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03.08.2015

Wo der Augsburger zur Stimmungskanone mutiert

Als Stimmungskanone ist der Augsburg nun nicht wirklich bekannt. Mal ein kurzes Klatschen, mal ein kleiner Jubel, passt scho! Damit ist ja unmissverständlich zum Ausdruck gebracht worden, dass es einem superwahnsinniggut gefällt. Nichts g’sagt ist g’lobt g’nug ist hier ein geflügelter Ausdruck.


Beim Festival der Kulturen ist das anders: Da wird der Augsburger aus seiner Deckung geholt. Es geht gar nicht anders. Die Musiker aus allen Ländern reißen einen mit – ob man will oder nicht. Doch keine Angst: Es geht behutsam zu.


Der erste Ausflug in eine andere Welt erfolgt meist an einem der vielen kulinarischen Versorgungsstände. Wer viel tanzen will, muss sich stärken. Mit viel Liebe kochen hier hier Vereine, wie Karman oder Home in a Bowl.
Wer dann schon einmal über den Annahof oder durch den stimmungsvollen Dekanatsgarten flaniert ist, die Freundin, den Arbeitskollegen, die Bekannte der Mutter, den Studenten aus dem Nachbarhaus begrüßt hat, wird schnell feststellen: Es ist vor allem ein Festival der Generationen, das hier stattfindet. Eines, das alle Augsburger anspricht, egal welchen Alters, egal welcher Herkunft. Es ist die Musik, die verbindet.
Bei Palo Santo, der lateinamerikanisches Feeling in den Annahof transportiert, wird schon einmal leicht mit der Hüfte gewackelt, das animierte Klatschen des Sängers „Und jetzt alle...“, versagt der Augsburger dann aber doch. Zumindest da noch. Hasst der Augsburger doch nichts soviel, wie zu einem gemeinschaftlichen Akt des Ausdrucks gedrängt zu werden. Doch schon bei den darauf folgenden Trommlern von Abavuki wird sogar der Refrain mitgesungen. Der Text vermischt sich im Annahof zwar zu einem zaghaften Nuscheln, der Willen ist aber deutlich erkennbar.
Am Samstag schließlich ist der Augsburger dann kaum mehr zu halten. Das liegt zum einem an der wunderbaren Musik von Vieux Farka Touré, der mit seinem Blues und seiner Stimme die Besucher in seinen Bann zieht. Vollkommen unaufgeregt, aber doch so schön. Das gibt Applaus, aber richtig.


Und ist genau der richtige Auftakt zum Finale. Viele Augsburger mit mazedonischen Wurzeln verteilen sich in den ersten Reihen, die Mutter wird im Rollstuhl vorgeschoben, das Kind auf dem Arm getragen. Schon beim Soundcheck der Balkan-Brass-Band „Dzambo Agusevi Orchestras“ aus ihrer Heimat, werden die Handys gezückt und Filme aufgenommen. Der Rhythmus liegt nicht nur den Blechbläsern im Blut. Auch deren Landsleute und schließlich auch die Augsburger geben sich der Musik hin und tanzen und klatschen wild im Takt. „Und jetzt alle...“ muss die Combo gar nicht mehr fordern. Der Annahof steht schon Kopf, in den vorderen Reihen genauso wie hinten. Animation hat der Augsburger gar nicht nötig...

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