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22.01.2015

Rosetta begleitet Komet Tschuri auf seinem Weg zum Perihel

Die Landung von Philae war für die Esa im Bereich der unbemannten Raumfahrt zweifellos der Höhepunkt im Jahr 2014. Doch die Hauptmission der Muttersonde Rosetta geht erst jetzt so richtig los. Sie begleitet den Kometen 67P/C-G zu seinem Perihel, erläuterte Thomas Reiter am Mittwoch bei der Vorstellung des Esa-Programms für das laufende Jahr.

Vor etwa einem Jahr begann die Esa damit, die Forschungssonde Rosetta aus einem mehrjährigen Tiefschlaf zu wecken. Diese Prozedur verlief erfolgreich, ebenso wie die Annäherung an den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko und das Manövrieren der Sonde in eine Flugbahn, die immer wieder rund um den Kometen führt.

Im November schickte Rosetta ihren Begleiter Philae auf den Weg zu 67P/C-G. Danach hieß es Warten, denn der Anflug folgte nun ganz allein den Gesetzen der Schwerkraft. Der Landeapparat erreichte nach mehreren Stunden wie geplant die Oberfläche, machte dort allerdings unverhofft noch zwei Hüpfer. Die Harpunen, mit denen sich das Forschungsgerät auf dem Kometen festkrallen sollte, bekamen vermutlich kein Kommando zum Abfeuern. Dennoch gelang es dem Lander, nach dem endgültigen Aufsetzen den größten Teil seines Forschungsauftrags abzuarbeiten, bevor ihm die Energie ausging.

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Philae hat Fotos von seinem Standort zur Erde geschickt, an dem weniger Sonnenlicht ankommt als von seinen Entwicklern erhofft. Wie der Landeplatz von oben aussieht, ist dagegen bislang unbekannt. Das könnte sich im Februar ändern, denn Rosetta wird auf neue Bahn gesteuert. Die Sonde soll sich der Oberfläche des Kometen bis auf sechs Kilometer nähern. Die Esa-Wissenschaftler hoffen, dass sie dann auch Philae auf Fotos sehen können, sicher ist das jedoch nicht.

Wichtiger ist für die Wissenschaftler mittlerweile jedoch die Arbeit von Rosetta selbst. Die Sonde begleitet den Kometen auf dessen Weg zum Perihel, dem sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn, der mit etwa 200 Millionen Kilometer Entfernung zur Sonne zwischen den Umlaufbahnen von Erde und Mars liegt. Wenn er diesen Punkt im August 2015 erreicht, wird sich sein Schweif auf das Hundertfache seiner derzeitigen Größe ausgedehnt haben. Rosetta soll die Veränderungen des Kometen in diesem Zeitraum beobachten und mit ihren Messinstrumenten seine Zusammensetzung und die des Schweifs kontinuierlich untersuchen.

Im Frühjahr könnte Rosetta aber auch noch einmal ihre Rolle als Mutterschiff von Philae spielen, das die Kommunikation mit den Wissenschaftlern auf der Erde übernimmt. Im Mai oder Juni ist der Komet der Sonne so nahe, dass die Temperatur am Landeplatz möglicherweise über 0 Grad Celsius steigt. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die technischen Systeme von Philae wieder in Betrieb gehen und die Batterien mit Hilfe der Solarpanele aufgeladen werden.

Steht genug Energie zur Verfügung, können neben der Kommunikation noch einmal einzelne Experimente in Gang gesetzt werden. Der verantwortliche Projektleiter der Esa erklärte auf der Pressekonferenz der Esa jedoch, dass man mit genügend Energie nur für wenige Stunden rechne. In den nächsten Wochen werden daher die Wissenschaftler für ihre Experimente um die knappen Ressourcen wetteifern. Die besten Chancen könnte dabei der Bohrer haben, der im Gegensatz zu den anderen Instrumenten seine Aufgabe aufgrund des Energiemangels nicht abschließen konnte. Er soll Material des Kometen in eine Probenkammer befördern, in der es dann auf seine chemische Zusammensetzung untersucht wird.

Ob Philae tatsächlich noch einmal aus seinem Tiefschlaf erwacht, ist völlig ungewiss, doch die Forscher der Esa werden vorbereitet sein, falls sich der Lander noch einmal bei Rosetta meldet. Ungewiss ist auch, wie lange die Forschungssonde selbst genutzt wird. Im Juni soll bei der Esa die Entscheidung fallen, ob die Mission um ein Jahr bis Ende 2016 verlängert wird.

(22. Januar 2015, Donnerstag)

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