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24.11.2014

Ars Dilettanti: Entdeckungsreise durch die Grottenau

Kunst ist ein Fluchtwort. Bei dem Thema steht man schnell einmal alleine da. Doch nicht in Augsburg, nicht an diesem Wochenende. Da frönten rund 2500 Besucher gemeinsam der Kunst. Denn da wurde treppauf, treppab, in Fluren und Zimmern der Grottenau-Post darüber gesprochen. Über den Wal, der samt einer Wasser-Fontäne, die fröhlich vor sich hin blubberte, an die Wand projiziert wurde. „Da bläst er“ war auf einem Schild zu lesen, die Flosse, die auf verschiedenen Bildern hervorlugte, hatte genauso ihre Fans, wie ein paar Türen weiter das in seine Handys vertiefte Paar aus Stahl, Stroh und Lehm von Sara Opic. Treppauf, vorbei an den bunten Schnüren von Daniel Man, die sich das Treppenhaus hinauf rankten, gab es im nächsten Stock die nächsten Eindrücke.


Ich treffe überall Leute, die gerade hoch- oder runtergehen, an einem Fleck gestrandet oder gerade auf dem Sprung sind. Immer die Frage auf den Lippen: Was gefällt dir am Besten? Alles ist im Überschwang der Besucher zu hören, insbesondere aber oftmals Christofer Kochs, der die Augsburger und mich mit seinen Werken begeistert. Es ist wie ein vorgezogener Adventskalender. Hinter jeder Tür verbirgt sich eine Überraschung, die es zu entdecken gilt. Oft blicke ich aber auch aus dem Fenster. Entweder mein Blick fällt auf die beeindruckende „Golden Tube“ von Stefan Becker-Schmitz, die den überdachten Innenhof füllt, oder ich genieße den Ausblick auf Theater und Dom und das Treiben vor der Grottenau-Post.


So arbeitet ich mich langsam voran: Ich verfolge den Film des gebürtigen Augsburgers Roland Rauschmeier, der inzwischen in Wien lebt und Oskars Schlemmers „Triadisches Ballett“ kurzum in einem Baumarkt inszeniert hat. Die Balletttänzer tragen, was der Markt hergibt. Manche tragen dagegen relativ wenig, wie ich feststelle, als ich den zweiten Aufgang zur Panoramabar hinaufgehe. In diesem Treppenhaus riecht es nach Chlor. Almut Reichenbach hat dort Schwimmbad-Atmosphäre inszeniert, ich hörte Stimmengewirr aus verschiedenen Bädern, als ich die Treppen neben der blau gekachelten Wand hinaufgehe und nach knapp zwei Stunden das Herzstück betrete. Die ehemalige Kantine der Telekom ist eine Party-Location par excellence.
Die fünf Augsburger, die die viertägige unabhängige Kunstansammlung veranstalteten, haben nicht nur in der Auswahl der Künstler Händchen bewiesen, sondern auch erneut mit der kurzfristigen Bespielung eines zwischenzeitlich leer stehendes Gebäudes ein Zeichen gesetzt. Das kommt an – genauso beim Studenten wie bei den Senioren, die sich die Ausstellung nicht entgehen lassen.


Zu den Klängen von DJ Manuel Schill lassen schließlich zu späterer Stunde die Gäste den Aufstieg nochmals Revue passieren und blicken auf den Vorhang von Thomas Thiede. Darauf sieht man von hinten einen Mann mit heruntergelassener Hose von einem Felsen blicken. „Ganz klar eine Anspielung auf Caspar David Friedrichs“, sagt meine Begleitung. Genug Gesprächsstoff für den restlichen Abend.

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