1. Startseite
  2. Community
  3. Leserblogs
  4. Tobias_Schaumann
  5. Traum-Cabrios (2): Der neue Mercedes SL

17.03.2012

Traum-Cabrios (2): Der neue Mercedes SL

Der Boxster ist Ihnen zu klein? Oder zu günstig? Kein Problem. Mercedes hat mit dem SL einen Luxus-Roadster neu aufgelegt, der alle Grenzen sprengt. Teil 2 unserer Serie der Traum-Cabrios.

 Bei kaum einem anderen Automobil richtet sich der Blick so oft in die Vergangenheit. Jetzt wird der SL 60 Jahre. Das ist streng genommen kein Jubiläum, aber Grund genug, noch einmal an den Ur-SL von 1952 zu erinnern. Die typischen seitlichen Belüftungsgitter mit den verchromten Finnen zieren auch das aktuelle Modell.

Irgendwann reicht es dann aber mit der Legendenbildung. Ein so exorbitant teures Auto muss sich das strenge Urteil der Gegenwart gefallen lassen. Hier stellt sich zuallererst die Frage, welche Existenzberechtigung der SL (noch) besitzt – hat doch Mercedes mit dem SLK einen adretten Roadster im Programm und mit dem SLS einen gleichsam historisch wertvollen Supersportler, den es inzwischen ebenfalls offen gibt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.


Die Positionierung des SL muss also in der Mitte erfolgen. Da das Thema Dynamik hinreichend besetzt ist, bleibt dem SL die Disziplin „Komfort“. Hier schlägt er, um es vorweg zu nehmen, alles. Nie war das Fahren unter freiem Himmel angenehmer als im neuen SL. Weder Luftzug noch Windgeräusche oder Vibrationen stören das Wohlbefinden der Insassen.
In der Aerodynamik erzielt der SL Bestwerte. Was man ihm mit Blick auf die kantige Front kaum zutraut. Das Antlitz gleicht dem des SLK. Es suggeriert Kraft und Entschlossenheit. Gut machen sich vor allem die leicht schräg geschnittenen Scheinwerfer. Von der endlos langen Motorhaube bis zum eleganten Heck wirkt alles wie aus einem Guss.


Was die Konstruktion betrifft, demonstriert der traditionsreiche SL Zukunftsfähigkeit. Erstmals ist die Karosserie fast komplett aus Aluminium gefertigt. Das spart im Vergleich zum Vorgänger bis zu 140 Kilogramm Gewicht. Trotzdem bleibt der SL natürlich ein Dickschiff. Die Außenmaße wuchsen um stattliche 50 Millimeter. Breit wie ein Haus ruht der SL, der ja eigentlich ein Roadster sein soll, auf dem Asphalt.


Der größten Sprung hat Mercedes mit den Motoren gemacht. Zur Wahl stehen ein V6 mit 306 PS (SL 350) und ein V8 mit 435 PS (SL 500). Ihre Trinksitten haben sich stark gebessert. Um bis zu 29 Prozent gingen die Verbräuche zurück. Trotzdem kann sich der SL-Käufer über eine kleine Leistungsexplosion freuen. Der kolossale SL 500 zum Beispiel braucht für den Sprint auf 100 Stundenkilometer 0,8 Sekunden weniger als der Vorgänger. Das sind Welten.


In der Realität wird man die Power des V8 kaum ausschöpfen. Etwas zu früh aufs Gas am Kurvenausgang – und das ausladende Heck schmiert schnell mal weg. 700 Newtonmeter Drehmoment wollen gebändigt werden. Der SL ist eben ein Cruiser und kein Flitzer. Er wiegt den Fahrer aber stets in dem beruhigenden Gefühl, dass er könnte, wenn er wollte. Aber warum hetzen?

 Lieber widmet man sich dem phänomenalen Klang der Soundanlage. Als erster Hersteller weltweit hat Mercedes die Basslautsprecher im Fußraum untergebracht. Damit werden die tiefen Töne nicht mehr vom Winde verweht. Dieses Frontbass-System gehört zur Serienausstattung. Eine andere Weltpremiere, nämlich in die Scheibenwischer integrierten Waschdüsen, kostet 309 Euro zusätzlich.


Womit wir beim heiklen Thema Preis angelangt wären. Auch das hat Tradition im SL. Schon der „kleine“ 350 kommt auf mindestens 93 500 Euro. Für den SL 500 werden 117 100 Euro fällig, ohne dass man sich in der reichhaltigen Extra-Liste bedient hätte. Das Sonder-Ausstattungspaket „Edition 1“ etwa, das so schöne Dinge wie Nackenföhn, AMG-Syling und Designo-Nappaleder enthält, verschlingt weitere 20 000 Euro. Schwacher Trost: Ur-SLs aus den 50er Jahren werden derzeit teils für siebenstelllige Summen gehandelt.

 

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren