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18.05.2015

Russland setzt alle Weltraumstarts aus

Die Verantwortlichen des russischen Raumfahrtprogramms greifen zu einer radikalen Maßnahme und haben bis auf weiteres alle Weltraumstarts ausgesetzt. Im zweiten Anlauf ist es dagegen gelungen, die Flugbahn der ISS anzuheben.

Ein hochkarätig besetzte Untersuchungskommission soll herausfinden, wie es zu den jüngsten Pannen beim Start russischer Raketen gekommen ist. Neben dem neuen Roskosmos-Chef Igor Komarow und führenden Managern der beteiligten Raumfahrtunternehmen gehören ihr auch Regierungsvertreter an. Auch Präsident Wladimir Putin lässt sich regelmäßig über die Ereignisse berichten.

In der vergangenen Woche war nach einer Fehlfunktion in der dritten Stufe eine Proton-Rakete mit einem mexikanischen Kommunikationssatelliten abgestürzt. Die Proton ist seit Jahrzehnten die leistungsstärkste russische Rakete im Serieneinsatz, für sie gibt es lediglich in Baikonur eine Startrampe. Seit 2001 ist die weiterentwickelte Version Proton M im Einsatz. In den vergangenen zehn Jahren gab es bei 90 Starts inzwischen acht Fehlschläge. Diese waren zum Teil auf Fehler der Bris M-Oberstufe zurückzuführen, zum Teil auf menschliche Fehler, so wurden in einem Fall Sensoren falsch herum montiert, in einem anderen Fall nicht die richtige Menge Treibstoff getankt.

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Der Fehler in der dritten Stufe beim Start am 16. Mai dürfte den Konstrukteuren jedoch erhebliche Sorgen bereiten. Fast genau ein Jahr zuvor am 15. Mai 2014 ging Express AM4R ebenfalls wegen einer Fehlfunktion der dritten Stufe verloren.

Sorgen bereitet eine verunglückte Proton M-Rakete noch aus einem anderen Grund. Sie verwendet ein hochgiftiges Treibstoffgemisch, das für große Umweltschäden sorgen kann, falls es nicht beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Das ist einer der Gründe, weshalb Russland mit der Angara A5 an der Entwicklung einer Trägerrakete arbeitet, die Ende des Jahrzehnts die Proton M ablösen soll. Gleichzeitig löst man sich von der Abhängigkeit vom Startplatz Baikonur, für die große Angara wird es nicht nur auf dem von Kasachstan gepachteten Kosmodrom eine Startrampe geben, sondern auch in Plessezk und Wostotschny.

Mehr noch als bei der Proton M trifft die russischen Raumfahrtingenieure der Fehlschlag beim Flug Progress M-27M. In diesem Fall ist die Sojus-Rakete betroffen, die für Russland bislang wichtigste und weltweit zuverlässigste Trägerrakete. Noch immer rätseln die Konstrukteure, warum die dritte Stufe der Rakete beim Abtrennen der Nutzlast den Raumfrachter vermutlich noch einmal rammte und damit aus der geplanten Umlaufbahn hinauskatapultierte. Bei diesem Flug kam die Version Sojus 2.1a zum Einsatz, bei der eine weiterentwickelte dritte Stufe verwendet wird. Für die bemannten Raumflüge wird seit 2006 die Version Sojus FG verwendet, deren dritte Stufe bislang fehlerfrei arbeitete. Sollte ein Fehler in der Konstruktion der neuen dritten Stufe der Grund für den Unfall sein, wären die bemannten Flüge nicht betroffen, doch das wollen die Verantwortlichen zunächst klären, um die Gefahr für die Raumfahrer - die immer vorhanden ist, was auch allen Beteiligten klar ist - so gering wie möglich zu halten.

Einen Erfolg konnte die Bodenkontrolle am Montagmorgen aber doch vermelden. Im zweiten Anlauf hat der Raumfrachter Progress M-26M für rund eine Viertelstunde sein Triebwerk gezündet und die Umlaufbahn der Raumstation ISS um knapp drei Kilometer angehoben. Sie kreist jetzt in einer Höhe zwischen 401 und 417 Kilometer Höhe um die Erde. Das Manöver diente auch der Vorbereitung auf den Rückflug von Sojus TMA-15M, der aktuell für Mitte Juni geplant ist.

  • In den nächsten Tagen ist bei klarem Himmel von Deutschland aus wieder die Beobachtung der Raumstation ISS möglich - das ist jetzt allerdings ein Fall für Frühaufsteher. Von Augsburg aus gesehen taucht die Station gegen 4.30 Uhr im Südwesten am Himmel auf und ist dann etwa sechs Minuten lang beim Blick in Richtung Süden zu beobachten. Gegen 4.37 Uhr verschwindet sie im Osten hinter dem Horizont.

(18. Mai 2015, Montag)

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