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06.11.2017

Rückpass: Zwischenbilanz mit Heynckes, Baum und Stöger

Wiederbelebung der Bayern – Unterschätzter Trainer in Augsburg

Hallo Fußball-Freunde,

das haben die Terminplaner ja gut hingekriegt: Genau zur nächsten Länderspielpause ist ein Drittel der Bundesliga-Saison vorbei. Eine Pause, die vielen gelegen kommt. Zum Beispiel den Bayern-Stars, die nach stressigen Wochen auf dem Zahnfleisch daherkommen, dem DFB und den Schiedsrichtern, um das Chaos rund um den Videobeweis aufzuräumen oder Werder Bremen, um in Ruhe einen neuen Trainer suchen zu können. Dem FCA kommt die Pause eher ungelegen, wer erfolgreich ist, will lieber weitermachen.

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Neue Trainer sind ein gängiges Mittel, wenn der Erfolg ausbleibt, doch nicht immer greift der Wechsel. Das genaue Gegenteil passierte bei den Bayern. Als der 72-jährige Jupp Heynckes den stoischen Carlo Ancelotti ablöste, da weckte er den ganzen Verein, vor allem aber die Mannschaft. Aus einem Rückstand von fünf Punkten auf Dortmund machte er sechs Zähler Vorsprung (vier vor Leipzig) und den Bundesliga-Fans gleichzeitig wieder Angst vor einem Alleingang der Bayern. Dabei vollführte Heynckes einen Drahtseilakt, er musste die Spieler fit machen, durfte sie gleichzeitig bei einem stressigen Programm aber nicht überfordern. Er fand mit seinem Trainerteam die richtige Mitte und sammelte nur Siege ein. Jupp Heynckes ist jetzt schon der Trainer der Saison und darf sich zunächst verdientermaßen eine Woche zu Hause ausruhen.

Vom erfolgreichsten Trainer zu dem Trainer, der am meister unterschätzt wird. Das ist wohl Manuel Baum. Auch er schwimmt mit dem FCA auf einer Erfolgswelle. Zwar gab es nicht nur Siege wie in München, aber die bisher erfolgreichste Saison kann sich sehen lassen. Der FCA überzeugt mit seiner Spielweise, Baum überzeugt mit seiner Taktik, das Ergebnis ist Rang 10 mit acht Punkten Abstand zum Relegationsplatz. Wenn es um die Trainer der Zukunft in der Bundesliga geht, dann wird vor allem Julian Nagelsmann genannt oder auch Domenico Todesco, aber der Name Manuel Baum fehlt meist in solchen Aufzählungen. Dabei werden die Leistungen des FCA durchaus anerkannt. Bei der Bild am Sonntag wird Kapitän Daniel Baier als zweitbester Spieler geführt, dahinter befindet sich Torhüter Marwin Hitz, beim Fachblatt kicker Caiuby und Khedira unter den besten 14 Spielern gelistet. Der FCA findet also durchaus Aufmerksamkeit. Noch mehr könnte es sein, wenn er die Bayern am 18. November überrascht, wenn es wieder weitergeht.

Die Bundesliga bot ja ein turbulentes erstes Drittel der Saison mit überraschenden Ergebnisse und Platzierungen. Am seltsamsten ist aber der 1. FC Köln als Schlusslicht, noch ohne Sieg mit gerade mal zwei Zählern. Zweimal ein 0:0 gegen Werder Bremen und Hannover 96 war die ganze Ausbeute. Normalerweise wäre der Trainer schon lange in die Wüste geschickt worden, nicht so bei Peter Stöger. Der Österreicher ist eine Kultfigur am Rhein und sorgte gemeinsam mit Manager Jörg Schmadtke im Vorjahr dafür, dass Köln die Rückkehr auf Europas Bühne schaffte. Jetzt das Gegenteil, der unverständliche Absturz, der nicht allein am Verkauf von Torjäger Modeste liege kann. Schmadtke fühlte sich verantwortlich und warf das Handtuch. Stöger will sich nicht davonstehlen, die Mannschaft steht zu ihm. Aber die Länderspielpause könnte gefährlich sein. Geht Stöger in sich und gibt doch auf? Tatsache ist auch, dass die Kölner unter Verletzungspech litten. Nur in Freiburg gab es das bisher, dass der Verein erhobenen Hauptes mit einem erfolglosen Trainer in die zweite Liga ging. Das gibt Sympathiepunkte statt Punkten auf dem grünen Rasen. Ob das zählt?

Für Turbulenzen sorgte vor allem der Videobeweis, der von Haus aus eine gute Regelung ist und für mehr Gerechtigkeit sorgt, auch wenn es manche Trainer, Manager und Kritiker nicht wahrhaben wollen. Alle Gegner sollten sich zum Beispiel ansehen, dass in Wolfsburg nur per Videobeweis zwei ungültige Tore eben nicht gegeben wurden. In Misskredit kam der Videobeweis vor allem durch unfähige Funktionäre beim Verband. Da ging es wohl eher um Eifersüchteleien und anscheinend wollen sich manche als Oberspielleiter aufführen. Da muss es eine Reduzierung geben, klare Richtlinien und Möchtegern-Entscheider müssen aus dem Verkehr gezogen werden. Die erste Entscheidung hat der DFB jetzt getroffen, der frühere Schiedsrichter Hellmut Krug wurde als Leiter des Projekts abgezogen, weil er wohl seine Kompetenzen überschritten hatte. So soll er Entscheidungen beeinflusst und Schalke bevorteilt haben. Nichts ist wohl gegen Missbrauch gefeit!

Ein Problem bleibt – das haben wir schon oft angesprochen und da muss FCA-Manager Stefan Reuter gar nicht toben –, das ist die missverständliche Regelung bei den Handspielen. Der Bayernfan ist der Meinung, dass das Handspiel des Leverkuseners Retsos nicht strafwürdig war, wohl aber die Hand des Schalker Kehrle vor einer Woche. Die Regelung, die Manuel Baum vorschlägt, nämlich dass es immer strafbar ist, wenn der Ball an die Hand geht, hatten wir früher schon einmal und führt eben auch zu Ungerechtigkeiten. Hand oder nicht Hand wird also die ewige Frage bleiben und diese wird auch der Videobeweis nie schlüssig und einheitlich beantworten können.

Die meisten Spieler freuen sich auf eine Pause und wollen regenerieren. Die Nationalspieler sind unterwegs und da liegt es dann an den Nationaltrainern, die Belastung entsprechend zu steuern. So wäre es unsinnig, wenn Finnbogason angeschlagen bei Freundschaftsspielen für Island antreten würde. Jogi Löw nimmt bekanntlich Rücksicht auf die Vereine und versucht die Belastung zu verteilen. Dies wird auch diesmal gegen England und Frankreich, eigentlich zwei Schlagerspiele, so sein. Hertha BSC hat mit 15 Spielern die meisten Akteure unterwegs, bei den Bayern sind es 12, beim FCA acht, wobei Richter bei der U20 berufen wurde. Alle Vereinstrainer eint eins: Sie bangen um die Gesundheit ihrer Spieler.

Es gibt in der Pause aber nicht nur Freundschaftsspiele, sondern es werden in erster Linie die letzten WM-Tickets vergeben. In Europa gibt es vier Play-Off-Duelle, mit dabei der mehrfache Weltmeister Italien, der gegen Schweden bangt, erstmals eine WM-Teilnahme zu verpassen. Die anderen Duelle lauten Nordirland – Schweiz (mit Hitz), Kroatien – Griechenland (mit Stafylidis) und Dänemark – Irland. Übrigens: In diesen wichtigen Spielen gibt es keinen Videobeweis, vielleicht aber spektakuläre Szenen nach denen die Geschädigten nach dem Videobeweis rufen, weil ihnen eine Fehlentscheidung die WM-Teilnahme kostet.

Länderspiele werden rar, denn 2018 kommt die neue National League. Mehr dazu unter www.Sport-Grantler.com "Mit der National League werden die Fans betrogen".

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