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13.08.2013

Der Knödeltraum (verfressenes Gedicht)

Liebe Leute, ich geb' es gerne zu: Ein leerer Magen lässt mir keine Ruh. Doch dieser Zustand bereitet mir kein Bangen, denn ich bin heute ins Wirtshaus gegangen.

Der Hunger ist groß und ich bin bereit, den Kampf anzugehen: Es ist Schlemmerzeit! Es macht keinen Sinn, dass ich noch länger warte, daher bestell ich schnell die ganze Karte.

Die Kellner sollen sich mal wirklich plagen, gar viele Gerichte müssen sie zu mir tragen. Die Töpfe drohen vom Tische zu kippen. Ich lecke in Vorfreude schon meine Lippen.

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Genüsslich rieche ich den Dampf der Suppen, auf denen die Fettaugen gemächlich wuppen. Ich greife zum Bier und auch zum Wein, von jedem schenke ich einen Humpen ein.

Gar herrlich sind die Speisen geraten: Die Knödel, die Spätzle, und auch der Braten. Die Ente, die Gans, beide kross und recht fett, liegen dampfend auf einem silbern’ Tablett.

Kartoffeln, Gemüse, und dazu die Soßen, den Teller vermag ich nicht von mir zu stoßen. Von glänzendem Butterfett triefen die Nudeln, die muss man genießen, da darfst du nicht hudeln.

Den Duft von Huhn, Kapaun und auch Hase, saug’ ich durch die Nüstern hinein in die Nase. Ich greife zur Gabel, ich zücke das Messer, oh ja, ich bin ein begeisterter Esser.

Ich bin bereit, jetzt gleich geht es los! Da verspür ich einen heftigen Stoß. Und jäh gewinnt die Erkenntnis Raum: Das ganze Essen war nur ein Traum.

Meine Frau wollt’ es nicht mehr länger ertragen, gar ungebührlich war im Schlaf mein Betragen. Mein stetes Rülpsen, Schmatzen und Kauen, konnt’ sie nicht mehr hören, und hat mich gehauen.

Der Rest der Nacht ist nicht zu ertragen, unbänd’ger Lärm ertönt aus dem Magen. Das Knurren daraus erschallt immerzu, vorbei ist für uns beide die nächtliche Ruh.

(C) Till Eulenspiegel

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