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22.08.2012

Tomés Kinderportätmuseum / Childrens Portrait Museum / Beschneidung von Jungen

Ich bitte die Leser, diese Zeilen sorgfältig zu lesen und freue mich über jeden Kommentar. Eure Meinung dazu interessiert mich!

Zu unten stehendem Leserbrief zuerst ein paar Worte an die Redaktion:

Wie Sie wissen, setze ich mich mit meinem "Kinderporträtmuseum" für die Rechte der Kinder ein, zuletzt mit meinen "rote Hand"-Aktionen beim 2. Augsburger Friedensmarathon gegen den Missbrauch von Kindern als Kindersoldaten für die Kinder von Unicef. Ich finde es wichtig, dass jemand an diese Kinder denkt und für ihre Rechte eintritt.

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Das versuche ich mit meinen Aktionen und Ausstellungen meiner Kriegskinderbilder und Bildern von Kindern, denen anderes Unrecht zugefügt wurde. Nach meiner erfolgreichen Ausstellung in der Schweiz bin ich nun Botschafter einer Schweizer Kinderhilfsorganisation.

Deshalb finde ich es sehr wichtig, dass auch im Fall der Beschneidung von Jungen für das Kindsrecht eingetreten wird und dass Ihre Zeitung seine Leser umfassend über dieses Thema informiert.

Ich bin mir bewusst, dass dies ein Tabuthema ist, sehe dies aber nicht als Angriff auf Religionen, sondern vielmehr als Chance für dieselben, sich Erneurungen zu stellen und wieder glaubwürdiger zu werden. Ich bin mir auch SEHR bewusst, dass angesichts der deutschen Vergangenheit es manchen Berichterstattern schwerfällt, etwa Kritik gerade an der jüdischen Religion und seinen Religionsgesetzen zu üben, doch bin ich der Meinung, dass dies für eine Zeitung durchaus legitim und sogar angebracht ist und man durchaus die deutsche Vergangenheit und den damit verbundenen Holocaust trennnen kann (und soll) von aktuellen Fragen der Religion (und auch der Politik). Das steht einer verantwortungsbewussten Berichterstattung gut an.

Mit freundlichen Grüßen

Tomé Thomas Etzensperger

Leserbrief zu Ihrem Artikel „Anzeige wegen Beschneidung“ auf der Seite 5 in der „Augsburger Allgemeinen“ vom 22. August 2012

Arme Religion! Arme Kinder!

Oberrabbiner Yona Metzger lehnt also eine örtliche Betäubung der Knaben bei der Beschneidung ab, weil es das jüdische Religionsgesetz so fordert, gibt dem Säugling stattdessen „einen Tropfen süßen Weines“ und behauptet, „in der Regel“ gäbe es keine Komplikationen und das Kind erfahre kein Trauma, weil es das Ganze „vergesse“. Das ist schlichtweg die Unwahrheit. Es bedarf keines allzu großen Aufwandes, um im Internet neben den bunten, festlichen Bildern muslimischer und jüdischer Beschneidungszeremonien auch die ungeschönte Wahrheit dieses religiösen Rituals zu finden. Immer mehr säkulare Juden lassen ihren männlichen Nachwuchs übrigens nicht mehr beschneiden. Es ist unverständlich, warum eine Religion bei 613 zu befolgenden religiösen Geboten nicht EINES zum Wohle des Kindes auf einen Zeitpunkt verschieben kann, wo der junge Mann selber diese Entscheidung treffen kann, ob er diesen Eingriff an seinem Körper vornehmen lassen will. Auch Religionen müssen sich an die heutige Zeit anpassen und sich von überholten archaischen Bräuchen trennen. Das würde eine Religion auch lebendig und glaubwürdig machen!

In den USA, wo vorwiegend aus "hygienischen Gründen" männliche Babies beschnitten werden, sterben jedes Jahr etwa 100 Kinder an den direkten Folgen dieser Operation. Auch dort wird dieser "kleine, unproblematische Eingriff" meist ohne Narkose durchgeführt, mit dem Argument, dass kleine Kinder ja noch nicht so große Schmerzen empfinden, da das Nervensystem noch nicht fertig entwickelt sei. Das ist Zynismus!

Auch die unverantwortliche Kampagne der WHO, wonach Beschneidung zumindest einen gewissen Schutz gegen HIV biete, hat in Teilen von Afrika bereits eine von der Welt weitgehend ignorierte, mit unglaublicher Brutalität geführte Jagd auf unbeschnittene Jungen und Männer ausgelöst, zum Beispiel im Land des Vaters des derzeitigen US-Präsidenten Barack Obama!

Die Beschneidung von Knaben ist und bleibt eine gravierende Menschenrechtsverletzung, die von der Welt bis heute dennoch beinahe kommentarlos hingenommen wird.

Tomé Thomas Etzensperger

www.tome-art.de

Noch eine Anmerkung zu meiner beigefügten Zeichnung: Die frisch beschnittenen Säuglinge und Kleinkinder hatten auf dem Foto, welches als Grundlage für meine Zeichnung diente, alle noch einen Lolli in der Hand. Diesen habe ich bei der Zeichnung weggelassen, weil mir das denn doch zu pervers erschien. Es erinnert mich nun aber an den „Tropfen süssen Weins“, der den Säuglingen laut Oberrabbiner Yona Metzger bei der Beschneidung eingeflösst wird.

PS: Noch ein Gedanke, der mir in diesem Zusammenhang gekommen ist:

Warum es mir so schwer fällt, zu glauben:

In der Bibel ist Isaac bereit, seinen eigenen Sohn zu schlachten, um zu beweisen, dass er seinem Gott mit seiner ganzen Seele verbunden ist. Es fällt mir schwer, an die Güte eines Gottes zu glauben, der solches von seinen Anhängern verlangt, auch wenn jener in diesem Fall dann doch noch einen Rückzieher gemacht hat. Was mir hierbei aber zu denken gibt ist die Tatsache, dass Isaac von den Gläubigen als gottesfürchtiger Mensch VEREHRT wird. Ich für meinen Teil halte einen Vater, der bereit ist, seinen Sohn zu töten, für einen Verbrecher. Und noch etwas: Könnte es sein, dass die Beschneidungszeremonie aufgrund eben dieser Geschichte entstanden ist??! Das Opfer eines „kleinen Hautfetzens“, um seine Verbundenheit mit Gott zu demonstrieren? Ganz abgesehen davon, dass dieser „kleine Hautfetzen“ der am stärksten mit sensitiven Nervenenden durchzogene Teil des gesamten menschlichen Körpers ist; soviel übrigens auch zum offensichtlich „nicht vorhandenen Schmerzempfinden“ von kleinen Kindern...

...und noch Etwas... auch ich habe in meiner Jugend Fehler gemacht und Dinge, die gewiss falsch waren, welche ich damals aber als richtig empfunden habe. Ich habe mich aber bemüht, aus diesen Fehlern zu LERNEN, und dieser Lernprozess ist für den menschlichen Fortschritt im Geiste unabdingbar und essenziell zum Wachsen. Wieso ist dann aber gerade die Kirche, sind Religionen, so verbissen und stur und so absolut darauf bedacht, nur ja alles beim Alten zu belassen und überhaupt nicht dazu bereit, Reformen zuzulassen... Lernfähigkeit ist doch ein hohes menschliches Gut und in einer Demokratie soll auch jeder die Chance haben, begangene Fehler einzusehen und sie zu verbessern, auch dies übrigens ein Menschenrecht!

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