26.03.2013

Der FCA und Via(no)go

Große Unruhe herrscht derzeit besonders in der organisierten Fan-Szene des FC Augsburg. Die Zusammenarbeit mit dem Ticket-Zweitanbieter Viagogo hat Gräben im Verhältnis zwischen den Anhängern und die Vereinsführung gezogen.

 Eins vorneweg: Es ist das gute Recht des FC Augsburg alle möglichen Geldquellen anzuzapfen. Ob er aber auch alles tun muss, was möglich ist, darüber kann man sicher streiten. Und die Zusammenarbeit mit Viagogo ist ein ganz besonderes Streitthema.

 Bisher ging der Verein gegen Fans, die überzählige Karten mit Gewinn vor allem über ebay oder über andere Tauschbörsen verkaufen wollten , rigoros vor. Das war verständlich.

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 Jetzt ist der Handel mit Tickets durch das Geheiß des Vereins aber  legalisiert. Was gestern noch böse war, ist heute plötzlich gut. Nur weil der Verein plötzlich mitverdient?

 Für den FCA-Fan, der ausnahmsweise verhindert ist, ist das Portal sicher ein einfacher Weg seine Karte an den Mann zu bringen. Dies ginge aber auch über Fan-Tauschbörse.

 Die größeren Nutznießer sind aber die Karteninhaber, die der FCA eigentlich gar nicht   interessiert, die aber Tickets in größeren Mengen über den exklusiven Mitgliederverkauf oder auf anderen Wegen erwerben, um sie dann teuer verkaufen zu können.

Und der FCA macht sich selbst zu solch einem Schwarzhändler, in dem er Viagogo hunderte Karten im Rahmen der Zusammenarbeit überlässt, die Viagogo dann selbst über ihre Plattform verkaufen kann.  Der FCA selbst verknappt das begehrte Gut also noch mehr. Und das kann nicht sein.

 Das Ticketing ist ein sensibles Thema, die Eintrittskarte ist für den Fan der Türöffner zu seinem Verein, zu seiner Liebe. Für viele ist der Besuch im Stadion ein wichtiger Lebensinhalt, für einige sogar der einzige. Wenn man aber keine Karte mehr bekommt, weil es eben keine mehr gibt, oder weil sie zu teuer ist, dann bricht für viele eine Welt zusammen. Und dann können Fans richtig böse werden, auch FCA-Fans. Und das zurecht.

 Was in der Diskussion auch oft etwas untergeht ist, dass Viagogo über den FCA Zugang zu über 11000 FCA-Mitgliedern (Tendenz steigend) hat. Deren Daten sind bares Geld wert, ein Verkauf von solch sensiblen Daten ist ein lukratives Geschäft.

 Der FCA hat er im Vorfeld des Deals mit Viagogo jegliches Fingerspitzengefühl vermissen lassen.  Der Verein spielte nicht mit offenen Karten, dabei lassen die FCA-Verantwortlichen keine Gelegenheit aus, auf die große FCA-Familie hinzuweisen.

 In jeder Familie gibt es Krach und Meinungsverschiedenheiten. Die kann man ausräumen, wenn man offen und ehrlich miteinander umgeht.

 Meiner Meinung nach sollte der FCA schnell das Gespräch mit den Fans suchen, die Fakten auf den Tisch legen, keine eigene Karten mehr zum Weiterverkauf zur Vefügung stellen  und wenn nötig die Zusammenarbeit mit Viagogo  beenden oder  nicht verlängern.

 Ganz klar, der FCA ist souverän in seinen geschäftlichen Entscheidungen. Aber in diesem Fall, denke ich, ist das gute Verhältnis zu den Fans, die im Stadion durch ihre Choreographien, durch ihre Fan-Gesänge die so ganz spezielle Stimmung ausmachen, mehr Wert als der Gewinn durch die Kooperation mit Viagogo.

 Andere Vereine haben diese Konsequenz  schon gezogen.

 Robert Götz

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