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07.07.2010

Sebis Kino-Blog: "Zeiten ändern dich" - aber dieser Film ändert nichts!

Der weiße Rapper Eminem hat mit so vielen Dingen, die er angepackt hat, Maßstäbe gesetzt. Auch als Schauspieler hat er sich Ruhm und Ehre in dieser Zunft verdient, als er in [I]„8 Mile“[/I] von Curtis Hanson den heruntergekommenen Underground-Rapper Jimmy Smith spielte. Soundtrack (sowohl alte als auch neue Lieder), Story und schauspielerische Leistung - auch von Mekhi Phifer und Brittany Murphy - waren exzellent; jedenfalls in der Art und Weise, wie man es von einem solchen Film erwartet. Das Problem jedoch ist, dass viele Künstler versuchen, auf den Zug aufzuspringen und das Mikro mit dem Film-Set tauschen. Leider ist nicht jeder erfolgreiche Rapstar gleichzeitig ein großer Schauspieler. Dies muss wohl auch Bushido - mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi - anerkennen, der im von Bernd Eichinger produzierten Film [I]„Zeiten ändern dich“[/I] sein eigenes Leben Revue passieren lässt. Der Plot des Films ist schnell erzählt: Ein intensives Erlebnis (die Postkarte seines Vaters) weckt in dem sehr erfolgreichen Bushido Erinnerungen an seine verkorkste Jugend in Berlin > Migrationshintergrund > Vater schlägt ihn und Mutter und Bruder > Vater Säufer > Vater haut ab > wildes Leben auf den Straßen von Berlin > Opferrolle > tralalala. Der Film bedient so gut wie jedes Klischee, dass uns die ARD in sämtlichen sozialkritischen Filmen noch nicht beigebracht hat. DAS Zugpferd bei der ganzen Sache ist Bushido, der von seinen Fans vergöttert wird und deshalb unter Marketingaspekten wohl als beste Lösung erschien. Allerdings huldigt sich der Skandal-Rapper in diesem Film auch selbst. Er stellt sich stets als der Unverstandene dar, der gegen das System niemals eine Chance hatte und deswegen zu dem geworden ist, was man ihm lange Jahre vorwarf: ein Frauen verachtender Rüpel, der die Jugend mit obszönen Texten verdirbt. Doch auch dazu wurde Bushido hochstilisiert. Vielmehr ist wohl der Berliner ein kluger Geschäftsmann, der die Zeichen der Zeit erkannte und jeden Penny mitnimmt, den er irgendwo bekommen kann, auch wenn er sich damit in der Szene jegliche Anerkennung verdirbt. Doch mit Millionen im Gepäck interessiert das wohl kaum. Denn der Film [I]„Zeiten ändern dich“[/I] riecht einfach sehr nach schneller Geldmacherei. Die schauspielerische Leistung ist wohlwollend formuliert durchwachsen. Seine Erzählstimme wirkt mehr als hölzern; den besten Eindruck macht Bushido wenn er seine jungen Jahre skizziert, als er mit seinem besten Kumpel Fler zum Graffiti-Sprühen an den S-Bahnhof geht. Dann ist er in seinem Element. Ansonsten wirkt er wie ein Fremdkörper. Ansonsten spielt Elyas M‘Barek den jungen Anis so, wie man es aus seiner wohl bekanntesten Rolle aus [I]„Türkisch für Anfänger“[/I] kennt. Auch Moritz Bleibtreu als Bushido-Retter Arafat Abou-Chaker versteht es selbstverständlich, seine nicht wirklich anspruchsvolle Rolle als böser Gangboss auszufüllen. Anders sieht es da mit der Besetzung von Hannelore Elsner als Mutter von Anis/Bushido aus. Überaus gekünstelt versucht sie, die Tragik in die Rolle zu bekommen, die zweifellos Anis‘ richtige Mutter in ihrem Leben durchgestanden haben muss. Am witzigsten im ganzen Film ist eigentlich der Auftritt von Karel Gott vor dem Brandenburger Tor in Berlin, als er vor tausenden von Fans seinen Schlager [I]„Biene Maja“[/I] zum Besten gab. Dennoch gibt es leider wenig Grund, die Zeit zu opfern, um [I]„Zeiten ändern dich“[/I] anzusehen, denn ändern wird dieser Film nicht wirklich viel. Hier haben es die Vorbilder wie Eminem oder auch 50 Cent besser hinbekommen, von der Bühne vor die Filmkamera zu wechseln. Da hilft auch Mega-Moneymaker Bernd Eichinger, der eigentlich aus jeden Thema eine Cashcow machen kann, und Star-Regisseur Uli Edel ([I]„Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“[/I] oder [I]„Der Baader Meinhof Komplex“[/I]) nicht mehr, wenn die eigene schauspielerische Leistung mit ungenügend bewertet werden muss. [B]Punkte: 2 von 10[/B]

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