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06.10.2017

Der Grantler: Willkür bei ARD und ZDF

Das Internet mit all seinen Begleiterscheinungen ist zwar sicherlich die Zukunft, aber noch ist Fernsehen der Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung. Viele meinen, eine sehr teurer, allerdings vergessen sie, dass die 17,50 Euro Rundfunkgebühr für den Monat weitaus billiger sind, als das, was in anderen Länder für das Bezahlfernsehen bezahlt werden muss. Die Fernsehlandschaft ist jedoch im Umbruch und ARD und ZDF müssen aufpassen, nicht abgehängt zu werden. Zudem sind sie zu Einsparungen verpflichtet. Dazu kommt, dass der Zuschauer kaum den Eindruck hat, dass ARD und ZDF sich um ihn bemühen und ihrem Staatsauftrag für ein ausgewogenes Programm gerecht werden. Eher ist es so, dass die Willkür regiert und der Zuschauer der Dumme ist.

Wir wissen, es einem Jeden recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Allerdings schielen auch ARD und ZDF zu viel auf die Einschaltquoten in Konkurrenz zu den Privatkanälen. Das darf nicht die Richtlinie für das Programm sein. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bekommen die Gebühr, damit sie auf Werbung nicht angewiesen sind, also auch nicht auf hohe Zuschauerzahlen. Programme für Minderheiten muss man dennoch mit der Lupe suchen und der Sommer wird als Zeit der Wiederholungen verkauft, weil sowieso nicht so viele vor dem Fernseher sitzen. Nicht jeder fährt in Urlaub und nicht immer herrscht schönes Wetter für den Biergarten. Das ist eine Programmgestaltung, die am Zuschauer vorbei läuft.

ARD und ZDF dürfen sich freuen, dass renommierte Wissenschaftler festgestellt haben, „dass man sie erfinden müsse, wenn es sie nicht schon gäbe“. Allerdings fordern diese auch eine Abkehr von der Fixierung auf Einschaltquoten, also auch ein Programm für Minderheiten, zudem fordern sie, dass die Anstalten nicht von den Einsparmöglichkeiten getrieben sein dürften. Doch am Sparen führt kein Weg vorbei, 1,2 Milliarden Euro sollen es bis 2028 sein.

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren, man muss sie nur nutzen. Allerdings wird es die entscheidenden Veränderungen nicht geben, weil jeder um seine Pfründe bangt und kämpft. So wäre eine Zusammenlegung von Sendern schon lange fällig und würde wohl das größte Sparpotenzial bringen, allerdings auch Arbeitsstellen kosten. Darüber hinaus sind die vielen kleineren Nebensender sinnlos und verursachen Kosten, auch wenn sie meist Wiederholungen abspielen. ARD und ZDF haben zudem selbst erkannt, dass ein großes Sparpotenzial in einer engeren Zusammenarbeit gegeben ist. Dies vor allem im Sport, weil bei Großveranstaltungen nicht jeder ein eigenes Studio bzw. eigene Technik benötigt. Überhaupt wundert sich der Grantler, dass bei verschiedenen bedeutenden Ereignissen ARD und ZDF getrennt zur gleichen Zeit auf Sendung gehen. Da reicht doch ein Kanal völlig aus und dem Zuschauer wäre mehr gedient, wenn er auf ein Alternativprogramm zurückgreifen könnte. ARD und ZDF aber könnten Personal sparen.

Besonderen Diskussionsstoff bietet immer der Sport. Auch dabei kommen ARD und ZDF ihrem Staatsauftrag nicht genügend nach, weil sie die weniger attraktiven Sportarten ignorieren. Zündstoff bieten wiederum die teuren Sport-Rechte, zum Beispiel im Fußball, die jedoch hohe Einschaltquoten garantieren. Dabei sollten allerdings auch die Sportverbände erkennen, dass sie bei ARD und ZDF qualitativ besser aufgehoben sind und höhere Zuschauerzahlen einfahren können als bei den Privatsendern. Aber wer am meisten zahlt, erhält die Rechte, so hat das ZDF ab der Saison 2018/19 auch die Rechte für die Champions League verloren. Einsparmöglichkeiten ergeben sich aber auch, wenn man auf die sogenannten Experten verzichten würde. Sie kassieren für dummes Geschwätz teilweise horrende Summen.

Wie auch immer, gerade ARD und ZDF müssen sich von den Privatsendern unterscheiden und dürfen nicht jedem Trend hinterherlaufen. Sie müssen die Zuschauer aller Interessensgebiete im Auge haben. So war es zum Beispiel vollkommen unangebracht, den erfolgreichen „Musikantenstadl“ abzusetzen, nur weil er vielen Kritikern zu trivial war. Das war ein Beispiel für die Willkür von ARD und ZDF, die auf die Wünsche der Zuschauer keine Rücksicht nehmen.

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