08.08.2011

Der FCA, der Wahnsinn und das 11er

Elf Wochen ist eine lange Zeit. Vor allem wenn sich in diesen elf Wochen alles verändert hat. Es ist nur eine Zahl. Der FC Augsburg spielt nicht mehr in der 2., sondern in der 1. Liga. Und doch ist es natürlich viel mehr.


In diesen Tagen hatte ich das Gefühl, Augsburg ist nahe des Wahnsinns und ich mittendrin. Freitagabend gehe ich in die Fußballkneipe „11er“ in der Dominikanergasse. Dortmund eröffnet die Bundesliga-Saison gegen den HSV. Der Laden ist voll. Zahlreiche BVB-Fans haben sich wohl schon frühzeitig in voller Fan-Montur einen Platz gesichert. Ich frage mich, wo die alle herkommen, ergattere gerade noch einen Sitzplatz auf der Heizung. Die Raucher stehen auf dem Gehsteig, blicken von außen durch die Fenster auf den Bildschirm.


Die Kneipe ist beliebt. Hier kommt bei Spiel-Übertragungen niemand um gute Gespräche zu führen oder am Sprizz zu schlürfen. Der steht zwar auf der Karte, dennoch liegt an diesem Abend die Bier-Quote bei über 90 Prozent. Es dreht sich alles nur um eins: um den Ball.

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Das „11er“ ist nicht besonders groß, drei Flachbildschirme hängen an verschiedenen Wänden – während des Spiels teilt sich die Menge. Drei Gruppen sehen in drei verschiedene Richtungen, dennoch sehen alle dasselbe. Ein unglaubliches Spiel der Dortmunder. Ich lenke mich mit dem Tagesgericht ab. Auch wenn ich langsam esse, mein Blick im Teller Chili con Carne versinkt, ich halb von der Heizung rutsche und so fast hinter dem Tisch-Kicker verschwinde, sehe ich noch genug von dieser Demonstration der Schwarz-Gelben. Mir wird schlecht. Das liegt nicht am Essen. Vor meinem inneren Auge sehe ich den FC Augsburg gegen Dortmund spielen. Ein schrecklicher Film läuft in meinen Gedanken ab: Nach 30 Minuten bekommen die ersten Augsburger Krämpfe, liegen am Boden, die Abwehr wird einfach überrannt, mühelos ausgespielt, das Ergebnis ist desaströs.


Meine Laune ist nach dem Spiel im Eimer, ich will sofort gehen. Ich komme nicht weit. Im „Centro“ in der Maximilianstraße muss ich mir einen Absacker genehmigen, um diese Demonstration zu verdauen.


Einen Tag später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Der FCA zeigt, dass er erstligareif ist. Zumindest gegen Freiburg. Mit dem Spiel und dem Ergebnis des FCA bin ich total zufrieden. Beschwingt gehe ich auf eine Geburtstagsparty. Ein Gast sitzt mit einem Knopf im Ohr im Garten. „Nimm doch das Ding raus“, mahnt ihn seine Freundin. Das Ding bleibt drin. Hertha spielt gegen den Club. Irgendwann zieht der Berliner doch den Kopfhörer aus seinem Ohr. Hertha hat verloren. „Jetzt gehen wir nach Hause“, sagt er zwar im Spaß, aber dennoch gefrustet. Freude und Leid liegen beim Fußball einfach nah beieinander.

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