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24.08.2011

Der Augsburger Süden, wo es grünt und blüht

Ich möchte mit niemandem darüber wetten. Ich muss die Sonne über Haunstetten retten. (Anajo)

„Die Sonne über Haunstetten“, das Lied geht mir schon den ganzen Morgen nicht aus dem Kopf, als ich mit der Linie 2 nach Haunstetten Nord aufbreche. Eins ist klar: Auch an diesem Tag braucht die Sonne meine Hilfe nicht. Sie scheint unverdrossen vom Himmel. Ich beginne meine Wanderung an der Haunstetter Straße und kaufe mir erst einmal eine Breze bei der Bäckerei Brem, eine Institution im südlichen Augsburger Stadtteil. Es riecht nach Backstube, in der Auslage warten ein Zwetschgendatschi mit dicken Streuseln und große Spitzbuben mit leuchtender roter Marmelade auf Käufer. Seit 1935 gibt es die Bäckerei. Josef Brem hat sie von seinem Vater übernommen und inzwischen an seinen Sohn übergeben. „Aber der ist gerade im Urlaub. Deshalb springe ich ein“ , so der 72-Jährige. „800 bis 900 Brezen machen wir am Tag“, sagt er nicht ohne Stolz. Abnehmer sind die umliegenden Firmen, unter anderem auch das Umweltamt.


Das ist mein nächstes Ziel. Im Zickzack laufe ich durch das Wohngebiet, von der Hötzelstraße in den Leisenmahd. Jedes Haus sieht anders aus, doch eines haben sie alle gemeinsam: die gepflegten Gärten. Ob ein Blumenkübel mit Geranien am Eingang, kunstvoll zugeschnittene Buchsbäume im Vorgarten, hier eine grinsende Holzfigur, dort ein Engel aus Ton, dazwischen ausladende Büsche oder Obstbäume. „Sie haben aber einen schönen Garten“, rufe ich einer Familie über den Zaun zu. Zwei Minuten später sitze ich auf der Terrasse von Familie Hornung. Margit Hornung serviert einen Kaffee, ihr Mann, Günter Hornung erzählt, wie sie das Haus 1990 gebaut, die Grünflächen und Beete nach und nach bepflanzt haben. Ein Apfelbaum ist sein ganzer Stolz. Er hat ihn selber veredelt, seither trägt er drei verschiedene Sorten. „Wir fühlen uns in Haun-stetten sehr wohl. Es ist ein idyllischer Stadtteil“, sagt der Rentner.

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Von den Hornungs ist es nur noch ein Steinwurf bis zum Bayerischen Landesamt für Umwelt. Seit 1999 arbeiten dort über 900 Mitarbeiter in verschiedenen Berufen. Das Amt unterhält 9000 Mess- und Beobachtungsstationen in ganz Bayern. Werte für unter anderem Ozon, Feinstaub oder Radioaktivität werden auch auf dem Dach des Amts gemessen. Gestern Nachmittag wird beinahe der Ozon-Grenzwert überschritten. „Heute kann es wieder dazu kommen. Ältere und empfindliche Menschen sollten dann in den Nachmittagsstunden anstrengende körperliche Tätigkeiten meiden“, so Regierungsdirektorin Sandra Brandt.


Ich nehme mir diesen Ratschlag zu herzen und halte es an der Kletterwand des DAV an der Sportanlage Süd genau zwei Minuten aus. „ Mach schnell Anne“, rufe ich der Fotografin zu. Das Klettern ist gar nicht so einfach. Da kann Ingetraut Heinrich nur lachen. Die Göggingerin ist mit 49 Jahren das erste Mal an die Kletterwand gegangen. Das ist zweieinhalb Jahre her. Heute vergnügt sie sich gut und gerne drei Stun-den an den verschiedenen Routen der DAV-Halle.


Was andere klettern, wandere ich. Im Siebentischwald ist es ruhig. Ein paar Jogger und einige Radler kreuzen meinen Weg. So macht Arbeiten Spaß. Ich beobachte Zitronenfalter auf einer Wiese, die Grillzone ist aufgeräumt, stelle ich fest, kein Fitzelchen Müll lässt sich auf ihr entdecken. Nach einer Rast im Parkhäusl-Biergarten passiere ich den Minigolf-Platz. Für mich ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, Kindheitserinnerungen werden wach. Doch für ein Spiel bleibt keine Zeit, ich muss wieder kommen. In dem Moment muss ich aber vor allem eins. Weitergehen. Mein Ziel habe ich bereits vor Augen: den Botanischen Garten.


60 bis 70 Prozent des Arbeitstages verbringen die Gärtner dort derzeit mit Gießen. „Wir fangen schon um sechs Uhr damit an. Generell sollten Pflanzen bei der Hitze morgens oder abends gegossen werden“, sagt Gartenmeister Ernst Klebrig. Und wenn sich die Blätter der Kübelpflanzen bei Hitze einrollen, dann heiße es nicht, dass sie noch mehr Wasser bräuchten. „Dann sind sie einfach ozonschlapp“, sagt er.


Damit seine Mitarbeiter nicht schlappmachen, wird die Arbeit nachmittags in den Schatten verlagert. „Dann wird Unkraut gejätet.“ Einen Strohhut tragen ist dabei Pflicht. Und es gibt noch andere Abkühlungen: Gerade hat er ihnen ein Eis ausgegeben. Sommer kann so schön sein.

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