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30.10.2011

Keine zahnlosen Panther

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und so muss es kommen, wie es kommen muss. Viel zu spät mache ich mich von der Arbeit aus auf den Weg. Mein Ziel: das Curt-Frenzel-Stadion. Hell erleuchtet ist das Stadion, als ich den Hügel bei der Gesundbrunnenstraße hinuntereile, die Fans rufen bereits die Namen die Panther-Spieler. Es ist laut, lauter als beim FCA denke ich und lege nochmals einen Gang zu. Drei Minuten vor Anpfiff betrete ich die Baustelle. Irgendwie ein komisches Gefühl: Ein Teil ist mir aus Jugendjahren so vertraut, ein Teil vollkommen neu. Nackter Beton trifft im oberen Bereich auf noch nicht fertige Essensstände.


Das Aussehen ist aber unwichtig. Ich will einen Platz. Platz? Fehlanzeige. Jeder Stehplatz ist besetzt, eine Menschenkette hinter den obersten Reihen zieht sich durch das Rund. Sich hinter den Fans einreihen ist mit meinen 1,66 Metern – das steht zumindest im Ausweis – zwecklos. Bleibt ein minimaler Fleck seitlich eines Aufgangs – ein nicht ausgewiesener Stehplatz – wie mich der eigentlich freundliche Ordner, der mit die Sicht auf das zweite Tor versperrt, aufklärt.


Dafür ist die Sicht auf das Tor vor der Augsburger Fankurve umso besser. Anpfiff. Es ist spannend, und das von der ersten Minute an. Schnell geht es hin und her. Die keineswegs zahnlosen Panther sind gegen den Erstplatzierten, die Mannheimer Adler, am Drücker, halten sie in Schach. Die Spannung ist förmlich spürbar und dennoch gibt es so viel zu sehen, dass ich dem Spiel nicht immer folgen kann. Selbst gestrickte Schals und Pullis in rot-grün-weiß verzücken mich, aber auch Flaschenträger, die mich an meine Kindheit erinnern. Während ich damit jahrelange Getränke aus dem Keller transportierte, dienen sie hier als Tablett für sechs Helle. Kein schnöder Papp also, sondern Retro-Plastik. Mir gefällt das Lachen aus Michael Jacksons Lied „Thriller“, dass einen Adler-Spieler auf die Bank begleitet. Sehr schön. Hier steckt viel Liebe im Detail. Im zweiten Drittel und zwei Kinderpunsch später spricht mich der zweite AEV-Fan an. „Mädle, warum stehsch denn da? Da siegsch doch nichts.“


Dieser Platz hat sein Gutes. Der AEV-Fan ist aufgeschlossen, lerne ich, noch dazu steht er absolut hinter seinem Team. Den Adlern stutzen die Panther ganz schön die Flügel, lassen kaum Chancen zu, nutzen die eigenen aber leider auch nicht. Optimistisch einen Heimsieg mitzuerleben erkläre ich in der zweiten Pause dem dritten AEV-Fan, warum ich ausgerechnet dort stehe und beobachte die Eismaschine. Mit vier Jahren stand ich das erste Mal auf dem Eis, kein anderes Fahrzeug hat mich seither mehr fasziniert, als dieses Kastenfahrzeug, dass aus dem zerkratzen Eis wieder eine leuchtende Oberfläche zaubert. Wie gern würde ich die Eismaschine einmal selber fahren, denke ich mir noch, als das letzte Drittel beginnt. Die Augsburger können noch dagegen halten. Irgendwann ist es mit der Gegenwehr vorbei. Die Tore der Adler sehe ich von meinem nicht ausgewiesenen Stehplatz glücklicherweise nicht. Die wahren Sieger sind an diesem Abend für mich ohnehin die Panther. Ich komme wieder. Das nächste Mal aber sicherlich früher.

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