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20.02.2015

Der Grantler: Gunst für die Kunst

 

In München ist Musik drin bei der Diskussion um die Musik, in Augsburg gibt es Theater um das Theater. Wie es nur sein kann, die Kunst kommt in die Schlagzeilen. Ansonsten fristet sie ein Schattendasein, Kunst tritt nur durch Skandale, zu hohen Gagen oder teure Neubauten ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Jetzt haben wir in Bayern ein Gezeter um gleich zwei teure Projekte. Die einen stellen sie in Frage, die anderen fordern sie unbedingt. Die Gunst vom Grantler gehört auf jeden Fall der Kunst. 

Der Fall München. Die Diskussion geht darum, ob die Stadt einen neuen Konzertsaal braucht oder die Philharmonie am Gasteig, bei der es offensichtlich akustische Probleme gibt, renoviert wird. Der „König von Bayern“, Ministerpräsident Horst Seehofer, hat offensichtlich im Einklang mit der Stadt München verfügt, dass es keinen neuen Konzertsaal geben werde, die Philharmonie wird auf Vordermann gebracht. Es verwundert, dass Horst Seehofer, dem oft die großen Lösungen vorschweben, hier die kleine Lösung sieht. Dabei braucht München noch einen Konzertsaal für die großen Orchester, nur so kann die Stadt weiterhin im Konzert der großen, weltweiten Musik mitspielen. München kleinbürgerlich und nicht großstädtisch? Dies sollten die Verantwortlichen noch einmal überdenken. 

Gedanken macht man sich auch in Augsburg um den Neubau des Stadttheaters. Das Gebäude ist marode, da sind sich zumindest alle einig. Aber eine Sanierung für 235 Millionen Euro, da stehen die Kritiker naturgemäß Schlange. Das kann und muss die Stadt Augsburg nicht alleine tragen, der Land, der Bezirk und auch die umliegenden Städte sollen ihren Teil beitragen. Aber teuer wird es für Augsburg immer. Kann sich das die Stadt leisten? Kleinbürgerlich denken auch hier die Kritiker, von denen einige sogar vorschlagen, ganz auf das Stadttheater zu verzichten. Sind die vom Hasenzuchtverein, wo man sagt, verzichten wir halt auf einen Stall? Für Augsburg geht es um Ausstrahlung, um eine Monopolstellung zumindest in Schwaben, um Anziehungskraft. Das Theater strahlt aus, zwar vielleicht nicht so wie der Fußball-Bundesligist FCA oder die Puppenkiste, aber die Hauptstadt Schwabens ohne Theater? Nein, das geht nicht. Man muss sich ein Theater leisten können, auch wenn man es sich eigentlich nicht leisten kann. So viel Griechenland muss in Augsburg sein! 

Gunst für die Kunst: Augsburg muss das Theater sanieren und muss sich zur Finanzierung halt ein paar Aktionen einfallen lassen. Auch die Gemeinden im Umland sollten helfen, wie das wohlhabende Gersthofen zum Beispiel. Das Theater in Augsburg ist schließlich nicht nur für die Augsburger da. 

Wer Zweifel hat, dem sei mit dem Dramatiker Friedrich Hebbel gesagt, „die Kunst ist das Gewissen der Menschheit“. Wollen alle mit einem schlechten Gewissen herumrennen? Wir brauchen die Kunst, so wie es der Maler Pablo Picasso sieht: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“.

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