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02.07.2010

Mail aus Afghanistan - Neue Erfahrung

Liebe Leser(in), die abgelaufene Woche begann für meine Kollegen und mich mit einem „Office Day“. Unter anderem bereiteten wir uns auf unseren nächsten Arbeitsbesuch bei der Police Station 7 vor. Nachwievor stand das Ansinnen des Dienststellenleiters hinsichtlich der Anschaffung von dringend benötigten Feuerlöschern im Raum (siehe letzter Blogeintrag). Aufgrund der ungünstigen Lage des Geschäfts, welches geeignete Feuerlöscher führt, war uns der Einkauf dort nicht möglich. Deshalb kamen wir zum Entschluss unseren afghanischen Dolmetscher zu beauftragen, die Feuerlöscher einzukaufen. Nachdem sich unserer Dolmetscher hierzu bereit erklärt hatte, brachte er zunächst die Anschaffungskosten in Erfahrung. Nachdem er uns die Anschaffungskosten mitgeteilt hatte, erhielt er den erforderlichen Geldbetrag und kaufte die Feuerlöscher ein. Am nächsten Tag half ich bei einem anderen FDD-Team aus. Ein Kollege aus diesem Team war noch im Urlaub. Nachdem ein FDD-Team aus vier zivilen Polizeibeamten/vier Feldjägern und der Sicherungskomponente besteht, war dies notwendig. Unser Ziel war die Police Station 4 in Mazar e Sharif . Bei dieser Police Station galt es für die Kollegen den Fragenkatalog weiter zu bearbeiten und diverse bauliche Änderungen abzusprechen. Ferner nahmen wir einen neuen Küchenherd Inaugenschein. Der Herd wurde aufgrund eines Ansinnens des dortigen Dienststellenleiters von dem FDD-Team beantragt und von einer lokalen Firma eingebaut. Bemerkenswert ist der Herd insofern, als das er gemauert ist und in der Mitte eine tiefe Kochmulde enthält. Befeuert wird dieser Herd von der Außenseite der Küche mit Holz und Kohlen [URL="http://www.community.augsburger-allgemeine.de/forum/members/thorsten+lehrmann-albums-4770-mail+aus+afghanistan-fotos-picture20667-mail-aus-afghanistan-fotos.html"](siehe Fotos im Album).[/URL] Tags darauf war nochmals ein „Office Day“ angesetzt. Hier waren wir unter anderem mit einer gründlichen Pflege und Sichtkontrolle unserer gepanzerten Fahrzeuge beschäftigt. Es gibt im Feldlager eine entsprechende Wartungshalle der Bundeswehr. Dort besteht auch für uns die Möglichkeit unsere Fahrzeuge umfassend zu pflegen und durch KFZ-Mechaniker einer genauen Sichtkontrolle unterziehen zu lassen. Bei dieser Sichtkontrolle wird z.B. das Fahrwerk, usw. kontrolliert. Da hier in Afghanistan die Straßenverhältnisse sehr häufig äußerst schlecht bis katastrophal sind, Straßen sind je nach Örtlichkeit oftmals überhaupt nicht vorhanden, sollen unsere Fahrzeuge eine Laufleistung von gerade einmal 10000 km erreichen. Insofern sind diese regelmäßigen und gründlichen Pflegezeiten für unsere Fahrzeuge unumgänglich. Am Dienstag führte uns unser Weg zum amerikanischen Feldlager „Mike Spann“. Hier galt es für uns zwei Kollegen (Kurzzeittrainer) mit deren kompletter Ausrüstung abzuholen und zum Feldlager „Marmal“ zu verbringen. Das Feldlager „Mike Spann“ ist kleiner als das Feldlager „Marmal“. Die amerikanischen Soldaten leben dort in Zelten und in Holzhütten und der Platz ist insgesamt sehr stark begrenzt. Angrenzend an das Feldlager „Mike Spann“ ist ein behelfsmäßiges Police Training Centre in Betrieb. Die afghanischen Polizeischüler müssen hier von den deutschen Kurzzeittrainern in Zelten unterrichtet werden. Zudem wohnen die afghanischen Polizeischüler auch in großen Zelten [URL="http://www.community.augsburger-allgemeine.de/forum/members/thorsten+lehrmann-albums-4770-mail+aus+afghanistan-fotos-picture20665-mail-aus-afghanistan-fotos.html"](siehe Fotos)[/URL]. Am Mittwoch war ich im Police Training Centre nahe dem Feldlager „Marmal“ eingeladen, vor einer Abschlussklasse afghanischer Polizeischüler etwas über das FDD-Programm zu erzählen. Ein Kurzzeittrainer hatte mich einige Tage zuvor diesbezüglich angesprochen und mich gefragt, ob ich dies machen wolle. Nun war es also morgens um 08.00h und ich ging mit dem Kollegen und einem afghanischen Dolmetscher in die Klasse. Als wir den Klassenraum betraten, saß an einem Schreibtisch ein afghanischer Klassenleiter. Der Kollege hatte mein Kommen den afghanischen Polizeischülern, etc. angekündigt. Ich wurde sehr herzlich begrüßt. Dies war nun also mein erstes Mal überhaupt, dass ich in einem Klassenzimmer vor einer Klasse stand und dort eine Unterrichtsstunde abhielt [URL="http://www.community.augsburger-allgemeine.de/forum/members/thorsten+lehrmann-albums-4770-mail+aus+afghanistan-fotos-picture20664-mail-aus-afghanistan-fotos.html"](siehe Foto im Album)[/URL]. Natürlich war ich etwas nervös, ließ mir aber äußerlich nichts anmerken. Der afghanische Dolmetscher erklärte mir, dass in der Klasse auch wenige Paschtunen sitzen würden. Der afghanische Klassenleiter rief nun einen Schüler vor. Dessen Aufgabe bestand darin, von „Dari“ ins „Paschto“ zu übersetzen, während ich „englisch“ sprach und der zweite Dolmetscher von „Englisch“ ins „Dari“ übersetzte. Das klingt ziemlich verwirrend. Es war auch für mich in den ersten zwei Minuten sehr gewöhnungsbedürftig, da wir normalerweise nur mit einem Dolmetscher (Englisch/Dari ) arbeiten. Während ich den Polizeischülern einen Überblick über das FDD-Programm gab und mich zu Beginn vorstellte, beobachtete ich die Schüler. Ich hatte den Eindruck, als ob sie jedes Wort von mir förmlich „aufsaugen“ würden. Ich gab den Schülern auch zu verstehen, dass sie mir jederzeit Fragen stellen können, auch wenn sie nicht direkt mit FDD in Verbindung stehen. So zeigten sie sich z.B. auch sehr interessiert daran, wie die deutsche Polizei arbeitet. Hier ging das ein oder andere Mal ein leises „Raunen“ und anerkennendes Kopfnicken durch die Klasse. Hier hatte ich ein Augenmerk darauf gerichtet, keinerlei taktischen und technischen Auskünfte zu geben. Als ich meine Ausführungen beendet hatte und nochmals fragte, ob jemand Fragen hätte, stand in der ersten Reihe ein Polizeischüler auf und fragte mich, ob er nach der Ausbildung in den Süden müsse. Dabei hatte er verständlicherweise einen ängstlichen Gesichtsausdruck. Diese Frage konnte ich zugegebenermaßen nicht beantworten und sagte ihm dies auch. Sowohl der deutsche wie auch der afghanische Klassenleiter bedankten sich nochmal für meine Ausführungen. Am Donnerstag stand für meine Kollegen und mich nun die Ausfahrt zur Police Station 7 an, wobei sich der Beginn der Ausfahrt wegen eines Warnhinweises etwas verzögerte. Nachdem das obligatorische Sicherheitsbriefing, Überprüfung der Funkgeräte, Waffen und unserer Fahrzeuge erledigt war, brachen wir zu unserer Station auf. Hier möchte ich anmerken, dass die Tagestemperaturen mittlerweile regelmäßig die 40 Grad Marke deutlich überschreiten und selbst in der Nacht noch Temperaturen von etwa 30 Grad vorherrschen. Bei der Police Station 7 war für unseren Besuch eine „Shura“-Sitzung vom Dienststellenleiter anberaumt worden. Als wir bei der Station 7 eintrafen, wurden wir bereits erwartet. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung durch die afghanischen Polizisten nahmen wir im Hof der Station 7 vor den „Shura“-Mitgliedern Platz. Der Dienststellenleiter begrüßte nun offiziell alle Anwesenden und gab einen Überblick über die Gesamtsituation (Kriminalität, etc.) ab. Er hob insbesondere die wichtige Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bevölkerung und unsere Tätigkeit hervor. Unser Teamleader bedankte sich anschließend bei dem Dienststellenleiter und der „Shura“ für die Einladung zur Teilnahme. Im weiteren Verlauf brachten die einzelnen „Shura“-Mitglieder ihre Anliegen, auch an uns gerichtet, vor. Hierbei ging es oftmals auch um weitere soziale Angelegenheiten, wie z.B. die Ausstattung einer Schule mit Mobiliar, etc. . Zum Abschluss meines heutigen Blogeintrags möchte ich ihnen etwas über die zwei wichtigsten verschiedenen Sprachen, welche in Afghanistan gebräuchlich sind, erzählen. Die wichtigste Sprache ist „Dari“. Dari ist vereinfacht ausgedrückt eine Ableitung der persischen Sprache aus dem Iran. Dari verfügt unter anderem über eine sehr detailreiche Schrifttradition und ist auch deshalb die führende Sprache in vielen Bereichen Afghanistans (z.B. Verwaltung, Religion). Dari ist relativ einfach zu erlernen, ähnlich wie die englische Sprache. Die zweitwichtigste Sprache ist das „Paschto“. Paschto untergliedert sich in zahlreiche Dialekte, welche nur in bestimmten Bereichen Afghanistans gesprochen werden. Paschto unterscheidet sich zudem im Schriftbild im Gegensatz zum oben erwähnten Dari. Paschto ist schwieriger zu erlernen, ähnlich wie z.B. die russische Sprache. Die afghanische Bevölkerung ist oftmals mindestens zweisprachig (Dari und Paschto). Neben den oben erwähnten Sprachen gibt es noch eine Vielzahl weiterer Sprachen, wie z.B. Belutschi, Nuristani, Usbekisch, Paschai, Schughni und einige mehr. Ich wünsche ihnen eine schöne Woche und verbleibe ...

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