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28.03.2013

Zurück zur Sachlichkeit

Pro und Contra - beide Positionen sind wichtig um sich eine eigene Meinung zu bilden. Egal um welches Thema es sich handelt.  Zuletzt habe ich hier   meine sehr kritische Sichtweise zur Partnerschaft des FCA mit dem Ticketvermarkter Viagogo  dargestellt. Es gab eine sehr emotionale  Stellungnahme von FCA-Geschäftsführer Peter Bircks. Um die Diskussion  wieder zu  versachlichen, habe ich den FCA gebeten, mir ein Interview zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen, das Herr Bircks am Mittwoch dem Stadionkurier des FC Augsburg gegeben hat. Es wurde auf der vereinseigenen Homepage  veröffentlicht. Ich stelle dieses Interview ohne  Kommentierung und unabhängig von meiner Meinung hier in den Blog. 

Robert Götz

Hier der Original-Wortlaut:

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Herr Bircks, beschreiben Sie doch einmal die Vorteile der Partnerschaft mit Viagogo.

Bircks: „Sehr gerne, uns und vor allem unseren FCA-Fans entstehen dadurch klare Vorteile: Sonst ungenutzte Spieltag-Tickets und auch Dauerkarten können jetzt auf dem Zweitmarkt sicher und unkompliziert wieder zur Verfügung gestellt werden. Außerdem profitiert unser Nachwuchs, da ein Teil der Erlöse aus der Partnerschaft für die Finanzierung des neuen Nachwuchsleistungszentrums verwendet wird."

Gibt es in Ihren Augen auch Nachteile?

„Nein, für unsere Mitglieder und Dauerkartenbesitzer sehe ich keinerlei Nachteile."

Aber Fans müssen doch bei Top-Spielen tiefer in die Tasche greifen, wenn Sie noch ein Ticket haben wollen und dies bei viagogo erwerben...

„Zunächst einmal kann sich jeder Fan über unsere Verkaufskanäle Tickets zu den regulären Preisen kaufen. Bei nahezu allen Heimspielen gab es in dieser Saison nach dem Mitgliedervorverkauf auch einen freien Ticketverkauf, so dass jeder, der zu einem Spiel gehen möchte, auch Tickets direkt beim FCA kaufen kann. Man muss also viagogo gar nicht nutzen. Es wird niemand gezwungen."

Dennoch bleibt die Tatsache, dass einzelne Tickets zu teuren Preisen verkauft werden.

„Das stimmt, aber wenn das der Markt hergibt, haben wir kein Problem damit. Da ja jeder bei uns die Chance hat, Tickets zum Normalpreis zu kaufen, ist es doch legitim, wenn so genannte „Rosinenpicker" bei einzelnen Spielen mehr bezahlen müssen. Hier sei nochmals gesagt: Niemand muss das Angebot nutzen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Beispiele, dass Tickets bei viagogo unter dem normalen Ticketpreis verkauft werden. So wurden zum Beispiel beim Top-Spiel gegen Nürnberg zwei Sitzplatzkarten der Kategorie 1, die inklusive Top-Zuschlag 86 Euro kosten, bei viagogo für 52 Euro verkauft."

Aber Sie stellen doch ein Kontingent von Tickets direkt viagogo zur Verfügung und verknappen dadurch künstlich das Angebot.

„Ja, wir stellen Tickets in einer dreistelligen Anzahl zur Verfügung. Dies ist ein ganz normaler Bestandteil des Sponsorenvertrages, so wie es bei anderen Partnern auch der Fall ist. Dass wir dadurch das Angebot nicht verknappen sehen Sie an der Tatsache, dass es bei nahezu allen Spielen einen freien Vorverkauf gab. Selbst beim DFB-Pokalspiel gegen Bayern München gab es auch an der Tageskasse noch Tickets im freien Verkauf."

Fans beschweren sich, dass Karten für den M-Block, also den zentralen Fanblock in der SGL arena, angeboten werden.

„In dem vom FCA an viagogo zur Verfügung gestellten Karten-Kontingent sind definitiv keine Tickets für den M-Block. Wenn dort Tickets bei viagogo angeboten werden, werden diese von regulären Ticketinhabern verkauft."

Werden denn Stehplätze in anderen Blöcken zur Verfügung gestellt?

„Wir haben den Dauerkartenverkauf im Stehplatzbereich gestoppt, um bei allen Spielen auch Stehplatztickets als Tageskarten anbieten zu können. Darüber hinaus geht eine geringe Anzahl an Stehplatzkarten an viagogo. Hier handelt es sich lediglich um eine zweistellige Zahl. Bei einem Fassungsvermögen von rund 9.000 Stehplätzen auf der Nordtribüne ist das verschwindet gering."

Gehen auch Auswärtstickets an viagogo?

„Nein, Tickets für den Gästeblock bei FCA-Auswärtsspielen werden von uns nicht zur Verfügung gestellt."

Wie kann es denn sein, dass schon vor dem Verkaufsstart von einem Spiel Tickets bei viagogo angeboten werden?

„Das hat nichts mit unserer Partnerschaft mit viagogo zu tun. Diese Tickets können nur Angebote von Privatpersonen sein, die sich sicher sind, dass Sie über den Mitgliederverkauf oder über Fanclubbestellungen Tickets erhalten werden. Darüber kann sich jeder sein eigenes Urteil bilden."

Warum haben Sie sich entschieden, einen Aufschlag von bis zu 100 % zu ermöglichen? Es wäre doch auch ein Tausch ohne Aufschlag möglich.

„Der FCA profitiert anteilig an den Aufschlägen und Gebühren. Das Geld wird für die Finanzierung des Nachwuchsleistungszentrums verwendet. Auch hier sei aber gesagt, dass der Verkäufer diesen Aufschlag verlangen kann, er muss es aber nicht, sondern kann sein Ticket auch zum Normalpreis anbieten. Durch unsere Kooperation mit viagogo konnten wir den Aufschlag auf maximal 100% regulieren. Hätten wir keine Partnerschaft mit dem Anbieter, wäre der Preistreiberei keine Grenze gesetzt. So findet immerhin teilweise eine Regulierung des Marktes statt."

Es ist ab und zu der Vorwurf zu hören, dass Fans Ihre Tickets bei viagogo mit mehr als 100% Aufschlag einstellen können.

„Dies sollte aufgrund der vertraglichen Regelung nicht möglich sein. Wenn es aber vereinzelt doch der Fall sein sollte, bitten wir um eine Benachrichtigung. Dem gehen wir selbstverständlich nach, melden es bei viagogo. Der Partner ist verpflichtet dies umgehend zu entfernen."

Ein weiterer Vorwurf ist die Tatsache, dass die Beschränkung der Postleitzahlen im offiziellen Online-Ticket-Shop durch viagogo ausgehebelt werden.

„Das ist sicherlich eine Schwachstelle. Wir werden dieses Problem zukünftig angehen und versuchen dies in den Griff zu bekommen."

Was wäre eine Alternative zu viagogo?

„Der Hamburger SV hat den Vertrag mit viagogo aufgelöst, im Gegenzug aber die Preise für Dauerkarten im Sitzplatzbereich um 60 Euro und im Stehplatzbereich um rund 20 Euro erhöht. So eine drastische Preiserhöhung ist für uns keine Alternative, weil unsere Tickets auf einem bezahlbaren Niveau bleiben sollen."

Warum machen Sie keine eigene Tauschbörse?

„Dazu fehlen uns leider noch die Möglichkeiten. Wie zu lesen war, richtet Bayern München eine solche Tauschbörse für rund 150.000 Euro ein. Das wäre für uns finanziell nicht machbar, weil auch die personellen Kapazitäten nicht zur Verfügung stehen. Aber wir haben nichts dagegen, wenn Tickets auch über persönlichen Tausch oder über die Tauschbörse im FCA-Forum ohne Aufschläge getauscht werden."

Wie läuft eigentlich ein Tickettausch bei viagogo ab?

„Als Ticketinhaber muss man sich bei viagogo registrieren und kann dann sein Ticket anbieten. Das jeweilige Ticket wird dann gesperrt und an den Käufer ein neues Ticket verschickt."

Viagogo wirbt unter anderem über Newsletter und Marketingtools. Stellt der FCA dabei die Daten seiner Mitglieder und Ticketinhaber zur Verfügung?

„Nein. Das machen wir nicht. Wir geben keine Daten weiter. Gegen diesen Vorwurf wehren wir uns ganz entschieden. Bei den FCA-Newslettern, in denen wir das Angebot von viagogo beworben haben, ist der FCA der Absender. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Wer keinen Newsletter erhalten möchte, der kann diesen ganz einfach über einen Link abbestellen."

Abschließend noch eine Frage: Was wünschen Sie sich in Bezug auf die Partnerschaft mit viagogo?

„Ich wünsche mir, dass unsere Fans die Partnerschaft kritisch, aber fair beurteilen. Wenn man alle Vor- und mögliche Nachteile nebeneinander legt, kommen wir zu dem Fazit, dass die Vorteile für echte Fans und den FCA deutlich überwiegen. Daher wünschen wir uns, dass die Partnerschaft respektiert wird. Der FCA verkauft durch diese Partnerschaft nicht seine Seele, sondern generiert wichtige Einnahmen, vor allem für die Nachwuchsförderung. Doch ich möchte abschließend noch einmal ausdrücklich betonen, dass man das Angebot nutzen kann, es aber keineswegs nutzen muss."

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