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16.03.2012

Armselige Masche: Kasse machen mit toten Kindern

Inzwischen ist man es fast schon gewohnt, dass tote Diktatoren gezeigt werden. Gerne in Nahaufnahme im Moment des Ablebens, kurz davor oder irgendwann dannach, am besten mit viel Blut und Schrecken. Warum auch nicht? Immerhin handelt es sich ja um ein "Dokument der Zeitgeschichte", das man da zeigt, ja zeigen muss. In der Regel ist man mit diesem Totschlagargument auch fein raus. Sogar der Presserat schluckt es hin und wieder. So geschehen bei Gaddafi.

Mit dem, was Schweizer und belgische Medien in den vergangenen Tagen nach dem Busunglück in der Schweiz veranstaltet haben, dürfte zweifelsohne ein neuer armseliger Tiefpunkt erreicht sein. Die Speerspitze machte blick.ch am Freitagmorgen, mit der Feststellung, dass "Emma und ihre Freundinnen" alle tot sind. Die Schlagzeile verblüfft. Dass 22 Kinder bei dem Unglück ihr Leben verloren hatten, ist ja erst seit ein paar Tagen bekannt.

Wie die vier Mädchen zuvor im Leben ausgesehen hatten, macht das Foto dazu deutlich. Vier Mädchen, die nebeneinander im Bett liegen.

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Die Bild-Zeitung setzte einen drauf und zeigte "Die toten Kinder aus dem Reisebus" gleich blatthoch auf der ganzen Titelseite. 15 Porträtbilder inklusive.

Die Bilder machen traurig, betroffen und haben lediglich eine einzige Botschaft: Muss man so etwas zeigen?

Die Antwort ist: Nein, muss man nicht. Und darf man nicht. Als Journalist kommt man nicht umhin, sich bei solchen Fehlschlägen zu schämen. Hier geht es weder um Nachrichtenwert noch um ein Dokument der Zeitgeschichte, sondern um puren Voyeurismus. Hier wird mit Gefühlen gespielt. Von Angehörigen, Freunden und jedem Menschen, den das Unglück betroffen macht. Medien sollen Emotionen transportieren. Dafür, sie zu missbrauchen, sind sie nicht da.

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