartvorrichtung mit ein, hat die Ariane 5 damit rund 10,5 Tonnen Nutzlast in den Weltraum befördert, das ist derzeit für eine Mission in Richtung GTO an der oberen Grenze der Leistungsfähigkeit der bewährten Trägerrakete.

Der gewünschte Transferorbit ist meist eine elliptische Flugbahn zwischen 250 und rund 36000 Kilometer, bei diesem Start wurde eine Bahnneigung von sechs Grad zum Äquator angesteuert. Mit ihren eigenen Triebwerken steuern die beiden Intelsat-Raumsonden in den nächsten Tagen ihre Einsatzorte an, wobei sie die Flughöhe auf eine annähernd kreisförmige Bahn in knapp 36000 Kilometer verändern und die Bahnneigung zum Äquator bis auf 0 Grad verringern. Vom Boden aus gesehen sind die Raumflugkörper damit ständig an derselben Stelle des Himmels zu entdecken.

(25. August 2016, Donnerstag)

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