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31.07.2017

Rückpass: Der FCA verliert sein Gesicht

Abgänge können zu einer Bedrohung werden – Bayern wollen ersten Pokal

Hallo Fußball-Freunde,

es mag den Fans nicht gefallen, aber die Unsicherheit rund um die Mannschaft für die neue Saison wird immer größer. Ja, man könnte sogar sagen, „der FCA verliert sein Gesicht“. Warum? Nun, Nationalspieler – einerseits Stützen der Mannschaft, andererseits prominente Gesichter in der Öffentlichkeit – stehen vor dem Absprung oder haben ihn schon vollzogen. Es ging Halil Altintop zu Slavia Prag, jetzt will auch noch Kapitän Paul Verhaegh von Bord gehen und bei Torhüter Marwin Hitz wartet alles auf den Abschied, den der FCA sogar mit eingeleitet hat. Der „neue“ FCA wird für die Bundesliga-Freunde außerhalb Schwabens ein Stück weit unattraktiver werden.

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Die Frage ist, welche Auswirkungen hat das auf die Qualität der Mannschaft. Über Altintop haben wir schon gesprochen, er hat auch in der Kabine eine besondere Rolle gespielt und wird fehlen. Eine besondere Rolle hat natürlich auch der Kapitän gespielt und sollte der Niederländer tatsächlich gehen, dann fehlt auf und außerhalb des Spielfeldes ein Halt mehr für den Rest des Teams. Andererseits, Verhaegh ist ein verdienter Spieler, aber bereits 33 Jahre alt, für eine entsprechende Ablösesumme (vor allem, wenn der neue Verein VfL Wolfsburg heißt) wird ihn der FCA ziehen lassen, auch wenn eine Lücke bleibt. Mit ein wenig Glück könnten die Lücke Eigengewächs Raphael Framberger (wenn er gesund bleibt) und Georg Teigl schließen. Teigl vor allem dann, wenn er defensiv stärker wird, seine Schnelligkeit ist nämlich für einen Außenverteidiger ein „Pfund“. Was Marwin Hitz angeht, da ist ja Ersatz schon da, der Schweizer findet anscheinend keinen neuen Verein, wird sich aber mit der Rolle auf der Bank wohl kaum zufrieden geben. Seine Degradierung überrascht dennoch, denn Hitz war in den letzten Jahren einer der Garanten für den Klassenerhalt.

Der FCA bastelt also drei Wochen vor dem Bundesliga-Start noch an seiner Mannschaft, der FC Bayern hat dagegen das Problem, all die Spiele zu bewältigen und eine Saison lang seine Stars bei Laune zu halten. Die Vielspielerei geht weiter, nach der strapaziösen Asien-Reise steht der Audi-Cup auf dem Programm, mit zwei Spielen am Dienstag und Mittwoch. Der FC Liverpool, der beim 3:0 bei Hertha beeindruckt hat, ist mit Trainer Jürgen Klopp der erste attraktive Gegner, Atletico Madrid und der SSC Neapel duellieren sich davor, am Mittwoch gibt es das Spiel um Platz 3 und das Finale, die ARD ist live dabei. Der Audi-Cup also als Highlight der Saisonvorbereitung.

Das erste richtige Highlight steht aber am Samstag auf dem Programm, da geht es um den ersten Pokal, um das Prestige, es ist der deutsche Clasico mit dem Duell Borussia Dortmund gegen Bayern München um den Supercup. Es wird kein Freundschaftsspiel sein, „wir wollen den Pokal“, hatte Bayern-Trainer Carlo Ancelotti bereits betont. Dabei dürften sich erste Erkenntnisse für seine „Wunschmannschaft“ ergeben, andererseits hat er jetzt betont, „es wird in diesem Jahr keine Stammelf geben, wir werden jedes Mal eine andere Mannschaft haben“. Na, hoffentlich kommen Spieler und Trainer nicht durcheinander.

Beim Audi-Cup ist das Team fast vollends komplett. Nur Neuer, Bernat und Ribery fehlen verletzt, dafür sind die letzten Urlauber zurück, die Neuzugänge Süle und Rudy werden sich dem Münchner Publikum vorstellen, Robben, Vidal und Kimmich ihre ersten Schritte in der neuen Saison machen. Man darf gespannt sein, welche zwei Mannschaften Ancelotti in den zwei Spielen aufs Feld schickt, nur der eine oder andere wird wohl zweimal spielen müssen. Und dann eben Dortmund, dann wohl auch mit Ribery, aber noch ohne Neuer. Vor einem Jahr siegten die Bayern übrigens in Dortmund mit 2:0, beide Vereine sind mit je fünf Siegen auch Rekordgewinner. Bei Dortmund werden sich die Augen auf den neuen Trainer Peter Bosz richten und auf Mario Götze, der wohl seine Comeback in einem Pflichtspiel feiern dürfte.

Eine Blamage für Steffi Jones

Neben den Männern spielen derzeit auch die Frauen eine große Rolle, die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft in den Niederlanden allerdings nicht mehr. Das Aus im Viertelfinale mit einer 1:2-Niederlage gegen Dänemark machte das schlechteste Abschneiden seit 30 Jahren perfekt und beendete die Siegesserie von sechs Titelgewinnen in Folge. Das Ausscheiden war vor allem eine große Blamage für die neue Bundestrainerin Steffi Jones, die eigentlich beweisen wollte, dass sie eine würdige Nachfolgerin der erfolgreichen Sylvia Neid ist. Jetzt steht sie vor einem Scherbenhaufen, aber der DFB sollte ihr noch eine Chance geben, denn aus den Fehlern rund um die EM wird sie wohl lernen.

Dabei war vor dem Turnier alles Friede, Freude, Eierkuchen, es herrschte beste Stimmung und das neue Wohlgefühl in der Mannschaft wurde immer wieder betont. Es kam sogar unterschwellig Kritik an Vorgängerin Neid auf, dass es bei ihr diese Lockerheit nie gegeben habe. Aber dafür halt Erfolge, was wieder zeigt, die „lange Leine“ ist nicht immer sinnvoll. Steffi Jones wurde nicht müde zu betonen, dass man natürlich den Titel wolle, doch hier wäre eher Defensive angesagt, denn zahlreiche Stammspielerinnen hatten ihre Karriere beendet und es gibt im Prinzip eine neue, junge Mannschaft. Für die war der Druck zu groß, deutlich zu sehen an Kapitänin Dszenifer Marozsan, die mit der Führung des Teams überfordert war und selbst einen Halt gebraucht hätte. Was fehlte, war vor allem eine Torjägerin, war Entschlossenheit, dafür gab es Krampf statt Kampf, Unsicherheit statt Selbstbewusstsein, technische Fehler statt überzeugenden spielerischen Leistungen. So gibt’s den Satz mit „x“: Das war nix.

Es was überhaupt ein Turnier des Favoritensterbens, denn auch Schweden und Frankreich schieden bereits aus, die als größte Konkurrenz zu Deutschland galten, dazu sind die „Geheimfavoriten“ Norwegen, Spanien und die Schweiz ebenso auf dem Heimweg. Einzig England ist als eines der etablierten Teams noch dabei, während sich Gastgeber Niederlande, Dänemark und das „größte Wunder“ Österreich (mit vier Spielerinnen vom FC Bayern) mit um den Titel streiten. Solche Triumphe der Außenseiter sollte es mal bei den Männern geben!

Die Frauen-EM kam aber bei den deutschen Zuschauern gut an. 3,8 Millionen TV-Zuschauer sahen am Samstag im ZDF das Regenchaos rund um ein Spiel, das nicht stattfand! 5,73 Millionen waren es sogar bei der Neuauflage am Sonntagmittag zur Essenszeit um 12.00 Uhr – damit war der Frauen-Fußball Tagessieger noch vor der Formel 1 und dem Tatort! Ein Sieger war auch ZDF-Reporterin Claudia Naumann, die erfrischend Klartext redete und nicht um den heißen Brei herumredete, wie es ihre männlichen Kollegen oft tun. Sie deckte die Schwächen der deutschen Mannschaft gnadenlos auf und hätte auch die besseren Spielerwechsel parat gehabt. Wäre sie die geeignete Nachfolgerin für Steffi Jones?

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