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Aktuelle Studie: Einnahme eines Asthma-Sprays bei Covid-19 vielversprechend

30.09.2010

Per du

Natürlich kann ich hier in Schweden nicht nur die Natur genießen und faulenzen, ich muss auch studieren, deshalb bin ich ja hier. Wie ich bereits erwähnt habe heißt mein Studiengang in Augsburg „Medien und Kommunikation“. Dort sieht es im Grunde genommen so aus: Ich wähle etwa sechs oder sieben Kurse bzw. Vorlesungen, je nachdem, wie intensiv sie sind, und besuche sie ein Semester lang parallel. Ich halte in meinen Kursen Referate, arbeite an Projekten oder schreibe am Ende des Semesters eine Klausur über den Stoff, den der Professor/Dozent vermittelt hat. Wie bzw. ob ich meine Arbeit erledige, dafür bin ich selbst verantwortlich, es gibt keinen „Lehrer“ wie in der Schule, der die Studenten dazu auffordert, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen oder ihn bestraft, wenn er es nicht tut. Das System in Schweden sieht etwas anders aus. Man hat hier nur wenige Kurse gleichzeitig, dafür geht ein Kurs meist nur wenige Wochen, ist dann abgeschlossen und man kann einen neuen beginne. Die Intensität der Kurse wird dabei in Prozent angegeben. Die ersten Wochen besuche ich hier an der Högskolan Dalarna (das ist der Name meiner Uni) nun einen Kurs, in dem es um Medien geht (50%), und einen Schwedisch-Sprachkurs (50%) und komme somit auf ein 100%-Vollzeitstudium. Die meiste Zeit verbringe ich dabei jedoch nicht an der Uni, sondern arbeite zuhause für mich allein. Wenn diese Kurse gegen Ende Oktober vorbei sind, beginne ich zwei neue. Was dabei sehr gewöhnungsbedürftig ist: Man fühlt sich doch etwas in seine Schulzeit zurückversetzt. Die Dozenten sind hier eher wie Lehrer und geben den Studenten Hausaufgaben auf, die dann teilweise sogar eingesammelt werden (je nach Kurs und Lehrer natürlich). Ein interessanter Punkt, der hierbei zu erwähnen ist: An der Universität bzw. in Schweden allgemein duzen sich alle. Ich nenne meinen Medien-Dozenten also Henrik, meine Schwedisch-Lehrerin heißt Lisa und meine Vermieterin Sofia. Akademische Titel wie „Doktor“ oder „Professor“ werden nicht erwähnt, das widerspricht der schwedischen Grundansicht, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollten. Wer sich „Doktor“ nennt will in den Augen der Schweden ausdrücken, dass er etwas besseres sei. Für mich war das Duzen an der Uni keine große Umstellung, denn in Augsburg habe ich viele junge Dozenten, die ebenfalls geduzt werden. Wenn man dann aber mit älteren Menschen spricht, die sich als Gustav oder Anna vorstellen, ist das schon erst mal ungewohnt. Ich persönlich sehe es jedoch sehr positiv! Noch ein paar weitere Worte zu meiner schwedischen Uni: Sie liegt ganz idyllisch auf einem Hügel zwischen Wäldern und Wiesen und man hat von dort aus einen guten Blick auf die zwei Faluner Skisprungschanzen (sehr beeindruckend, ich war schon oben!). Doch ich sehe nicht alles hier positiv. Beispielsweise zahlt man hier zwar (noch) keine Studiengebühren, jedoch wird erwartet, dass man sich alle Bücher für die Kurse selbst kauft, dabei können für ein Semester schon ein paar hundert Euro zusammenkommen. Tut man es nicht, ist es sehr schwer, die Bücher in der Bibliothek auszuleihen, da für etwa 30 Studenten meist nur ein oder zwei Exemplare vorhanden sind. Auch etwas störend ist, dass es keine Mensa gibt, wie man sie aus deutschen Unis kennt. Es gibt ein Restaurant im Uni-Gebäude, in der das Essen um die sieben Euro kostet – ein nicht sehr studentenfreundlicher Preis, den ich nur ungern zahle, da ich ihn immer mit den Preisen in Augsburg vergleiche (1,50 Euro für einen Teller Nudeln!). Aber ich will nicht nur schimpfen, insgesamt gefällt es mir auch an dieser Uni recht gut! Dies waren nur ein paar Punkte, die mir in den ersten Wochen aufgefallen sind. Natürlich bietet die Uni auch viel Positives. Vorlesungen, die von hunderten Studenten besucht werden oder gnadenlos überfüllte Hörsäle, wie man sie teilweise aus Deutschland kennt, wird man hier nicht finden, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Klassen sind hier sehr klein und man hat somit auch die Möglichkeit, persönlich mit dem Lehrer ins Gespräch zu kommen und ihm jederzeit Fragen stellen zu können. Anmerkung zu den Bildern im Anhang: Links das Hauptgebäude der Uni, in der Mitte die Skisprungschanzen nahe der Uni, rechts Blick von den Schanzen aus nach unten.

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