26.02.2015

Mozartkugeln an Kabelbindern?

In der Woche vor der Oscar-Verleihung gehe ich besonders oft ins Kino. Das hat meistens – also nicht immer – den Grund, dass ich mir noch all die interessanten Filme ansehen will, die für einen Oscar nominiert sind. Vergangene Woche war ich also an drei Abenden hintereinander im Kinodreieck. Einmal sah ich mir im Savoy den argentinischen Beitrag „Wild Tales“ für die Kategorie „Bester ausländischer Film“ an. Der Zusatz „Jeder dreht mal durch“ hatte mich besonders angesprochen. Schließlich muss nicht einmal viel passieren, damit ich durchdrehen könnte. Allerdings nicht so wie in diesem Film, stelle ich fest. Schließlich lade ich nicht alle meine „Feinde“ zu einem Freiflug ein, um schließlich ins Cockpit zu steigen und die Maschine zum Absturz zu bringen. Ich lasse auch nicht mein Auto explodieren, nur weil ich schon wieder abgeschleppt wurde ... Solche Ideen sind selbst für mich nicht ganz alltagstauglich.

Bei „Birdman“, den ich mir am Dienstag im Thalia angeschaut habe, wusste ich sofort: Der wird von der Academy zum besten Film gewählt (muss, muss, muss!) – und siehe da: Er hat’s geschafft.

Beim dritten Film, nun ja, den ich mir am Mittwoch im Thalia ansah, handelte es sich um keinen Film mit Oscar-Nominierung. Ich bin mir auch nicht sicher, ob er jemals für einen Oscar nominiert wird, und wenn doch, für welche Kategorie? Es ist ein Film, den Frauen (meist in Gruppen) jeglichen Alters besuchen. Zwei Männer verirrten sich in den Saal (oder wurden gezwungen?). Ich war ebenfalls in einer Gruppe unterwegs. „Nenne aber bloß keine Namen“, wurde mir eindringlich eingehämmert. Dafür erhielt ich eine Mozartkugel, die an einem Kabelbinder baumelte. Sie ahnen es: In „50 Shades of Grey“ geht es um einen Milliardär, der sich eine Studentin angelt und besondere Vorlieben im Bett hat. Für die Geschichte bekommt der Film schon mal keinen Oscar, so viel steht fest, die Handlung ist ungefähr so seicht wie der Stempflesee. Aber etwas schaffte der Film: Ich habe schon lange nicht mehr so viel im Kino gelacht. Das war von den Machern wahrscheinlich nicht beabsichtigt, aber selten war ich in einem Film, in dem schamlos so viel gekichert, geratscht und gelacht wurde und der im Anschluss für so viel Gesprächsstoff sorgte. Dafür nominiere ich ihn in der Kategorie „Beste Nebeneffekte“.

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