04.11.2013

Kataströphchen an Halloween

Es war nicht ein Appläuschen, sondern schon ein ohrenbetäubendes Donnergrollen, das sich über die Brechtbühne entlud. Horst Thieme ist dort mit seinem Poetry-Slam eingezogen und hat an Halloween alles in Bewegung gesetzt, was in Augsburg einen Draht zum gepflegten Wortwitz hat. 15 Jahre dauert die Beziehung schon zwischen Horst Thieme, seinen Wortakrobaten und den Zuschauern. Eingeschlafen war die Beziehung nie. Vielleicht etwas erkaltet zu der ehemaligen Herberge, der Kresslesmühle, die eines ihrer Zugpferde einfach so ziehen ließ.


So begann also am vergangenen Donnerstag der zweite Frühling dieser Erfolgsgeschichte. Und sie legte noch einen drauf. Irgendwie machte es in der Brechtbühne mehr Spaß. Vor der Veranstaltung tummelten sich die Zuschauer im Eingangsbereich, jeder war zu einem Scherzchen aufgelegt, kam schon vor der eigentlichen Veranstaltung in Stimmung. Auf der Brechtbühne wurden die Zuschauer dann eins, standen vor dem Slammer wie eine Wand und entschieden mit ihrem Beifall über das Weiterkommen. Hut ab vor jedem, der hier vorträgt, dachte ich mir.


Es waren knapp 100 Zuschauer mehr als in der Kresslesmühle, der Slam war seit Tagen ausverkauft. Eigentlich kein Sensatiönchen, wenn man bedenkt, wie beliebt das Wortgefecht bei den Augsburgern ist. Aber vielleicht hätte es Teilnehmer Michael Friedrichs so genannt. Er betrachtete in seinem Vortrag den Diminutiv: die Verkleinerungsform, die es für so manches Wort im deutschen Sprachgebrauch gibt und für manches nicht, und die mir seither nicht mehr aus dem Kopf will. Seit Donnerstag verkleinere ich also vor mich hin: Das Schokolädchen, das Geschenkchen oder das alles entscheidende Törchen kreuzten meine Wege.


Doch eins ist klar: Der Slam geht nur als Superlativ. Getoppt wurde der Slam in dieser Nacht nur durch den eigentlichen Wahnsinn an Halloween, der mir offenbar in den vergangenen Jahren verborgen blieb. Um zwei Uhr nachts, als die meisten Lokale aufgrund des stillen Feiertages schlossen, machten sich offenbar alle gleichzeitig auf den Weg zum Arkadas, dem Döner-Laden in der Maximilianstraße. Dort standen nicht in Zweier-, sondern in Zehnerreihen aufgestylte junge Damen und Männer, neben geschminkten Zombies und blutverschmierten Leichen. Süßes oder Saures gab es nicht, Döner sollte es für alle sein. Und das hieß anstehen, quetschen und vor allem warten. Das war aber noch nicht das Erkenntnischen. An ein Taxi war nicht zu denken. Erst gegen 3 Uhr ließ sich eins am Predigerberg anhalten und der Taxi-Fahrer bestätigte, was ich mir dachte. „Halloween ist inzwischen schlimmer als Silvester.“ Ein Kataströphchen.

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