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06.07.2015

Wenn im Kino der Film zur Nebensache wird

Mit dem Freiluftkino ist es immer so eine Sache. Die meistdiskutierte Frage vorab ist nicht etwa die des Programms. Die hat sich schnell erledigt. Denn es stehen an einem Abend zwei Filme zur Auswahl, es gibt also den einen oder den anderen oder eben gar keinen, wenn einem die beiden Streifen überhaupt nicht zusagen.


Meine Freundin und ich mussten nicht lange überlegen. Wir wählten: Kino 2. Aber darum geht es ja beim Lechflimmern nur so nebenbei, gerne wird von den Besuchern auch einmal ein Kompromiss in Kauf genommen, nur um dabei zu sein. Viel wichtiger ist das Drumherum. Also die tatsächlich meistdiskutierte Frage vorab: Was ziehe ich an und was nehme ich mit? Vergangene Woche habe ich den Sommer an dieser Stelle an seine Beständigkeit erinnert und er hat sich zugleich von seiner besten Seite gezeigt.


Von daher war diese Frage ebenfalls schnell ausdiskutiert. Die Antwort lautete kurz und knapp: wenig. So sahen es die vielen anderen Gäste wohl auch, die am Sonntagabend ins Familienbad strömten.
Es wurden keine Biwaks aufgebaut, wie sonst schon einmal zu unbeständigeren Zeiten. Es waren vielmehr die praktischen Gegenstände, die die Kinogänger im Freien nicht missen wollten: Etwa ihren eigenen Klappstuhl oder ihre Polstergarnitur, die sie unter den Arm geklemmt hatten, als sie das Plärrerbad betraten. Dass sich hier untertags tausende Freibadbesucher im Wasser und auf den Wiesen getummelt hatten, konnte man freilich nur noch vermuten. Es ging gemütlich zu.

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Für die heißen Temperaturen hatten meine Freundin und ich deshalb auch einen „leichten“ Film gewählt. „Die Gärtnerin von Versailles“, ein Frauenfilm, wie wir im kleinen Kino des Lechflimmerns feststellen.
Vornehmlich weibliche Gäste jeglichen Alters hatten sich für die Romanze, einen Kostümfilm um eine Landschaftsgärtnerin, die sich in ihren Chef verliebt und mit ihm den Park von Versailles fürden Sonnenkönig Ludwig XIV gestaltet, entschieden. Der Film plätscherte so vor sich hin – für mich war es an diesem Abend genau das Richtige. Die zwei jungen Frauen, die sich um ihre brautschleiertragende Freundin direkt hinter meinem Stuhl platziert hatten, fanden ihn offenbar nicht so spannend. Sie ratschten lieber. Es ging unter anderem um Thermomix-Rezepte. Vor dem Film durfte ich einer Begleiterin meinen Namen auf den Bauch schreiben und sie umarmen. Die Braut sei für diese Aufgabe zu schüchtern, wurde mir erzählt.


Der Mann neben mir, der seine Frau begleitete, fasste sich am Ende des Films ebenfalls kurz und knapp. „Süß“, beantwortet er ihre Frage, wie ihm der Film gefallen habe.
Ob er ihn nett fand, oder ob es ein vernichtendes Urteil war, konnte ich nicht heraushören. Aber wie gesagt, der Film ist im Freiluftkino ja sowieso zweitrangig.

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