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27.06.2016

Spuren auf Proben von Itokawa sind Milliarden Jahre alt - oder 1000 Jahre jung

Es sind Gesteinsproben von wenigen Mikrometer Durchmesser, die von der japanischen Sonde Hayabusa zur Erde gebracht wurden. Sie stammen vom Asteroiden Itokawa. Bei der Untersuchung haben Wissenschaftler festgestellt, dass Spuren auf diesen Proben zwischen 1000 Jahren und vier Milliarden Jahren alt sind.

Nach einer Mitteilung der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa haben Wissenschaftler bei der Untersuchung von Materialproben des Asteroiden Itokawa Spuren entdeckt, die nur etwa 1000 Jahre bis etwa eine Million Jahre alt sind, während andere Spuren mit einem Alter von vier Milliarden Jahren aus der Entstehungszeit des Himmelskörpers stammen. Dieser hatte damals zunächst etwa das 40-fache seiner heutigen Größe, wurde dann aber zerstört. Ein Teil des Asteroidenkerns blieb erhalten und band durch seine Schwerkraft einen Teil der Trümmerwolke. So entstand der heutige Asteroid mit Maßen zwischen 200 und 500 Meter Durchmesser. Für einen Gesteinskörper ist er ungewöhnlich leicht, er hat nur etwa die Dichte irdischen Sandes.

Proben des Himmelskörpers, die vor sechs Jahren zur Erde gebracht wurden, weisen bei der Untersuchung unter Röntgen- und Elektronenmikroskopen Kratzspuren auf, die unterschiedlich alt sind, wobei die Größe dieser Spuren in Nanometer gemessen wird. Die Forscher hatten erwartet, dass diese Spuren auf allen Materialproben ein einheitliches Muster zeigen - gefunden haben sie mindestens vier Varianten. Eine davon ist etwa vier Milliarden Jahre alt und stammt aus der Zeit, in der Itokawa und viele andere Objekte unseres Sonnensystems entstanden. Andere Muster sind deutlich jünger, zwischen einer Million und sogar nur etwa 1000 Jahre alt. Die japanischen Wissenschaftler nehmen an, dass sie einerseits durch Reibung der Gesteinsteilchen entstanden, andererseits durch Prozesse, die der Sonnenwind mit seiner Strahlung verursacht.

Ausführlich stellen die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse im wissenschaftlichen Fachjournal Geochimica et Cosmochimica Acta vor, das von der Geochemical Society herausgegeben wird. Pro Jahr erscheinen 24 Ausgaben des Journals, die Veröffentlichung der japanischen Studie ist für die Ausgabe vom 15. August 2016 vorgesehen.

Im Jahr 1998 wurde der Asteroid (25143) Itokawa entdeckt, nur sieben Jahre später bekam er bereits Besuch von der Erde. Der erdnahe Asteroid braucht für einen Umlauf um die Sonne mit etwa 556 Tagen etwas mehr als die anderthalbfache Zeit wie die Erde, der sonnennächste Punkt seiner Bahn liegt nach astronomischen Maßstäben knapp innerhalb der Erdbahn, am sonnenfernsten Punkt ist er 1,7 Mal so weit von unserem Stern entfernt wie die Erde.

Benannt wurde der Asteroid nach Hideo Itokawa, einem Raketenwissenschaftler, der das japanische Raumfahrtprogramm entscheidend prägte. Japan wählte den Himmelskörper als Ziel für seine Forschungssonde Hayabusa aus, die Materialproben von der Oberfläche zur Erde bringen sollte. Die Sonde erreichte den Asteroiden im Jahr 2005, sammelte an zwei Stellen erfolgreich Bodenproben ein und startete 2007 wieder zurück zur Erde. Trotz technischer Probleme während der Mission erreichte die Kapsel mit dem Asteroidenmaterial im Juni 2010 den vorgesehenen Landeplatz in der Nähe von Woomera in Australien.

Seit rund anderthalb Jahren ist mit Hayabusa 2 eine zweite japanische Forschungssonde zu einem Asteroiden unterwegs. Sie soll in etwa zwei Jahren den Asteroiden Ryugu erreichen und von dort Materialproben zur Erde befördern. An dieser Mission ist auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR beteiligt, dessen Landeapparat Mascot soll an mehreren Stellen die Oberfläche des Asteroiden untersuchen.

(27. Juni 2016, Montag)

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