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28.02.2015

Lebe lang und in Frieden

Leonard Nimoy war nie im Weltraum. Das Raumschiff Enterprise, das den Darsteller des Wissenschaftsoffiziers Spock berühmt machte, war nie im Weltraum. Das Space Shuttle Enterprise, das seinen Namen der Science-Fiction-Serie verdankt, war nie im Weltraum. Dennoch hat Nimoy, der am Freitag gestorben ist, großen Anteil daran, dass der Weltraum und seine unendlichen Weiten viele Menschen faszinieren und inspirieren.

Der Fernseher im heimischen Wohnzimmer in den frühen 1970er Jahren flimmerte nur in schwarz-weiß. Um von einem Sender zum anderen zu wechseln, musste man aufstehen, zum TV-Gerät gehen und mit Drehknöpfen den Empfangskanal und die Lautstärke neu einstellen. Einmal in der Woche übernahmen wir Kinder am frühen Abend für 45 Minuten das Kommando bei der Auswahl des Programms - im ZDF lief Raumschiff Enterprise.

Heute kann ich nicht mehr sagen, was mich damals als Bub im Grund- und Mittelschulalter an dieser Science-Fiction-Serie am meisten faszinierte. Gut erinnern kann ich mich allerdings daran, dass ich irgendwann - mit frustrierend wenig Erfolg - heimlich den Vulkaniergruß übte. Bei Mister Spock sieht es so spielerisch einfach aus, Zeige- und Mittelfinger zusammenzupressen, dasselbe auch mit Ringfinger und kleinem Finger zu tun, dabei aber - anders als bei Winnetou - zwischen Mittel- und Ringfinger eine Lücke zu lassen.

Später war es die Figur des Wissenschaftsoffiziers Spock, die mich faszinierte. Die Logik und die Gewissenhaftigkeit des Vulkaniers, mit der Spock den Geheimnissen dieser unendlichen Weiten, aber auch den Geheimnissen der menschlichen Sprunghaftigkeit auf den Grund zu gehen suchte. Die uns Menschen viel zu oft fehlende Toleranz und Friedfertigkeit, die nicht zuletzt in der Grußformel "live long and prosper" zum Ausdruck kommt.

Mit dieser Faszination bin ich offensichtlich nicht allein. Als sich am Freitagabend unserer Zeit die Nachricht verbreitete, dass Leonard Nimoy im Alter von 83 Jahren gestorben ist, bekundeten nicht nur viele Freunde, Kollegen und Fans bis hin zum US-Präsidenten Barack Obama ihre Trauer. Auch viele Astronauten meldeten sich zu Wort, zum Beispiel Scott Kelly , der Ende März für ein Jahr zur Raumstation ISS fliegen wird, und die Esa-Astronauten Alexander Gerst und Samantha Cristoforetti via Twitter sowie deren Kollege Luca Parmitano gemeinsam mit Nasa-Astronaut Mike Fincke via Youtube.

Auch die Nasa würdigte den verstorbenen Schauspieler. Nasa-Administrator Charles Bolden, der zwischen 1986 und 1994 selbst vier Weltraumflüge im Space Shuttle absolviert hat, erklärte: " Leonard Nimoy war eine Inspiration für Generationen von Ingenieuren, Wissenschaftlern , Astronauten und andere Weltraumforscher ." Als Mr. Spock habe er gezeigt, wie wichtig Wissenschaft und Technik sind, ohne dabei zu vergessen, dass das Wichtigste die Menschen um ihn herum sind.

Mit der Nasa hatte Nimoy bei verschiedenen Gelegenheiten Kontakt. Im Jahr 1976 war die Schauspielercrew des Film-Raumschiffs Enterprise dabei, als das Space Shuttle Enterprise der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die Enterprise des Wissenschaftsoffiziers Spock existierte nur als Modell und als Filmkulisse, das Space Shuttle gleichen Namens absolvierte zahlreiche Testflüge in der Atmosphäre, beide waren aber nie im Weltraum. Die Enterprise der Jetzt-Zeit trug dagegen dazu bei, dass fünf Schwesterschiffe mehr als 130 Flüge in den Weltraum absolvierten. Als der Prototyp der Space Shuttle-Flotte vor drei Jahren nach New York ins Intrepid Sea-Air-Space-Museum gebracht wurde, erzählte Leonard Nimoy, dass die Star-Trek-Fangemeinde den damaligen US-Präsidenten Gerald Ford dazu bewog, den Namen des ersten Space Shuttle von Constitution in Enterprise zu ändern.

Vor acht Jahren produzierte Leonard Nimoy, der nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur, Filmproduzent und Autor war,  für die Nasa ein Video, in dem die Mission der Forschungssonde Dawn präsentiert wird. Diese hat bereits den Asteroiden Vesta erforscht und wird am kommenden Freitag, 6. März, am Kleinplaneten Ceres eintreffen, dem größten Objekt im Asteroidengürtel zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter.

In den kommenden Wochen werden die Wissenschaftler mit Dawn den Kleinplaneten untersuchen, wie es auch der Vulkanier Spock mit den Sensoren der Film-Enterprise getan hätte, sie werden aus den Beobachtungen ihre logischen Schlüsse ziehen - und mitunter auch einmal eine Zahl schätzen.

Leonard Nimoy ist gestorben, aber sein Werk bleibt in Erinnerung. Die Folgen der TV-Serie und die Star-Trek-Kinofilme werden auch bei der x-ten Wiederholung ihre Zuschauer finden, heute natürlich in Farbe und längst nicht mehr nur auf dem Fernsehschirm. Damit gilt für Nimoy wie für Mister Spock: Lebe lang und in Frieden.

  • Die Vorbereitungen für den dritten Weltraumausstieg von Barry Wilmore und Terry Virts am Sonntag werden fortgesetzt. Im von Virts genutzten Raumanzug waren schon früher Wassertropfen im Helm entdeckt worden, die sich aber nach bisherigem Wissensstand erst bilden, wenn der Astronaut in der Luftschleuse ist und dort die Atmosphäre mit dem üblichen Lufttdruck wiederhergestellt wird.

(28. Februar 2015, Samstag)

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