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17.02.2011

Kritik "The Joneses" - ein Versuch der Moral über den Konsum

Sie sind die perfekte Familie: „Die Joneses“. Kate (Demi Moore) und Steve (David Duchovny) Jones und ihre beiden wohlerzogenen Kinder Jenn (Amber Heard) und Mick (Ben Hollingsworth) sind zu bewundern. Sie haben alles, was man sich nur wünschen kann. Jegliches moderne Gerät tummelt sich in ihrem phantastischen Haus, in das sie gerade erst gezogen sind. Die Autos sind brandneu, die Golfausrüstung vom Allerfeinsten. Steve scheint einfach auf der Sonnenseite des Lebens geboren zu sein und teilt dieses Glück mit seiner harmonischen Familie. Kein Wunder also, dass Nachbar Larry Symonds (Gary Cole) sofort neidisch auf seinen neuen Golf-Kumpel ist.

Wer wäre es beim Anblick auf sein Audi A4 Cabrio und die Figur seiner Frau nicht? Und genau das ist es, worauf die Familie Jones es abgesehen hat - die Begierde bei allen Menschen in ihrer Umgebung zu wecken. Denn Steve und Kate sind nur Geschäftspartner, die Kinder nur gecastet; es ist alles ein zerbrechlicher Schein, der das Ziel hat, den Konsum in diesem kleinen Ort voranzutreiben. Kate ist besessen davon, in ihrer „ Unit“ eine Stufe höher zu klettern, sehr zum Verdruss von Steve. Er wünscht sich nichts mehr, als dass seine Liebe zu seiner „Frau“ erwidert wird und der Traum von einer Familie nicht nur auf dem Niveau eines trockenes Arbeitsverhältnis bleibt. Er erhofft sich mehr...und bald erkennt er, dass der so harmlos begonnene Job eine üble Seite hat...

Regisseur Derrick Borte hat sich für seinen ersten Film ein gewichtiges Thema ausgesucht: den Konsumwahnsinn. Immer mehr werden Menschen getrieben, ihr Glück und ihre Erfüllung im Kauf von Sachgütern zu finden. Audi, Apple und Co. schaffen es exzellent, die Begierde der Käufer zu wecken, auch wenn sich viele das begehrte Stück überhaupt nicht leisten können. Stylisch wie die Stars zu sein, das ist oft alles, was einen Menschen noch antreibt. Luxus ist zwingend notwendig, um dazu zu gehören.

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Borte zeigt diese Entwicklung mit feiner Satire. Er versteht es, einen witzigen Plot abzufeiern, der durch die Rolle von Jenn auch noch ein bisschen Sexappeal abbekommt. Dabei vergisst er jedoch auch nicht, jegliches Klischee einer billigen Romanze wie „Forgetting Sarah Marshall“ oder was es momentan sonst noch so auf dem amerikanischen Schnulzen-Markt seit dem Aufstieg von Katherine Heigl gibt.

Es ist bezeichnend für den Film, dass Demi Moore sich dazu herabgelassen hat. Oder vielleicht anders gesagt: Es ist bezeichnend für den Stellenwert, den eine knapp 50-jährige Demi Moore mittlerweile in Hollywood hat. Zeiten, in denen sie als Madison Lee in „Charlie‘s Angels“ oder als Diana Murphy in „Ein unmoralisches Angebot“ über die Leinwand hüpfte, sind längst vorbei. Der Drift ins B-Movie-Lager ist wohl unausweichlich. Zur schauspielerischen Klasse kann man nicht viel sagen, denn die Rolle ist - wie bei solchen Filmen üblich - nicht sehr anspruchsvoll.

David Duchovny ist schon seit jeher ein Serien-Star. Er hat zwar auch in dem einen oder anderen Film mitgespielt, seine große Rolle hatte er jedoch selbstverständlich als Fox Mulder in „Akte X“ . Und auch in der grandiosen Serie „Californication“ spielt Duchovny den völlig durchgedrehten Schriftsteller Hank Moody wirklich erstklassig. In „Die Joneses“ gelingt es Duchovny als einziger so etwas wie Moral reinzubringen. Er zeigt auf, dass ein Leben mit Audi R8 auf Dauer auch nicht glücklicher macht, wenn man nicht die Liebe einer Familie jeden Tag spürt. Konsum kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass man eigentlich ein einsames Würstchen in der Welt ist.

Einen weiteren starken Part in Bortes Streifen spielt Gary Cole. Sein Zerfall, der sehr gut gezeichnet wird, ist authentisch. Weil er mithalten will, kauft er sich ebenfalls einen Audi A4 Cabrio. Doch da steht bei Steve schon der R8 vor der Tür - welch Niederlage...ein ungleicher Kampf der Männlichkeit.

Fazit:

„The Joneses“, der ab 25. Februar in Deutschland auf DVD zu bekommen ist, ist tatsächlich ein Film, der auf satirische Art versucht, eine gewisse Moral zu transportieren. Dennoch verliert er sich alsbald in einer zu klischeeartigen Liebesschnulze, dessen Ende sehr schnell vorherzusehen ist.

Wenn man schöne Konsumgüter sehen möchte, eine attraktive Amber Heard und gegen so einige witzige Sprüche und tragische Situationen auch nichts einzuwenden hat, dann ist „The Joneses“ ein erstklassiger Zeitvertreib. Und wer weiß, vielleicht bleibt ja auch etwas Moral bei einem hängen und man überzieht nicht wieder die Platin AmEx, um den Audi R8 beim Händler seines Vertrauens zu holen... Punkte: 6 von 10

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