1. Startseite
  2. Community
  3. Leserblogs
  4. 40plus
  5. Komet im Anflug: Nasa versteckt ihre Sonden hinter dem Mars

27.07.2014

Komet im Anflug: Nasa versteckt ihre Sonden hinter dem Mars

Erst im vergangenen Jahr ist der Komet Siding Springs entdeckt worden. Vielleicht kommt er sogar zum ersten Mal seit seiner Entstehung vor 4,5 Milliarden Jahren in die Nähe der Sonne. Für die Sonden, die um den Mars kreisen, kann der Himmelskörper zur Gefahr werden.

Anfang Januar 2013 entdeckte der Astronom Robert McNaught mit einem Teleskop des Siding Springs Observatoriums im Südwesten Australiens einen bislang unbekannten Himmelskörper. Bei den weiteren Beobachtungen stellte sich heraus, dass es ein Komet aus der Oortschen Wolke ist, der sich mit zunehmendem Tempo dem sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn nähert. Er erhielt die Bezeichnung C/2013 A1 Siding Springs.

Schnell wurde klar, dass der Komet auf seiner Bahn den Mars im Visier hat, auch ein Einschlag auf dem Planeten lag im Bereich des Möglichen. Dies haben die weiteren Beobachtungen, auf deren Basis die Flugbahn immer präziser berechnet werden konnte, inzwischen nahezu ausgeschlossen - Siding Springs wird knapp am Mars vorbeischrammen. Für astronomische Verhältnisse ist es wahrlich ein Streifschuss, wohl mit etwas mehr als 130000 Kilometern Entfernung wird der Komet am 19. Oktober den Mars verfehlen. Hätte er stattdessen die Erde erreicht, wäre das etwa ein Drittel der Entfernung zwischen unserem Planeten und dem Mond. Bislang ist auch kein Komet gesehen worden, der unserer Erde so nahe gekommen ist, der bislang knappste beobachtete Vorbeiflug erfolgte in der zehnfachen Entfernung.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Für die Wissenschaftler der Nasa ist die Entdeckung des Kometen ein willkommener Glücksfall und ein gefährliches Ereignis zugleich. Derzeit befinden sich mit dem Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) und dem Mars Odyssey Orbiter zwei aktive Sonden in der Umlaufbahn um den Mars, am 21. September - also etwa einen Monat vor dem Kometenvorbeiflug - wird die Forschungssonde Maven den Mars erreichen.

Die Wissenschaftler wollen die unverhoffte Gelegenheit nutzen, den kosmischen Vagabunden mit den Instrumenten ihrer Raumsonden aus geringer Entfernung zu untersuchen. Ihr Interesse gilt einerseits dem Kern des Kometen, andererseits der Zusammensetzung seines Schweifs. Die Beobachter vermuten, dass der Himmelskörper zum ersten Mal in die Nähe der Sonne gelangt. Wenn sich diese Annahme bestätigt, würde die Analyse seiner Bestandteile viel über den Zustand der Materie während der Entstehung unseres Sonnensystems verraten.

Gleichzeitig ist der Schweif des Kometen eine Gefahr für die Raumsonden sowohl der Nasa wie auch für Mars Express der Esa und die Mars Orbiter Mission der indischen Raumfahrtbehörde, die ebenfalls Mitte September eintrifft. Relativ zum Mars bewegen sich der Komet und die Bruchstücke seines Schweifes mit einer Geschwindigkeit von 56 Kilometern pro Sekunde. Bei solch einem Tempo haben auch winzig kleine Teilchen von einem halben Millimeter Durchmesser eine gewaltige Zerstörungskraft, sollten sie mit einer Forschungssonde kollidieren. Die größte Wahrscheinlichkeit für einen solchen Treffer besteht nach den Berechnungen der Nasa etwa 90 Minuten nach der nächsten Annäherung von C/2013 A1 an den Mars.

Die Teams der Nasa haben deshalb für die drei Raumsonden Bahnmanöver errechnet, um sie in der Phase der größten Gefahr hinter dem Mars vor dem Kometen und dessen Schweif zu verstecken. Die erste Bahnkorrektur hat MRO bereits am 2. Juli durchgeführt, eine weitere ist für den 27. August geplant. Mars Odyssey soll am 5. August seine Flugbahn so anpassen, dass die Sonde Mitte Oktober in Bezug auf den Kometenschweif im Marsschatten fliegt. Dorthin wird auch Maven gesteuert, nach dem Einschwenken in die Umlaufbahn am 21. September erfolgt am 9. Oktober eine entsprechende Apassung der Bahn.

Für die Marsrover Opportunity und Curiosity ist der Komet dagegen ungefährlich. Selbst wenn Bruchstücke auf den Mars stürzen, werden sie nach den bisherigen Berechnungen sogar in der dünnen Marsatmosphäre verglühen. Die beiden Rover wiederum können dann eventuell Sternschnuppen am Marshimmel beobachten.

(27. Juli 2014, Sonntag)

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Elon Musk albert auf Twitter nach Start einer Falcon-9

Rakete startet in der Wüste Gobi und Elon Musk albert auf Twitter

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen