11.01.2018

Der Grantler: Bayern hat das Sagen

Da werden Horst Seehofer und Markus Söder schon ein bisschen neidisch sein, denn das hätten sie auch gerne auf Bundesebene: Das Sagen in der Politik. So müssen sie diese Ehre eines bundesweiten Vorsitzes aber einem anderen überlassen, der einst auch in der Politik zu Hause war, nämlich Regierungssprecher, der aber jetzt in neuer Position auch Politik machen muss. Das bleibt für einen Intendanten einer Fernsehanstalt nicht aus. Der Chef des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, hat zwei Jahre lang noch eine zusätzliche Rolle, er ist turnusmäßig Vorsitzender der ARD. Zwei Jahre, in denen nicht nur in der Politik, sondern auch in der ARD wichtige Weichen gestellt werden sollen. Horst Seehofer und Markus Söder werden sich denken: Zum Glück hat ein Bayer das Sagen.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern kriselt es in diesen Monaten bedenklich, die Zukunft ist sogar ein bisschen ungewiss, denn immer mehr Kritiker fordern, dass die Zwangszahlung Rundfunkgebühr wegfallen soll und sich auch ARD und ZDF allein mit Werbeeinnahmen dem Wettbewerb der Privaten stellen sollen. Doch noch hält die Mehrheit davon nichts, wie übrigens der Grantler auch. Nur sollten die öffentlich-rechtlichen Sender ihrem Bildungsauftrag besser nachkommen und nicht nur nach den Quoten schielen. Andererseits können auch nur die Rundfunkgebühren dafür sorgen, dass sich ARD und ZDF populäre Rechte sichern können, wie Fußball-Großereignisse oder eben Olympische Spiele. Den Zugriff auf Olympia haben sie auch nur als Zweitrechteverwerter erhalten, was zeigt, wie schwierig das Geschäft ist. Wer mosert, dass man für Sport nicht so viel Geld ausgeben soll, der übersieht, dass großer Sport die höchsten Einschaltquoten hat, also das größte Interesse bei der Bevölkerung. Die Bundesregierung hat Sport sogar als „Grundversorgung“ eingestuft und so dafür gesorgt, dass Spitzensport im Free-TV zu sehen sein muss.

Deutschland hat durch die Rundfunkgebühr und die öffentlich-rechtlichen Sender noch ein ganz anderes Fernsehsystem als die meisten anderen Länder – und das ist gut so. Würde es nämlich die totale Privatisierung geben, würde Fernsehen für Otto Normalverbraucher wesentlich teurer. Auch wenn wir oft schimpfen, wir dürfen andererseits schon froh sein, dass wir ARD und ZDF haben. Mit freudiger Miene werden wir dennoch nicht zahlen.

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Apropos Geld, die nächste Gebührenerhöhung steht bevor, sie wird 2021 fällig, aber schon heute wird diskutiert und werden die Forderungen gestellt, dass die Rundfunkanstalten dringend mehr Geld brauchen. Dass diese Notwendigkeit besteht, zeigen die Fernsehanstalten allein schon durch Wiederholungen, die sie mit Sparmaßnahmen rechtfertigen. Die ARD sollte allerdings im Zuge des Sparens auch endlich die großen Aufgaben angehen, nämlich verschiedene Rundfunkanstalten zusammenlegen, denn nicht jedes Bundesland braucht seinen eigenen Sender. Das würde zwar Arbeitsplätze kosten, aber viel Geld sparen. Ob sich Ulrich Wilhelm da ran traut? Wahrscheinlich heißt es dann: Immer die Bayern.

Aber der BR-Intendant sollte in den zwei Jahren Duftnoten hinterlassen und die ARD auf Vordermann bringen. Lustig, dass der bayerische Vorsitz auch mit besonderen bayerischen Jubiläen 2018 zusammenfällt: 100 Jahre Freistaat Bayern und 200 Jahre bayerische Verfassung. Da haben dann auch Ministerpräsident Horst Seehofer und sein designierter Nachfolger Markus Söder das Sagen und das wird ihnen gefallen.

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