15.04.2013

Enzo - eine Perle Pfersees

Ich finde, es hat was von Berlin, wenn es dunkel ist, ich drinnen bei Enzo vor der großen Frontscheibe sitze und draußen den B3-Bus vorbeifahren sehe. Jeder hat so seinen Lieblingsitaliener, der eine ach so tolle Karte, einen ach so tollen Fisch und eine ach so tolle Weinauswahl hat. Ich habe Enzo und der ist bei mir um die Ecke. Das ist eigentlich viel mehr.


Denn wenn ich mich also von diesem spektakulären Ausblick in der sonst zugegebenermaßen etwas tristen Pferseer Straße gelöst habe und mich dem Innenleben des kleinen Lokals widme, blicke ich meist schon in das breite Grinsen des Gastgebers Enzo. Hier heißt die Devise: Wenig ist viel. Und damit ist nicht die Einrichtung gemeint, denn da hat das farbenfreudige Herz des Italieners wohl Purzelbäume geschlagen. Neben verschiedenen Sitzgelegenheiten in allen Farben des Regenbogens fällt der Blick auf ein überdimensionales Bild. Eine Küstenlandschaft mit einem Meer in Azzurro, das dem Blau des Trikots der italienischen Nationalmannschaft den Rang abläuft. Wer also nicht gerade das Einheitsgrau der Pferseer Straße und den B3-Bus im Augenwinkel vorbeifahren sieht, wähnt sich bei dem Anblick schon fast im Italienurlaub…


Und kann auf so engem Raum noch viel mehr entdecken: etwa einen Abfalleimer, dessen Schwingkopf das Haupt eines Löwens darstellt. Mit seinem Lokal hat Enzo sich einen Traum verwirklicht. Viele kennen ihn noch aus dem Centro vom Moritzplatz, wo er jahrelang gearbeitet hat. Nun bietet er zwar wenig an, nämlich Pizza, Salat und Eis, aber das schmeckt. Wer nach Wein fragt, dem hält er zwei Flaschen entgegen. Das ist dann nicht die ach so große Karte, aber es erleichtert die Auswahl ungemein. Meine Nachbarn müssen im Italienurlaub immer an Enzos Pizza und Eis denken. Ich führe Frank, einen Freund aus München, in die Perle Pfersees. Ob er nicht auch findet, dass das ein Gefühl wie in Berlin ist?


„Eher wie Hamburg, weil so angenehm schnörkellos und unaufgeregt“, meint er. Vielleicht liegt das Geheimnis an der selbstbewussten Art Enzos, das anzubieten, was er will, nicht mehr, nicht weniger. Und das in einem Umfeld, das ihm gefällt. Das hat vielleicht etwas Großstädtisches. Ob Berlin oder Hamburg ist da vollkommen egal. Das kann Augsburg genauso.

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