09.06.2015

Eisenmänner müssen hart sein

Wer ein Ironman werden will, der muss hart sein. Das gilt im wahrsten Sinne des Wortes. Schlaffis haben bei diesem Wettkampf nichts zu suchen. Spaß beiseite. Man kann nur ein guter Triathlet werden, wenn die Muskulatur gut trainiert ist. Dazu braucht man keine dicken Muckis wie die Pumper im Fitnessstudio, die nach jedem Satz im Spiegel überprüfen, ob der Bizeps ein Stückchen mehr gewachsen ist, oder so dicke Oberschenkel wie die Bahnradfahrer, die vor Muskeln kaum noch laufen können. Es geht hauptsächlich darum, dass der Mittelpunkt des Körpers, der sogenannte Core (dt. Mittelpunkt) ausreichend gestärkt ist. Nur wer eine gut ausgebildete Rumpfmuskulatur hat, der:

  • liegt gut im Wasser und kommt mit guter Körperspannung bei weitaus geringerem Krafteinsatz schneller voran als der mit der schlechteren Wasserlage. Dessen Arme werden schnell so schwer wie Blei und der verliert automatisch an Geschwindigkeit.
  • hat genügend Kraft, um die beim Radfahren energiesparende Position auf dem Aero-Lenker zu halten und sitzt angenehmer.
  • kann beim Laufen seine Energie optimal auf die Strecke bringen. Ein stabiler Körper kann längere Schritte machen und mehr Tempo machen als ein instabiler.

Meine Rumpfmuskulatur war bis vor einigen Monaten ungefähr so stabil wie eine Fichte, die sich bei Orkan „Niklas“ gegen das Umfallen wehren musste. Wenn man im Grunde drei Sportarten (Schwimmen, Radfahren und Laufen) trainiert, hat man genügend zu tun. Deshalb kam meine Erkenntnis, regelmäßig etwas für die Rumpfstabilität zu tun, recht spät. Mit einem schlecht ausgeheilten Muskelfaserriss aus einem Fußballspiel im vergangenen Sommer und einer schweren Sprunggelenkverletzung – natürlich auch vom Fußball (wo sonst?) – und vielen Sorgen über nicht besser werdende Schwimmzeiten wandte ich mich Anfang des Jahres vertrauensvoll an Sven Kresin. Der Trainer der Landsberger Bayernliga-Fußballer und ich kennen uns dienstlich schon seit mehreren Jahren. Als ehemaliger Fußball-Profi hat er nach der aktiven Karriere das Lager gewechselt und ist als Personal Trainer erfolgreich.
Seit einigen Monaten betreut er mich. Zweimal die Woche steht Training mit Kettlebell, Schlingentrainer, Medizinball und anderem Zubehör auf dem Programm – mit eben allem, was zum Functional Training dazugehört. Und seitdem arbeiten wir an meinen körperlichen Baustellen, die da wären: zu schwacher Rumpf, halbwegs kräftige, aber zu unbewegliche Hüften und Schultern, die etwas mehr Kraft vertragen könnten. Hinzu kommt mein hinterer, linker Oberschenkel, in dem ich die Nachwirkungen des Faserrisses nach wie vor an manchen Tagen spüre.
Die Trainingseinheit an diesem Dienstag verspricht Schweiß, zitternde Arme und Beine – und auch jede Menge Spaß. Aber erst nach einem gemeinsamen Aufwärmprogramm, bei dem der Körper von Kopf bis Fuß mobilisiert und auf Betriebstemperatur gebracht wird. Eine bunte Mannschaft von Kettlebells steht auf dem Programm. Die kugelförmigen Hanteln sehen etwas martialisch aus. Aber wer sie regelmäßig in die Hand nimmt, merkt schnell Fortschritte. Zuerst ist Kreuzheben angesagt. Vor einigen Wochen habe ich das noch mit der blauen Kettlebell, einer der leichtesten aus Svens Sortiment, gemacht und musste dabei schon kräftig ächzen. Mittlerweile ziehe ich die schwarze mit ihrem Gewicht von 32 Kilo in die Höhe und möchte insgeheim mehr als sechs Wiederholungen machen. Aber ich weiß: Sven hat heut noch einiges mit mir vor. Als nächstes kommt der Medizinball dran. Mit richtig viel Kraft schleudere ich Sven die schwarze Kugel entgegen, mache zwei tiefe Wechselsprünge und fange sie wieder auf. Immer wenn der Medizinball zum Einsatz kommt, muss ich an Felix „Quälix“ Magath denken. Und dann wird mir klar, warum Svens Mannschaft zu einer der fittesten in der Bayernliga zählt. Zwischendurch muss ich die Kettlebell schwingen. Und wenig später stecken meine Füße im Schlingentrainer, während ich mich in der Liegestützposition befinde und unzählige Male die Beine in Richtung Brust ziehe, während der Schweiß auf die Trainingsmatte tropft. Das war’s. Danach gibt es noch eine Behandlung für die Muskulatur, denn abends steht eine harte Laufeinheit auf dem Programm.
Nach 14 Wochen gemeinsamen Trainingswochen hat mich Sven Kresin nicht nur richtig fit gemacht, sondern mir viel über Trainingssteuerung, Anatomie und Regeneration, aber auch über Ernährung beigebracht. Wenn ich den Ironman schaffe, dann werde ich abends im Ziel an meinen persönlichen Quälix, äh Personal Trainer, denken und ein Bier auf ihn trinken.

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